Buchtipp

Himmlisches zum Schmunzeln - Leonard Erlbruch: Ich wünsch mir einen Engel

Leonard Erlbruch: Ich wünsch mir einen Engel
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Leonard Erlbruch: Ich wünsch mir einen Engel

Himmlische Mächte in ungewöhnlichen Bildern: Illustrator Leonard Erlbruch hat originelle Engel gezeichnet in seinem Buch „Ich wünsch mir einen Engel“.

Wer wünscht sich nicht, dass im Zweifel unsichtbare Mächte ihn oder sie begleiten, um sie zu beschützen oder gar zu behüten. Im Schlaf dürfen es dann auch schon mal 14 Englein sein. Aber wie sieht es aus, wenn wir uns himmlische Mächte konkret vorstellen? Wenn man nicht Stereotypen der abendländischen Kunstgeschichte bemüht, sondern die Fantasie eines begabten Kindes anregt, dann kann das sehr erstaunlich werden. In diesem Buch versammelt sich ein wahres „Angelus-Bestiarium“.

Den ersten davon erschaffen hat der neunjährige Leonard Erlbruch, als sich seine Mutter zum Geburtstag einen Engel wünschte. Der Engel, den das Kind zeichnete, war kein niedlich gelockter Himmelsbote. Es war eine Ratte, ausgestattet mit mächtigen Flügeln. „Für Mama zum Geburtstag von Leo“. Weil das gut ankam, wurde ein Brauch daraus. So ging aus dem ursprünglich einmaligen Geschenk mit den Jahren eine ganze himmlische Heerschar hervor und in dieses Buch ein. So flattern in dieser ungewöhnlichen Engelversammlung Bären, Elefanten, Schweine, Hunde und bisweilen sogar alte Männer dem Himmel entgegen.
Die ganze irdische Fauna wird himmlisch federleicht unter Leonard Erlbruchs Händen. Je massiger und scheinbar flugunfähiger nach allgemeiner Auffassung eine Spezies ist, desto schwereloser macht er sie.

Ihnen allen sind Flügel gewachsen, meist zwar grotesk kleine, aber Erlbruchs Imagination überwindet alle Naturgesetze, denn sie gebietet auf dem Papier über die Schwerkraft. Eulen- und Adlerengel bedienen sich im Moment der Dokumentation ihres Schwebens nicht der natürlichen Schwingen, sondern typisch Erlbruchscher Stummelflügel, um die ihr reiches Federkleid ergänzt ist. Diese verhelfen auch einem bärbeißig dreinblickenden Herrentrio und einer netzbestrumpften Dame zu Höherem.
Majestätische Adlerfittiche weist hingegen der dem Schabkarton entkratzte Frosch im gutbürgerlichen Karohemd auf. Ein großer dritter Flügel sorgt für Auftrieb für ein himmelstrebendes Stinktier, dessen Schweif wie eingesetzt wirkt. Alles andere sollten Sie sich selbst ansehen.

Der Illustrator Leonard Erlbruch, 1984 in Wuppertal geboren, zählt zu den bekanntesten deutschen Illustratoren. Die von ihm gezeichneten Bilderbücher (zum Beispiel „Der Adler, der nicht fliegen wollte“ oder „Die Werkstatt der Schmetterlinge“), Titelbilder und Kalenderblätter bevölkern Kinderzimmern – und heimlich manchmal die Köpfe jung gebliebener Ausgewachsener.
Dr. H. Schaaf für die Christine Brückner Bücherei in Bad Arolsen

Info

Erlbruch, Wolfgang, Ich wünsch mir einen Engel, Peter Hammer Verlag, gebunden, 16,5 x 26 cm, 64 S., 24 Euro

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