2019 verletzter Zeuge sagt aus

Wildunger Angeklagter wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft

Justizia hält eine Waage
+
Am zweiten Prozesstag gegen einen 25-jährigen Wildunger sagte ein weiteres mutmaßliches Opfer aus.

Zitternd am ganzen Körper, mit stockender Stimme schilderte vor der zehnten großen Strafkammer des Landgerichts ein 44-Jähriger Wildunger, wie er im Juli 2019 schwer verletzt wurde.

Bad Wildungen/Kassel – Der geschilderten Tortur an der Fürstengalerie soll ihn der 25-jährige Angeklagte unterzogen haben, der im Schwalm-Eder-Kreis aufwuchs und später ins Waldeckische zog. „Ich habe Dir doch nichts getan“, sagte der 44-jährige Zeuge damals nach eigenen Worten, als er von dem Angeklagten verletzt wurde, „es ging ruck-zuck“. Ein Bild von der Stichverletzung wurde auf Leinwand gezeigt. Er habe über eine Woche im Krankenhaus gelegen und drei bis vier Wochen eine Halskrause getragen, sagte der Zeuge. Und: „Ich hatte sehr großes Glück, dass kein Halswirbel gebrochen war.“

„Haben Sie gesehen, dass er zugestochen hat?“ fragte der Verteidiger des Angeklagten. Gesehen habe er es nicht, aber gespürt, sagte der Zeuge. Die Polizei habe das Tatmesser gefunden. Der Beschuldigte, so das Opfer, „wollte von mir Tabletten haben, die mir der Arzt verschrieben hatte. Ich wollte sie ihm nicht geben, weil ich sie selbst brauchte.“ Es ging um ein Beruhigungsmittel. Wie die Beweisaufnahme ergab, ist der Angeklagte psychisch vorerkrankt und paranoid. Während des Klinikaufenthaltes sei er mehrfach vorübergehend in einem gesicherten Einzelzimmer und auf einer Krisen-Interventionsstation untergebracht worden. Von Cannabis-, Kokain-Konsum und Amphetaminen war die Rede, einen Mitpatienten habe er mit der Faust ins Gesicht geschlagen, weil er provoziert worden sei.

Angeklagter dreifach vorbestraft

Der Angeklagte ist drei Mal vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Drogenmissbrauchs und Computerbetrugs mit EC-Karten. 2012 kam er erstmals mit dem Gesetz in Konflikt, die bisherige Höchststrafe: zwei Jahre, neun Monate Haft.

Ab dem fünften Schuljahr habe er regelmäßig den Unterricht geschwänzt, räumte der Angeklagte ein. Der Realschule und Berufsschule folgten Jugendstrafen, ab dem 14. Lebensjahr Drogenkonsum, Therapie, die Flucht aus einer Therapieeinrichtung, eine abgebrochene Bäckerlehre. Die möchte er abschließen, sagte er auf die Frage des Vorsitzenden Richters Winter, wie er sich seine Zukunft vorstelle. Derzeit lebt der Mann von Hartz IV. (m.s.)

Der Prozess hatte kürzlich begonnen und wird am Freitag fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.