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Nervig oder nützlich? Wespen sind besser als ihr Ruf und wertvoll für die Natur

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Von: Stefanie Rösner

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Wespen fressen Obst. Fallobst
Manche Wespen haben auch eine Vorliebe für Fallobst. Sie zieht es zu dieser Jahreszeit in Gärten mit Obstbäumen. © Stefanie Rösner

Dieses Jahr gibt es viele Wespen. Viele empfinden das als störend. Doch die Insekten sind besonders wertvoll für die Natur.

Waldeck-Frankenberg – „Die meisten Menschen erleben sie als besonders lästig, doch dass Wespen auch nützlich sind, wissen viele nicht, sagt Bernd Hannover. Er ist Insektenexperte vom NABU aus Bad Wildungen und rät zu mehr Gelassenheit bei der Begegnung mit Wespen.

Nach den Beobachtungen von Biologen gibt es dieses Jahr nachweislich mehr Wespen als in anderen Jahren. „Das trockene, warme und sonnige Wetter kommt den Wespen gelegen“, erklärt Bernd Hannover. Ihn stören die vielen Insekten nicht, wenn er sich im Freien aufhält. „Manche reagieren regelrecht panisch auf Wespen, was überhaupt nicht begründet ist“, berichtet er.

Ratschlag: Ruhig bleiben

Die Insekten seien meistens friedlich, es sei denn, sie werden provoziert. „Auf gar keinen Fall sollte man pusten, um die Wespen zu verscheuchen. Denn dann werden sie aggressiv.“ Auch das schreckhafte Schlagen nach ihnen ist kontraproduktiv. Stattdessen empfiehlt der Insektenexperte, ruhig zu bleiben und „gar nichts zu machen“.

Nur in seltenen Fällen würden Wespen stechen. Gefährlich werde es, wenn jemand allergisch darauf reagiere, aber auch das komme selten vor. „Ich achte nur darauf, dass ich sie nicht verschlucke“, sagt Hannover. Wespen mögen süße Speisen und süße Getränke, weshalb es im Freien gilt, beim Verzehr solcher Dinge besonders vorsichtig zu sein.

Wespen seien keine Plage, sondern sie seien nützlich für die Umwelt. „Sie sind wichtig zum Bestäuben von Blüten, zum Beispiel von Obstbäumen, und sie fressen Schädlinge wie Mücken und kleine Fliegen.“ Zudem bringen sie als Aasfresser Ordnung. Außerdem dienen sie als Nahrung für andere Tiere.

Wespenstiche sind schmerzhaft, aber selten gefährlich

Im Jahr 2022 gab es bislang mit 37 Patienten etwa mehr als sonst, die aufgrund von Insektenstichen im Stadtkrankenhaus Korbach behandelt wurden. 

„Dass Wespenstiche schmerzhaft sind und häufig eine große Schwellung entsteht, ist zunächst erstmal normal und kein Grund zur Sorge“, so Dr. Arved-Winfried Schneider, Ärztlicher Direktor im Stadtkrankenhaus Korbach. Die Angst vor den Insektenstichen sei oftmals in der Angst vor einer allergischen Reaktion begründet. Und auch wenn dies sehr selten der Fall sei, müsse dann unverzüglich gehandelt werden.

„Eine wirkliche allergische Reaktion bemerken die Betroffenen sehr schnell“, sagt Dr. Schneider. „Bei leichteren Reaktionen kommt es beispielsweise zu großen Quaddeln um die Einstichstelle, Juckreiz am ganzen Körper, Schwindel, Übelkeit oder gar Schwellungen im Gesicht und an den Händen“, erklärt der Ärztliche Direktor.

Bei schweren Reaktionen Notruf wählen

Zu schweren Reaktionen zählen Atemnot, Kreislaufprobleme oder sogar Ohnmacht oder Herz-Kreislauf-Stillstand. „Dann gilt es sofort zu handeln und den Notruf 112 zu wählen. “, warnt Dr. Schneider. Wichtig zu wissen sei in diesem Zusammenhang auch, dass eine Allergie bei Wespenstichen sich auch im Laufe des Lebens noch entwickeln kann, auch wenn man auf erste Stiche in frühen Lebensjahren vielleicht keine Reaktion hatte.

In Deutschland ist es verboten, Wespen zu töten und Nester zu entfernen, es sei denn, es gibt berechtigte Gründe, weshalb ein solches umgesetzt werden sollte. Dann können Schädlingsbekämpfer gegebenenfalls helfen. Die Feuerwehren dürfen laut Gesetz störende Nester nicht mehr einfach entfernen, erklärt Gordon Kalhöfer, Vorsitzender der Feuerwehr Waldeck-Frankenberg.

„Früher haben wir manchmal versucht, solche Nester in Wälder umzusiedeln.“ Heute bedarf es dafür eines Sachkundenachweises. „Nester dürfen nur entfernt werden, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht“, so Kalhöfer. (Stefanie Rösner)

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