Programm soll seltene Art schützen – Vorkommen im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Hilfe für die Mopsfledermaus

Wochenstube: Unter der Rinde eines Baumes findet der winzige Mopsfledermaus-Nachwuchs Schutz. Die Größe von ausgewachsenen Tieren beträgt zwischen 4,5 und 5,8 Zentimeter mit einer Spannweite von 26 bis 29 Zentimeter bei einem Gewicht von 6 bis 13 Gramm.
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Wochenstube: Unter der Rinde eines Baumes findet der winzige Mopsfledermaus-Nachwuchs Schutz. Die Größe von ausgewachsenen Tieren beträgt zwischen 4,5 und 5,8 Zentimeter mit einer Spannweite von 26 bis 29 Zentimeter bei einem Gewicht von 6 bis 13 Gramm.

Die im Wald lebende Mopsfledermaus gehört europaweit zu den am meisten gefährdeten Fledermausarten. Sie galt in den 90er-Jahren in Hessen sogar als ausgestorben. Mittlerweile kommt sie wieder an einigen Standorten vor – in Hessen in Waldeck-Frankenberg, der Rhön und im Spessart. Deshalb ist Waldeck-Frankenberg auch ein Untersuchungsschwerpunkt beim bundesweiten Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus“.

Waldeck-Frankenberg – Acht Bundesländer, darunter Hessen, wollen zusammen mit der Stiftung Fledermaus, der Naturstiftung David und einigen Nabu-Landesverbänden dafür sorgen, „die Lebensbedingungen dieser sehr gefährdeten Art zu verbessern und ihre Wiederverbreitung zu sichern“, beschreibt die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) das Ziel. Dazu soll zunächst ermittelt werden, wo Mopsfledermäuse vorkommen. Das geschieht mit Ruferfassungsgeräten und indem einige Tiere in Netzen gefangen und mit einem Sender ausgestattet werden. So können die Quatiere – meist alte Bäume mit loser Rinde – ausfindig gemacht werden.

Diese Rastererfassung erledigt in Hessen der Fledermaus-Experte Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung bei Laubach mit seinem Team. Nächster Schritt ist dann „die Erarbeitung eines Leitfadens mit konkreten Maßnahmen für eine artgerechte forstliche Bewirtschaftung“, schildert die Ministerin. Hessen-Forst habe seine Mitwirkung zugesagt. Ein zentraler Baustein hierbei sei eine naturnahe Waldbewirtschaftung, denn sie fördere Baumstrukturen, die die Mopsfledermaus als Lebensraum benötige. „Die Einbindung der Forstämter in das Projekt sichert eine realistische Umsetzung und Akzeptanz in der Forstwirtschaft“, sagt die Umweltministerin.

In Waldeck-Frankenberg gibt es laut Markus Dietz mehrere Winterquartiere – darunter den Tunnel Dodenau – sowie eine bekannte Wochenstubenkolonie bei Ernsthausen. In den Wochenstuben treffen sich im Sommer die trächtigen Weibchen, gebären dort die Jungen und ziehen sie gemeinsam auf. Dietz geht davon aus, dass es weitere Kolonien im Kreis gibt. Ziel sei es, sie zu finden.

Der Experte ist auch seit zehn Jahren für die Beobachtung des Fledermaus-Aufkommens (Monitoring) im Nationalpark Kellerwald zuständig. Dort steige die Zahl der nachgewiesenen Fledermäuse ständig.

Wochenstube hinter Baumrinde: Wo die Mopsfledermaus lebt und wie sie geschützt wird

Das bundesweite Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ hat jetzt mit Feldforschungen begonnen. In Hessen untersucht der Fledermaus-Experte Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung bei Laubach zunächst das Vorkommen der seltenen Waldfledermaus – vor allem im Kellerwald, der Rhön und im Spessart. Fragen zur Mopsfledermaus und zum Schutzprojekt beantworten Markus Dietz und Jana Planek von der beteiligten Naturstiftung David.

