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Erstaufnahme für Ukraine-Flüchtlinge in Allendorf-Eder vor Schließung

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Von: Philipp Daum

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Ein Zelt an der Mehrzweckhalle in Allendorf-Eder: Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus der Ukraine wird aller Voraussicht nach bis spätestens Ende Juni außer Betrieb gehen. archiv
Ein Zelt an der Mehrzweckhalle in Allendorf-Eder: Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus der Ukraine wird aller Voraussicht nach bis spätestens Ende Juni außer Betrieb gehen. © Thomas Hoffmeister

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg wird aller Voraussicht nach den Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung für Ukraine-Flüchtlinge in Allendorf-Eder spätestens Ende Juni auslaufen lassen.

„Uns werden vom Land Hessen deutlich weniger Geflüchtete zugewiesen als angekündigt. Da wir für die Allendorfer Mehrzweckhalle bewusst eine kurze Mietdauer von nur einem Vierteljahr vereinbart hatten, können wir die Einrichtung nun auch zeitnah aufgeben“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese auf Anfrage unserer Zeitung.

In Waldeck-Frankenberg leben derzeit rund 2000 Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. Frese weist darauf hin, dass der Großteil dieser Flüchtlinge in Mietwohnungen und Unterkünften von Privatleuten untergebracht seien.

Zusätzlich zur Mehrzweckhalle in Allendorf-Eder gibt es noch die Nordhessenhalle in Volkmarsen sowie die Christlichen Gästehäuser in Willingen und Usseln, die nach Ausbruch des Krieges gemeinsam für die Aufnahme von insgesamt 1000 Flüchtlinge umfunktioniert wurden. Allerdings wurde die Nordhessenhalle diesbezüglich noch nicht in Betrieb genommen und wird es wegen der aktuellen Situation auch nicht. In den Christlichen Gästehäusern und in Allendorf-Eder befinden sich laut Karl-Friedrich Frese derzeit aber einige Ukraine-Flüchtlinge – wenngleich die wöchentlichen Zuweisungszahlen vom Land Hessen nie an die angekündigten von 150 herangekommen seien.

Karl-Friedrich Frese, Erster Kreisbeigeordneter
Karl-Friedrich Frese, Erster Kreisbeigeordneter © PR

„Das höchste waren 120 Menschen, zuletzt lagen die Zahlen pro Woche im niedrigen, zweistelligen Bereich“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete. Es sei daher geplant, auch die Christlichen Gästehäuser nur so lange als Unterkünfte für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zu betreiben, wie nötig. „Dort läuft das Mietverhältnis bis Ende August. Wir werden bis Mitte Juni entschieden haben, ob die Einrichtungen noch für die Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen benötigt werden.“

Der Landkreis habe zudem das Angebot erhalten, über das Land die frühere Suchtklinik in Hatzfeld-Reddighausen für die Unterbringung von 40 Ukraine-Flüchtlingen anzumieten. „Das soll Anfang Juni auch geschehen“, so Frese.

„Viele Ukrainer kommen auf eigene Faust“

Der Mittwoch ist in aller Regel der „Anreisetag“ in der Erstaufnahmeeinrichtung in Allendorf-Eder. Doch lange bleiben die Ukraine-Flüchtlinge dort nicht – und viele waren es, wie erwähnt, zuletzt auch nicht mehr. „Wir haben die meisten von ihnen schon bis zum darauffolgenden Wochenende auf andere Unterkünfte verteilt“, berichtet Karl-Friedrich Frese. Die Bereitschaft, privaten Wohnraum für die Menschen aus der Ukraine anzubieten, sei in Waldeck-Frankenberg nach wie vor groß.

Auf die Frage, warum sich die Situation im Vergleich zur Flüchtlingskrise 2015, als viele Asylbewerber aus Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten vor allem in Massenunterkünften lebten, heute ganz anders darstelle, sagt Frese: „Es ist zu beobachten – auch in Waldeck-Frankenberg – dass sich die Bürgerinnen und Bürger mit der Bereitstellung von Wohnraum für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine leichter tun. Dass es sich um einen Krieg in Europa handelt, sowie die Tatsache, dass vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen aus der Ukraine und damit aus einem ähnlichen Kulturkreis nach Deutschland kommen, mögen diese Bereitschaft noch verstärken“, so Frese.

Hinzu komme, dass über das Land Hessen gar nicht so viele Ukraine-Flüchtlinge an die Landkreise verteilt werden – stattdessen kämen zahlreiche Menschen aus dem vom Krieg gebeutelten Land auf eigene Faust und würden sich in Deutschland alleine oder mit Hilfe von Bekannten um eine Bleibe kümmern.

Innenministerium hat Kreise schon informiert

Hessens Innenministerium hat sich bereits mit einem Schreiben an die Landkreise gewandt. „Sporthallen, die für die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge eingerichtet wurden, sollen zum 11. Juni geschlossen werden“, heißt es darin. Durch die Verlagerung der Schwerpunkte des Kriegsgeschehens in die Ost-Ukraine habe sich der Anteil der Flüchtenden nach Mitteleuropa deutlich verringert. Bei einer Änderung des Kriegsgeschehens könne es aber nötig werden, die Unterkünfte wieder einzurichten.

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