1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Teiche vor der Tür, Pumpen im Keller: Wohnen im Wasserwerk

Erstellt:

Von: Julia Janzen

Kommentare

Zwei Männer im Vordergrund, im Hintergrund ein Gebäude
Blick auf die alte Mühle: Die Teichmühle ist im Besitz von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Geschäftsführer Stefan Schaller (links) hat dort gut zwölf Jahre gelebt, nun wohnt André Kahnert dort. © Julia Janzen

Es ist ein idyllischer Ort, an dem André Kahnert lebt: Wiesen und Teiche direkt am Haus, und der Ursprung der Twiste nur einen Steinwurf entfernt. Doch nicht nur die Lage macht den Wohnort besonders. Auch das, was sich im Keller verbirgt.

Twistetal-Berndorf - Einige Entenfamilien haben sich niedergelassen und wohl auch Waschbären fühlen sich wohl in der Natur rund um die Teiche mit dem kristallklaren Wasser. Doch so klar das Wasser ist, so kalt ist es auch. „Herzerfrischend frisch“, sagt Stefan Schaller und lacht. Der Geschäftsführer von Energie Waldeck-Frankenberg hat selbst rund zwölf Jahre in der alten Mühle gelebt, bevor vor einigen Jahren André Kahnert eingezogen ist, selbst Mitarbeiter bei EWF. Die Teichmühle ist im Besitz des heimischen Energieversorgers.

Auch wenn es das Mühlrad schon lange nicht mehr gibt und auch seit Jahrzehnten nicht mehr gemahlen wird, hat die Teichmühle noch heute eine große Bedeutung: „Fast die Hälfte des Korbacher Wassers kommt von hier“, sagt Stefan Schaller. Der Brunnen liegt gleich hinter den Mühlenteichen.

Drei große Pumpen in einem Kellerraum
Pumpen im Keller: Wurde das Wasser gefiltert, wird es durch Pumpen nach Korbach befördert. © Andre Kahnert/privat

Unterirdisch wird das Brunnenwasser weitergeleitet in das Gebäude, das den Schriftzug „Wasserwerk Korbach“ trägt. Dort befinden sich drei riesige Filter, die jede Stunde 100 Kubikmeter Wasser reinigen. Und ein Stockwerk unter der Anlage stehen die Pumpen, die das Wasser schließlich nach Korbach befördern.

Tag und Nacht arbeiten die Pumpen – was auch in der Wohnung von André Kahnert noch zu spüren ist. Dies sei, sagt Schaller, gerade nachts nicht immer angenehm. Irgendwann höre man es aber schlicht nicht mehr, sagt Kahnert, der in der Wasserabteilung von EWF arbeitet.

Direkt über den Pumpen und den Filtern steht das Gebäude leer, es wird schlicht nicht gebraucht. Lediglich drei Mal pro Woche ist ein Mitarbeiter vor Ort, um die Pumpendaten abzulesen. Ansonsten ist das große Hauptgebäude verlassen. Kahnerts Wohnung ist am anderen Ende, im Anbau. Früher lebte dort der Mühlenwärter. Heute ist die Maisonette-Wohnung modern, das Dach neu. Als Stefan Schaller einzog, habe es nicht mal einen Abwasseranschluss gegeben, erinnert er sich. Weil aber immer jemand vor Ort sein soll, wurden die nötigen Anschlüsse gelegt.

Ein Bach an seinem Quellort
Die Twiste entspringt auf dem Grundstück der Teichmühle. © Julia Janzen

Über die Geschichte der Mühle informiert eine Tafel am Eingang zum Grundstück, der Heimat- und Kulturverein hat sie aufgehängt. In den Berndorfer Geschichtsblättern finden sich weitere Informationen. Demnach bekam die Stadt Korbach schon im 16. Jahrhundert die gräfliche Erlaubnis, eine Mühle mit Teich in Berndorf anzulegen.

In den folgenden hunderten Jahren hatte die Mühle verschiedene Besitzer, bevor die Stadt Korbach im Jahr 1908 die Teichmühle wieder zurück kaufte.

Ein Brunnen auf einer Wiese
Brunnen: Das Wasser, das hier gewonnen wird, wird nach dem Filtern nach Korbach gepumpt. © Julia Janzen

Eine Wasserbohrung war erfolgreich, ein Pumpwerk und ein Maschinenhaus wurden gebaut. Das historische Mühlengebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. „Damit war der Rest von einer traditionsreichen Mühle beseitigt“, heißt es in den Geschichtsblättern.

Wenn es auch nicht mehr viel Historisches zu entdecken gibt: Die Idylle ist unverändert. Ein Stück abseits des Ortes liegt die alte Mühle, es sei sehr ruhig, sagt Kahnert. Eine Nachbarin hat er zwar, sonst sei aber nicht viel los auf der kleinen Straße. Radfahrer kommen immer mal vorbei, ab und an nutzen auch Pendler die Route auf dem Weg nach Korbach. Ansonsten hat Kahnert die Bilderbuch-Landschaft für sich allein. jj

Auch interessant

Kommentare