Der Mopsfledermaus auf der Spur: Experte Dr. Markus Dietz untersucht das Mopsfledermaus-Vorkommen in Hessen. Ein Schwerpunkt ist dabei der Kellerwald. Hier spannt er mit Mitarbeiterin Anja Fritsche am unteren Hainaer Wohrateich ein Fangnetz aus. Unabhängig von dem Schutzprojekt erstellt der Experte derzeit ein Fledermaus-Gutachten für den geplanten Rückbau der Wohrateiche.
Wo leben Mopsfledermäuse?
Die Mopsfledermaus bevorzugt naturnahe Wälder und hat einen europäischen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland. In den 1950er- bis 1970er-Jahren führten Quartierverluste und eine Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft zu dramatischen Bestandseinbrüchen. Pestizide reduzierten das Nahrungsangebot für die hoch spezialisierte Mopsfledermaus erheblich. Vielerorts wurde Alt- und Totholz in unseren Wäldern beseitigt und die Landschaft mehr und mehr durch Verkehrswege zerschnitten. Die anspruchsvolle Fledermausart überlebte in Deutschland und Westeuropa nur in wenigen Reliktgebieten.
Wie ist der aktuelle Bestand der Mopsfledermaus in Hessen?
Bis Ende der 1990er-Jahre galt die Mopsfledermaus in Hessen als ausgestorben. Mittlerweile sind wieder elf Kolonien mit rund 200 Weibchen für das Bundesland nachgewiesen. In Waldeck-Frankenberg gibt es eine Kolonie bei Ernsthausen und mehrere Winterquartiere. „Wir gehen davon aus, dass es weitere Kolonien gibt. Die wollen wir im Rahmen des Projekts finden“, sagt Experte Dietz.
Wann hat das Schutzprojekt begonnen?
Bereits im Januar wurde die Mopsfledermaus zur „Fledermaus des Jahres 2020-2021“ gekürt. Nach Ende ihrer Winterruhe sucht sich die Mopsfledermaus ab März vor allem in alten Bäumen mit abstehender Rinde, in Stammrissen oder Baumspalten ihre Sommerquartiere. Deshalb haben im Frühling die eigentlichen Feldforschungen begonnen.
Wie gehen die Fledermaus-Experten dabei vor?
Sie untersuchen: Wo in unseren Wäldern gibt es Mopsfledermäuse? Wie nutzen diese Tiere ihre Lebensräume und wie lassen sich die Bedingungen für die bedrohte Art verbessern? Um zunächst die Verbreitung der kleinen Säugetiere in den Forschungsregionen zu untersuchen, werden Ruferfassungsgeräte, sogenannten Mini-Batcorder, eingesetzt. Wenn eine Mopsfledermaus zwischen Baumwipfeln und an Waldrändern Kleinschmetterlinge jagt und dabei ihren unverkennbaren Ortungslaut ausstößt, zeichnen ihn diese Geräte auf. Gelingt der Nachweis der seltenen Art in einem Gebiet, werden anschließend einzelne Tiere von den Forschenden mit Netzen gefangen und mit einem Sender versehen. Damit lassen sich die Quartiere der Fledermäuse ausfindig machen. Anhand dieser Erkenntnisse wird die Raumnutzung sowie das Jagdverhalten der Mopsfledermaus untersucht.
Und was folgt daraus?
Später sollen gemeinsam mit örtlichen Forstpraktikern konkrete Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Die Naturstiftung David arbeitet dabei eng mit dem hessischen Institut für Tierökologie und Naturbildung zusammen. Der Landesbetrieb Hessen-Forst unterstützt das Projekt über die Forstämter vor Ort. Das Forstamt Frankenberg ist mittlerweile Mopsfledermaus-Patenforstamt.
Wo liegt der Untersuchungsschwerpunkt in Waldeck-Frankenberg?
Untersuchungsschwerpunkt ist der Nationalpark Kellerwald. Besonders im Blick haben die Forscher auch die Wälder entlang des Lahntals und den Seitentälern bis an die Grenze nach Nordrhein-Westfalen. Begonnen hat der Fledermausexperte Dietz an den Wohrateichen oberhalb von Haina.
Welchen Zeitraum umfasst das Projekt?
Die Feldforschungsarbeiten bilden den ersten zentralen Baustein für ein Verbundprojekt von Stiftung Fledermaus, Naturstiftung David, den Nabu-Landesverbänden Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie der Universität Greifswald. Bis Dezember 2024 wird das Projekt im Programm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.
Was ist das eigentliche Ziel des Projektes?
Das Projekt hat zum Ziel, die Mopsfledermaus zu schützen. Ihre Lebensräume sollen optimiert und vernetzt werden, um der Verantwortung Deutschlands für den Erhalt der Art gerecht zu werden. Ein zentraler Baustein hierbei ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung, denn sie fördert Baumstrukturen, die die Mopsfledermaus als Lebensraum benötigt. Daher engagiert sich das Projekt für eine enge Zusammenarbeit mit den öffentlichen wie privaten Waldeigentümerinnen und -eigentümern sowie der Forstwirtschaft.

Für Projekt stehen 5,4 Millionen Euro bereit

Das Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ wird im Programm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit 4,3 Mio. Euro gefördert. Die Teilprojekte werden von den jeweiligen Ländern und weiteren Partnern unterstützt. Das Gesamtvolumen beträgt 5,44 Mio. Euro. Hessen steuert 165 000 Euro bei und erhält vom Bund 700 000 Euro. (Martina Biedenbach)

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