Landeskirche Kurhessen-Waldeck

Weniger Kirchen-Austritte im Pandemie-Jahr 2020

Taufe im Freien: Isabel und Lukas Dietrich ließen in der Karlsaue in Kassel ihre drei Kinder Tom Jano (1), Bela Joran (6) und Ida Linnea (8) von Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath taufen.
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Taufe im Freien: Isabel und Lukas Dietrich ließen in der Karlsaue in Kassel ihre drei Kinder Tom Jano (1), Bela Joran (6) und Ida Linnea (8) von Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath taufen.

35 Taufen auf einen Streich: Mit der Aktion „Kassel tauft draußen“ hatte die Evangelische Kirche an einem Wochenende auch ein Stück Aufholjagd eingeläutet. Denn in der Pandemie ist die Zahl der Taufen extrem zurückgegangen.

Waldeck-Frankenberg - Innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) gab es im vergangenen Jahr mit 3053 Taufen nur halb so viele wie im Vorjahr (6123). Das geht aus der veröffentlichten Jahresstatistik der Landeskirche hervor.

Auch das Bistum Fulda, zu dem auch die Region Nordhessen gehört, gab Zahlen heraus – mit dem gleichen Trend: So ging die Zahl der Taufen in der katholischen Kirche im vergangenen Jahr um 40 Prozent zurück auf 1443 (Vorjahr: 2374)

Der Einbruch der Taufzahlen wird von den Kirchen auf die Pandemie zurückgeführt. Weil die Taufe in der Regel mit einer größeren Familienfeier verbunden wird und dies aufgrund der Kontaktbeschränkungen kaum möglich war, verzichteten viele Menschen auf den kirchlichen Segen. Derzeit gebe es aber einen großen Nachholbedarf, berichtet Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath von der evangelischen Friedenskirche im Vorderen Westen in Kassel. So habe er zuletzt allein an einem Wochenende sechs Kinder getauft. Er freue sich, dass die Familien über die Coronazeit „drangeblieben“ seien und die Taufen nun nachholten.

Trauungen

Noch drastischer ist der Rückgang bei den kirchlichen Trauungen, wie die katholischen Zahlen zeigen. So wurden im Bistum Fulda im vergangenen Jahr lediglich 143 Paare getraut. 2019 gab es 585 Trauungen. Die Evangelische Kirche hat die Trauungen nicht in ihrer Statistik aufgeführt. Die Erhebung sei für 2020 noch nicht abgeschlossen, sagte eine Sprecherin der EKKW. Die Tendenz sei aber „glasklar“: Es habe kaum kirchliche Trauungen gegeben.

Mitgliederzahlen

Erwartbar sind die Mitgliederzahlen der Kirchen weiter gesunken. So verzeichnete die Evangelische Landeskirche Ende 2020 genau 767 149 Mitglieder. Das sind rund 16 800 weniger als im Jahr zuvor. Mit einem Mitgliederverlust von knapp 2,2 Prozent liegt die EKKW im bundesweiten Trend: Die Evangelische Kirche in Deutschland verzeichnet für 2020 einen Rückgang von 2,3 Prozent.

Dabei ist Zahl der Austritte in der EKKW zurückgegangen: 7037 Menschen traten im vergangenen Jahr aus der Kirche aus, das sind rund 1200 weniger als im Vorjahr. Demgegenüber stehen 566 Menschen, die neu in die Landeskirche aufgenommen wurden (2019: 816). Hauptgrund für den Mitgliederverlust der ländlich geprägten Landeskirche bleibt der demografische Wandel: 13 033 evangelische Kirchenmitglieder sind im vergangenen Jahr gestorben (2019: 12 995).

Zahl der Katholiken gesunken

Im Bistum Fulda sank die Zahl der Katholiken um 6950 auf insgesamt 369 854. Das entspricht einem Rückgang von rund 1,9 Prozent. Auch in der katholischen Kirche bleib dabei die Zahl der Austritte unter dem Vorjahresniveau – trotz vieler Negativschlagzeilen rund um die Aufarbeitung der bundesweiten Missbrauchsfälle. Insbesondere in Köln hatte das Agieren des dortigen Kardinals Woelki zu einer Austrittswelle geführt.

Anders das Bild im Fuldaer Bistum: Dort gab es im Jahr 2020 insgesamt 3486 Kirchenaustritte. Das sind 239 weniger als im Vorjahr. Allerdings blieb auch die Zahl der Wiederaufnahmen mit 62 unter dem Wert des Vorjahrs (80).

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