Wilde Rinder im Edertal: Die ersten sechs von Jägern erschossen

Vor fast einem Jahr ausgebrochen: Bei den wilden Rindern im Edertal handelt es sich um Highland-Rinder wie dieses. Foto:  nh

Edertal. Die verwilderte Edertaler Rinderherde ist deutlich dezimiert, und auch die Tage der verbliebenen Tiere sind gezählt: Sechs der Tiere wurden bereits getötet, drei davon in der Nähe des Waldecker Stadtteils Netze.

Die ausgewählten Jäger mit der Lizenz zum Abschuss der Highland-Mischlinge erfüllen ihre Aufgabe nach Angaben der Gemeinde Edertal Schritt für Schritt. Das Erlegen der Rinder gestalte sich einfacher als befürchtet. Das vorgeschriebene Munitionskaliber entwickele seine tödliche Wirkung binnen Sekunden. Die Rinder sacken demnach sofort nach dem Treffer zusammen.

Die Rinder wunderten sich zwar offenbar, wieso der Nachbar umfällt, aber anders, als zu erwarten war, ergriffen die Überlebenden nicht die Flucht. Der Jäger, der drei Tiere bei Netze erlegte, gab an, er hätte alle sechs angetroffenen Rinder schießen können, sah aber davon ab, weil der Abtransport von mehr als drei Tieren auf die Schnelle nicht zu organisieren war.

Das Kalb, das sich in der Gruppe befand, wollte der Jäger allerdings nicht töten. Die Jäger wollen versuchen, das Jungtier einzufangen, heißt es aus der Edertaler Gemeindeverwaltung. Die gesetzliche Vorgabe, dass ein Tier nur aus „vernünftigem Grund“ getötet werden darf, wird nach Einschätzung der Verwaltung nicht nur im Zuge der Gefahrenabwehr erfüllt, sondern auch dadurch, dass die Jäger die Rinder für den Eigenbedarf verwerten dürfen und das auch tun.

Wichtig: Der Leitbulle, der seine Wehrhaftigkeit und Entschlossenheit in den vergangenen Monaten mehrfach bei Fangversuchen unter Beweis stellte, gehörte zu den ersten erlegten Tieren.

Ein Waidmann, der selbst an dieser Jagd nicht beteiligt ist, formuliert seine Sichtweise so: „Diese Rinder haben ein Leben geführt, wie es kein Artgenosse in der Stallhaltung darf. Sie sterben vom einen auf den anderen Moment, ohne etwas zu spüren - wie ein Wildtier.“ Selbst das Fressen und Gefressenwerden in der Natur halte für manche Beute mehr Leid bereit.

Von Matthias Schuldt

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