Kindergärten

„Wir fühlen uns ungeschützt“: Erzieherinnen kritisieren Arbeitsbedingungen unter Corona

Trotz Lockdown öffnen Kindergärten: Viele Erzieherinnen sind wegen der angespannten Personalsituation, den zusätzlichen Aufgaben durch Corona und der Angst um die Gesundheit fast am Ende ihrer Kräfte.
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Trotz Lockdown öffnen Kindergärten: Viele Erzieherinnen sind wegen der angespannten Personalsituation, den zusätzlichen Aufgaben durch Corona und der Angst um die Gesundheit fast am Ende ihrer Kräfte.

„Wir fühlen uns total ungeschützt am Arbeitsplatz“, heißt es aus einer Kindertagesstätte im Waldecker Land zur Arbeit unter Corona-Bedingungen. Zwei Erzieherinnen, die anonym bleiben möchten, schlagen im Gespräch mit unserer Zeitung Alarm.

Nach den Schließtagen über Weihnachten beginnt in vielen Kindertagesstätten in den nächsten Tagen wieder der Betreuungsbetrieb – trotz Lockdown. Während im Frühjahr nur Kinder von Eltern betreut wurden, die systemrelevante Berufe ausüben, appelliert das Land Hessen im zweiten Lockdown lediglich an die Eltern, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

Doch so sieht derzeit der Alltag für viele Erzieherinnen aus: Wickeln, trösten, verschnupfte Nasen abwischen trotz Corona, ausgekühlte Räume durch das ständige Lüften, hoher Krankenstand und täglich enger Kontakt zu Kindern aus einem Dutzend verschiedener Haushalte.

Die Erzieherinnen halten das öffentliche Leben mit am Leben, denn wenn sie nicht arbeiten würden, könnten viele Eltern nicht ihrer Tätigkeit nachgehen. Diese Zeit geht aber nicht spurlos an den Angestellten in den Kindergärten und Kitas vorbei: „Jeder ist am Ende seiner Kräfte“, sagen die beiden Erzieherinnen. Auch für die betreuten Kinder sei die Situation psychisch schwierig.

Neben zusätzlicher Aufgaben wegen der Hygiene- und Verhaltensregeln und einem hohen Krankenstand im Kollegium, ist es vor allem die Sorge um die Gesundheit, die belastet: „Wir haben einfach Angst, uns selbst und unsere Familien anzustecken“, sagen die Erzieherinnen.

Corona: Erzieherinnen haben laut AOK-Daten hohes Risiko

Die Angst ist nicht unbegründet: Wer beruflich mit Kindern arbeitet, hat laut Daten der AOK das höchste Risiko wegen einer Corona-Infektion krankgeschrieben zu werden. Auf 100.000 Beschäftigte kommen in der Kinderbetreuung 2672 Corona-Erkrankungen, teilte die Krankenkasse nach einer Auswertung von Versichertendaten mit. Grundlage der Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) waren die Daten von 13,2 Millionen AOK-Versicherten bis Ende November.

Viele Kollegen hätten vor Weihnachten unbezahlten Urlaub genommen, um sich nicht der Situation auszusetzen und sich unbesorgt über die Feiertage mit ihren eigenen Familien treffen zu können.

Den Trägern und den Leitungen machen die beiden Erzieherinnen keinen Vorwurf. Von der Politik aber fühlen sie sich alleingelassen.

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