Nitratbelastetes Gebiet

Weniger düngen und mehr Arbeit auf Milchviehbetrieb bei Wrexen

Landwirt Hermann Künemund in seinem Milchviehstall auf dem Aussiedlerhof bei Wrexen.
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Landwirt Hermann Künemund in seinem Milchviehstall auf dem Aussiedlerhof bei Wrexen.

Weniger düngen und mehr arbeiten. Der Wrexer Landwirt Hermann Künemund sieht einen Widerspruch zwischen den einschneidenden Auflagen und dem ausgezeichneten Wasser aus dem hofeigenen Brunnen.

Diemelstadt-Wrexen – Umgeben von saftigen Wiesen und ausgedehnten Waldgebieten liegt seit 1964 der Aussiedlerhof von Hermann Künemund bei Wrexen. Der Inhaber sorgt sich aufgrund der einschneidenden Regelungen für die Düngung seiner Hofflächen um die Zukunft des Milchviehbetriebs.

Das ist das Unterschied

Dabei offenbaren sich in seinen Augen Widersprüche zwischen der Ausweisung eines so genannten roten Gebietes mit erhöhten Nitrat- und Phosphatwerten im Grundwasser, die die Einschränkungen erfordern, und den nach jüngsten Analysen hervorragenden Werten seines Brunnens. Das seit 15 Jahren für das Vieh geförderte Wasser weist sogar Trinkwasserqualität auf. „Anscheinend ist unsere Bewirtungschaftungsweise nicht so verkehrt“, stellt Künemund fest.

Das Wasser sei weniger belastet mit Nitraten als das Trinkwasser, das seit ein paar Jahren aus den Brunnen bei Scherfede nach Diemelstadt geliefert werde. Ende Januar 2021 wurde im Wasser aus dem eigenen Brunnen ein Nitratwert von gerade 1,7 Milligramm pro Liter von dem Labor bescheinigt.

Mineralhaltiges Wasser

Das von der Stadt gelieferte Wasser weist dagegen einen Wert von 13,1 Milligramm im gleichen Zeitraum auf. Die Messungen hat Künemund vornehmen lassen, um den genauen Futterbedarf für sein Milchvieh ermitteln zu können. Die Hochwald-Molkerei, die die Milch vom Hof Künemund verarbeitet, fordert solche Analysen im Rahmen eines Audits.

Das Brunnenwasser weist höhere Mineralwerte auf: 136,2 mg Calcium hat das Labor ermittelt. Das städtische Wasser kommt auf 68,8 mg. Bei solchen Mineralwerten kann der Landwirt die ergänzende Gabe von Kraftfutter entsprechend anpassen. Vom Frühjahr bis zum Oktober können die 70 Kühe auf 30 Hektar Weideflächen rund um den Hof grasen und dabei eine besonders gehaltvolle Milch liefern.

Strenge Verordnung

Der Betrieb muss sich seit Ende 2020 an die neue, strengere Düngeverordnung halten. Die Fläche gehört zum Maßnahmenraum EWF Korbach-Nord. Im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie hat die Energie Waldeck-Frankenberg die Trägerschaft für die Gewässerschutzberatung in diesem Bereich zugeordnet bekommen.

Gewässerschutz bedeutet in diesem Fall: Wegen der weiträumig ermittelten erhöhten Nitrat- und Phosphatwerte muss die Ausbringung von Gülle und anderer Dünger um 20 Prozent begrenzt werden. Wegen der geringen Aufnahmebereitschaft des Bodens darf unter anderem bei frostharter Oberfläche nicht gedüngt werden.

Weniger Ertrag

Künemund betreibt Ackerbau und Wiesenwirtschaft, um das Vieh versorgen zu können. Mais und Kleegras werden genutzt, um Silage als Futter produzieren zu können. Neben dem Milchvieh hält Künemund 60 bis 70 Rinder und Kälber auf dem Hof.

Die Einschränkungen durch die Düngeverordnung bedeuten nach Einschätzung von Künemund Einbußen bei den Mais- und den Kleeerträgen. Wer zudem Weizen als Brotgetreide säe, müsse aufgrund der reduzierten Düngung mit schlechterer Qualität rechnen.

Geringere Qualität

Das könne dazu führen, dass der Weizen eher für die Viehfütterung als für die Produktion von Mehl geeignet wäre. Schließlich kritisiert der Landwirt, der den Hof mit seiner Ehefrau und einem Auszubildenden betreibt, die geforderte Dokumentation der Düngegaben oder der Weidetage pro Tier. Dabei wüssten die Landwirte schon, was sie verteilen müssten.

Am vernünftigsten wäre nach Einschätzung des Milchbauern die Zuteilung von Nährstoffquoten für die Milchviehbetriebe. Die Nährstöffe könnten die Bauern nur einmal verteilen.

Das sind „rote Gebiete“

Die roten Gebiete sind nach einem mehrstufigen Verfahren, unter anderem auf der Basis von Messstellen im Bereich von Grundwasserkörpern, ermittelt worden. Diese auf Karten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUG) abgebildeten Flächen erfassen auch den Betrieb der Künemunds.

Der von ihm betriebene Brunnen mit den guten Wasserwerten macht da nur einen kleinen Teil aus. Die rot markierten Flächen weisen auch das Risiko einer weiteren Gefährdung durch landwirtschaftliche Nutzung aus. Neben einem ausgefeilten Plan für die Bewirtschaftung wird auch eine zeitnahe Dokumentation von Düngung und Viehauftrieb gefordert. Viel zusätzliche Arbeit für den Landwirt.

Beratung für Landwirte

Im Bereich des Maßnahmenraums EWF Korbach-Nord ist die Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU) in Göttingen mit der Beratung im Rahmen des Gewässerschutzes beauftragt worden.

Wie sich der Betrieb unter diesen Bedingungen und mit einem Milchpreis von aktuell 31 Cent pro Liter weiter entwickeln wird, sieht Künemund mit gemischten Gefühlen. Die Belastungen für die Landwirte müssten, wenn schon eingeschränktes Düngen und demnächst ein Verzicht von bestimmten Unkrautvernichtungsmitteln gefordert werde, auch durch höhere Verbraucherpreise kompensiert werden.

Das wäre die Alternative

Doch befürchtet der Wrexer Landwirt, dass die dann nicht akzeptiert würden und zu billigerer Ware aus dem Ausland gegriffen werde. Künemund denkt sich schon an einen Systemwechsel: So trage er sich mit dem Gedanken, auf Biomilchproduktion umzustellen, mit der auch die Einnahmen steigen könnten. In diesem speziellen Marktsegment sieht er eine steigende Nachfrage. (Armin Haß)

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