1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Werdende Mama und ungeborenes Kind aus Lebensgefahr gerettet

Erstellt:

Kommentare

Ihnen geht es jetzt gut: Kerstin und Joachim Münch mit Tochter Sophia Tanja im Fritzlarer Hospital.
Ihnen geht es jetzt gut: Kerstin und Joachim Münch mit Tochter Sophia Tanja im Fritzlarer Hospital. © Christine Thiery

Eine hochschwangere Frau aus Netze kollabiert in Fritzlar: Lebensgefahr. Weil mehrere Menschen rasch und richtig handeln, sind Mama und Baby wohlauf.

Netze/Fritzlar – Manchmal kann eine Verkettung unglücklicher Umstände zu einer Katastrophe führen. Auch in diesem Fall hätte es für die Eltern Kerstin und Joachim Münch dazu kommen können – kam es aber nicht. Wegen des umsichtigen Handelns vieler Menschen in kurzer Zeit konnte die kleine Sophia Tanja gerettet werden. Das Mädchen wurde am Donnerstag 18. August nach einem Notkaiserschnitt im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist geboren. Dieser rettete nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Mutter Kerstin Münch.

Nun sind beide wohlauf und liegen zufrieden im Krankenbett im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar. Sophia nuckelt genüsslich und Kerstin und Joachim Münch blicken zufrieden zu ihr.

Plötzlich kommt es zur Schwangerschaftsvergiftung

Vor knapp einer Woche war Kerstin Münch, die aus Netze stammt, in der 38. Schwangerschaftswoche in Fritzlar beim Frauenarzt zu einer Untersuchung. „Ein Urinwert war auffällig. Es war zuviel Eiweiß vorhanden, was im schlimmsten Fall zu einer sogenannten Schwangerschaftsvergiftung führen kann“, sagt sie. Das sollte noch einmal abgeklärt werden. Da sich die Werte nochmals verschlechtert hatten, verwies sie die Ärztin zur weiteren Kontrolle in das Fritzlarer Krankenhaus.

Die 37-jährige Schwangere fühlte sich sehr wohl und ging von der Praxis zu ihrem Auto, um es umzuparken. „Ich machte mir überhaupt keine großen Sorgen, weil es mir richtig gut ging“, sagt sie. Doch das änderte sich plötzlich: Auf dem Weg vom Parkplatz in Richtung Krankenhaus wurde ihr schwindelig. „Der Bauch war innerhalb von Sekunden fest geworden und ich fühlte ein starkes Stechen und hatte große Schmerzen.“

Bewusstsein auf dem Bürgersteig verloren

Sie schleppte sich noch bis zur Hauptstraße. Mit jedem Schritt ging es ihr zunehmend schlechter. Reflexartig legte Kerstin Münch sich dann auf den Bürgersteig und winkelte die Beine an – dann wurde sie bewusstlos. Kurze Zeit später wachte sie wieder auf und sah einen etwa 16-jährigen Jungen neben sich stehen, der sie ansprach. „Eine blonde Frau rief wohl den Rettungsdienst, denn dann ertönte sogleich die Sirene“, erinnert sich die junge Frau. „Die Sanitäter müssen den Ernst der Lage sofort erkannt haben“, sagt Dr. Bertram Stitz, Chefarzt der gynäkologischen Abteilung am Hospital.

Sanitäter pfeifen auf die Vorschriften und liegen völlig richtig

Sie seien so geistesgegenwärtig gewesen und drängten das Krankenhaus, den Notfall sofort aufzunehmen. „Die Krux war: Der Kreißsaal in Fritzlar war eigentlich für den Leitstellendienst auf nicht aufnahmebereit gestellt worden, da alles belegt war“, sagt Stitz. Hätte sich der Rettungsdienst an die Vorgabe gehalten, hätten sie die Schwangere nach Kassel ins Krankenhaus bringen müssen. Und das hätten Mutter und Kind vermutlich nicht überlebt. Denn es musste alles ganz schnell gehen. „Die Herztöne des Kindes waren ganz schlecht“, sagt Hebamme Nina Gerke. „Wir mussten ohne weitere Untersuchung sofort handeln“, fügt Oberärztin Dr. Mareike Eckhart hinzu. Sie zogen den Chefarzt hinzu und leiteten den sofortigen Kaiserschnitt ein. „Zehn Minuten später war das Kind dann da und brauchte lediglich ein wenig Atemunterstützung“, sagt Stitz.

Grund für den Notfall sei ein Gebärmutterriss gewesen. Dieser habe massiv in den Bauchraum der Patientin geblutet und sei in kürzester Zeit zur Gefahr für das Leben von Mutter und Kind geworden. Dies habe absolut nichts mit der drohenden Schwangerschaftsvergiftung zu tun und müsse sich völlig unabhängig davon innerhalb kürzester Zeit entwickelt haben. Ein Gebärmutterriss sei äußerst selten und ungewöhnlich bei Erstgebärenden, die zudem nicht an der Gebärmutter operiert seien. „Wenn nicht alle so umsichtig und schnell gehandelt hätten, wäre alles vermutlich nicht so glimpflich ausgegangen.“

Das neugeborene Töchterlein ist ein munteres Baby

Sophia Tanja ist ein munteres Baby. Sie hatte ein Geburtsgewicht von 2085 Gramm und ist 43 Zentimeter groß. „Es war klar, dass sie ein eher kleines Kind sein wird“, sagt die Mutter. Die Ärzte bestätigen aber, dass das Kind absolut geburtsreif war. Und das sieht man ihr an: Putzmunter blickt Sophia umher.

Mutter und Kind sind wohlauf und auch der Vater Joachim ist nun wieder beruhigt nach dem ganzen Wirbel, der auch in einer Katastrophe für die junge Familie hätte enden können.

Eltern sind auf der Suche nach den Helfern, um sich persönlich zu bedanken

Die Eltern von Sophia Tanja möchten sich bei den Helfern persönlich bedanken. Von der Frau haben sie bereits eine Telefonnummer. Nun suchen sie noch nach dem Jungen, der so hilfsbereit war. Er möchte sich bitte beim Krankenhaus melden unter Tel. 0 56 22/99 70. (Christine Thiery)

Auch interessant

Kommentare