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Weniger Menschen in Waldeck-Frankenberg haben mit Schulden zu kämpfen

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Von: Marcus Althaus

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Die Zahl überschuldeter Privatpersonen in Waldeck-Frankenberg ist weiter gesunken. Waren 2020 noch 11.733 Menschen im Kreisgebiet überschuldet, sank deren Zahl im zweiten Jahr der Coronakrise auf 10.286.

Korbach - Insgesamt folgen die Zahlen aus dem Landkreis dem Trend, der sich für Deutschland insgesamt widerspiegelt. Wobei die Mehrzahl von 5.403 zur hohen Überschuldungsintensität gehört, während 4.883 als gering verschuldet gelten.

Als Gründe führt das Bonitätsprüfer des Inkasso-Unternehmens Creditreform Kassel/Fulda die Stabilität vieler Unternehmen an, die mit staatlichen Hilfen gestützt wurden, wie etwa Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld. „Ebenfalls führte die hohe Konsumabstinenz der Bevölkerung zu dieser Entwicklung.“

Creditreform spricht dabei von einem Corona-Sondereffekt: der Lockdown, der den Konsumrausch beendete. Jedoch, und das ist die schlechte Nachricht, beginnen die Folgen der Corona-Pandemie erst nach und nach bei den Verbrauchern spürbar zu werden. „Langfristig wird der Einfluss auf die Liquidität und Zahlungsfähigkeit vieler Haushalte maßgeblich. Gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und anhaltende Inflation wirken vorerst auf die Wirtschaft und dann erst auf die Geldbeutel der Verbraucher“, blickt Creditreform voraus.

Die Altersüberschuldung nimmt zu

Für ältere Menschen zeichnet sich bereits ein anderes Bild bundesweit. Die Altersüberschuldung nimmt weiterhin zu. Es ist der einzige registrierte Anstieg von Überschuldungsfällen und -quote. „Im Alterssegment der 60- bis 69-Jähren ist ein Anstieg auf 769.000 Überschuldungsfälle (+44.000 Fälle oder +6 Prozent) mit einer Überschuldungsquote (7,32 Prozent, +0,28 Prozentpunkte) besorgniserregend. Speziell der Anstieg der Überschuldungsfälle mit juristisch relevanten Sachverhalten ist nicht zu vernachlässigen“, sieht Sebastian Schlegel, Geschäftsführer von Creditreform Kassel/Fulda die erneute Zuwachsrate im Alter mit Sorgen.

Den stärksten Rückgang in der Überschuldung zeigen indes die jüngeren Verbraucher bis 30 Jahre, insgesamt sinkt deren Überschuldung um 317.000 Fälle auf einen Qquote von 6,98 Prozent (-2,65 Punkte). Die höchste Überschuldungsquote trotz enormer Abnahme von 15,13 Prozent (-2,18 Prozentpunkte) erreicht die besonders wirtschaftsaktive Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen.

Beim Blick in die Region fällt die hohe Schuldnerquote Kassels auf. Obwohl die Quoten dort wie hier und in anliegenden Landkreisen sinken, liegt Kassels Schuldnerquote mit 13,24 Prozent deutlich über dem Bundes- (8,86 Prozent) und Landesschnitt (8,82 Prozent). Die Documenta-Stadt rangiert sogar auf Platz 24 der Städte mit den höchsten Schuldnerquoten in Deutschland. Im heimischen Landkreis bildet Bad Wildungen das Schlusslicht mit mehr als jedem zehnten Verbraucher, der überschuldet ist.

Geringe Überschuldung ist rückläufig

„Von Überschuldung spricht man, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen“, erklärt Sebastian Schlegel, Geschäftsführer von Creditreform Kassel/Fulda.

Zum Stichtag 1. Oktober 2021 ist für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 8,86 Prozent (2020: 9,87 Prozent; 2019: 10,00 Prozent) ermittelt worden. In konkreten Zahlen gelten 6,16 Millionen Bürger über 18 Jahre als überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf.

Dies sind rund 700.000 Personen (- 10,1 Prozent) weniger als noch im Jahr 2020. Seit 2007 / 2008 sinkt die Überschuldungsquote sowohl bei der geringen Überschuldung als auch bei der Zahl der Fälle mit juristischen Sachverhalten. Der drastische Rückgang bei der geringen Überschuldung (-470.000 Fälle; -15,5 Prozent) zuletzt wird an den Restriktionen der Corona-Pandemie fest gemacht, die über einen längeren Zeitraum den Konsum von Waren und Dienstleistungen erschwerten, so Creditreform.

Weiterhin verbleiben rund 3,08 Millionen Haushalte in Deutschland in einer dauerhaften Überschuldungsspirale. Während in Westdeutschland die Zahl überschuldeter Personen rund 5,17 Millionen beträgt, sind es Ostdeutschland rund 990.000 Personen. Der rückläufige Trend macht sich durchgehend in allen Bundesländern bemerkbar.

Quoten in Waldeck-Frankenberg

Der Landkreis kommt insgesamt auf eine Überschuldungsquote von 8,52 Prozent und liegt damit unter dem bundesdurchschnitt. Wobei zwischen einzelnen Kommunen enorme Unterschiede herrschen. Die niedrigste Quote bei der Überschuldung hat Rosenthal. Auch Allendorf, Diemelsee und Burgwald stehen nicht viel schlechter da (siehe Grafik).

Im Gegensatz dazu liegen Diemelstadt und Bad Arolsen nur knapp unter zehn Prozent. In Volkmarsen ist jeder Zehnte überschuldet und Bad Wildungen hat die höchste Quote, was Menschen angeht, die über ihren finanziellen Möglichkeiten leben. Wobei in allen Kommunen des Kreises die Zahl der Schuldner gegenüber dem Vorjahr abnahm.

Überschuldete Privatpersonen in Waldeck-Frankenberg 2021
Im Landkreis verteilen sich die Menschen, die über ihren Verhältnissen leben, ganz unterschiedlich. Hier die Quoten und Zahlen zur Überschuldung in den jeweiligen Kommunen basierend auf einer Erhebung von Creditreform Kassel/Fulda. © WLZ-Grafik

In der Kreis- und Hansestadt Korbach gab es zuletzt 241 Schuldner weniger. Frankenberg erreicht unter den heimischen Mittelzentren den besten Wert, wie graphisch dargestellt. Willingen und Gemünden stechen bei der Überschuldungsintensität heraus, weil dort die Mehrzahl der Schuldner nur gering verschuldet ist. Bei allen anderen Kommen in Waldeck-Frankenberg überwiegt die Zahl der Schuldner mit einer hohen Überschuldungsintensität.

Regionaler Vergleich

Im regionalen Vergleich schneidet der Landkreis Kassel in der Region am besten ab mit einer Schuldnerquote von 8,13 Prozent (-1,00 Prozentpunkte). Den größten Rückgang der benachbarten Landkreise verzeichnet der Werra-Meißner Landkreis (10,25Prozent / -1,26 Prozentpunkte) liefert jedoch nach wie vor die höchste Schuldnerquote unter den Landkreisen. Die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (8,26 Prozent / -1,07 Prozentpunkte) sowie Waldeck-Frankenberg (8,52 Prozent / -1,16 Prozentpunkte) verzeichnen einen beinah identischen Rückgang der Schuldnerquoten, während der Landkreis Schwalm-Eder (8,95 Prozent / -1,15 Prozentpunkte) trotz vielversprechenden Rückgang weiterhin über dem Bundesdurchschnitt liegt.

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