Ausbildung beginnt am Wochenende

Zu wenig Männer in Erziehungsbereichen: Landeskirche sucht Väter

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Raus in die Natur: Zusammen Boote bauen und schwimmen lassen – Aktionen wie diese machen Spaß und stärken die Bindung zwischen Vater und Kind.

Die evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sucht Männer für Vater-Kind-Aktionen. Sie bildet dafür sogar extra aus. Fragen und Antworten dazu.

Das steckt hinter der Ausbildung für Vater-Kind-Aktionen:

Was ist mit Vater-Kind-Aktionen gemeint?

Bauen, Grillen, Lagerfeuer: Kinder sollen solche Freizeitaktivitäten erleben können, die oft klassisch eher von Männern organisiert werden. Eine Kanutour, Zelten in der Natur, ein Erlebniswochenende im Verein oder eine Übernachtungsaktion in der Kita – dies soll die Vater-Kind-Bindung stärken.

Warum sehen die Initiatoren – die Kirche, der Landessportbund und die Volkshochschule Kassel, Bedarf?

In Kindertagesstätten, Grundschulen, Kirchengemeinden und Vereinen sind wenige Männer tätig, sagt Stefan Sigel-Schönig vom Referat Erwachsenenbildung im Landeskirchenamt in Kassel. „Auch im Sport ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Väter mitkommen“, sagt der Sozialpädagoge. Orte, an denen sich Kinder aufhalten, seien meist „von Frauen gestaltete Räume“.

Das sei grundsätzlich nicht schlecht, doch der Anteil von Frauen und Männern in Erziehungsbereichen sollte Sigel-Schönig zufolge ausgewogener sein. „Kinder brauchen beide.“

Was fehlt, wenn die Männer fehlen?

Laut Stefan Sigel-Schönig fehlt Vätern oft der Austausch mit anderen Vätern und die Bindung zu Einrichtungen wie dem Kindergarten. Sigel-Schönig ist selbst Vater und nahm einst auch Elternzeit, berichtet er. Er hat folgende Erfahrung gemacht: „Wenn Väter sich treffen, sprechen sie nicht über die Kinder, anders als Frauen.“ Bei Vater-Kind-Aktionen sei das anders.

Was bringen solche Aktionen den Kindern?

Männer bauen zum Beispiel gerne, wie es das Klischee besagt. „Kinder können dann endlich mal sägen und hämmern. Das macht auch Mädchen Spaß“, sagt Stefan Sigel-Schönig. Erziehungswissenschaftlich sei es nachgewiesen, dass beide Geschlechter eine wichtige Rolle spielten und für unterschiedliche Bereiche in der Entwicklung zuständig seien.

An wen richtet sich die Ausbildung für Vater-Kind-Angebote konkret?

An alle Väter, ob mit oder ohne pädagogische Ausbildung. „Wir hatten schon Bürgermeister, Elektrotechniker und Computerspezialisten dabei“, sagt Sigel-Schönig. Jeder, der in irgendeiner Form Aktivitäten plant, die Väter und Kinder gemeinsam ausüben, erfährt bei den Schulungen Wissenswertes. Es müssen nicht zwangsläufig Aktionen in Kindertagesstätten, Vereinen oder Kirchen sein.

Worum geht es in den Schulungen?

Bei der Ausbildung, die sich über zwei Wochenenden, zwei Samstage und eine Übernachtung erstreckt, geht es um Themen wie zum Beispiel: Vater-Erinnerungen und Erwartungen an die Vater-Rolle, Rollenspiele, Ablauf der Vater-Kind-Aktionen, angemessene Angebote für Kinder verschiedener Altersgruppen, Erlebnispädagogik, Spiele und mehr praktische Beispiele für Freizeitaktivitäten.

Wie läuft eine klassische Vater-Kind-Aktion ab?

Da gibt es keine strikten Vorgaben. Wenn der Wunsch da ist, kommen zwei ausgebildete Väter – Teamer – mit einem Feuerwehrauto, dem „feuerroten Papamobil“ zu einer Einrichtung oder einem Fest und laden andere Väter ein, mitzumachen bei Aktionen mit Kindern. „Meistens wird auch gegrillt“, sagt Stefan Sigel-Schönig. „Ein Klischee – aber es ist einfach so.“

Gibt es so genannte Teamer auch in Waldeck-Frankenberg?

Bislang sind zwei Männer aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg ausgebildet worden. Allerdings stehen beide nicht mehr als „Teamer“ für die Vater-Kind-Angebote zur Verfügung. Jedes Jahr finden auch in Waldeck-Frankenberg verschiedene Vater-Kind-Aktionen statt, zuletzt beispielsweise in Bad Arolsen-Massenhausen.

Die Ausbildung für Vater-Kind-Angebote in Kitas, Vereinen, Familienbildung und Kirchengemeinden beginnt bereits am kommenden Wochenende, 23. bis 25. November in Naumburg-Elbenberg. Es folgen vier weitere Module. Den Abschluss bildet dann ein Wochenende im August 2019. Es sind noch Plätze für weitere Teilnehmer frei. Die Kosten von 195 Euro inklusive Unterkunft und Verpflegung übernehmen bei erfolgreicher Teilnahme in der Regel die Institutionen, beziehungsweise die Gebühr wird bezuschusst von Förderprogrammen für Ehrenamtliche. Das Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bildungsakademie des Landessportbundes Hessen, der Volkshochschule Region Kassel und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Informationen und Anmeldung: Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Stefan Sigel-Schönig, Tel. 0561/937 84 77; E-Mail: stefan.sigel@ekkw.de 

www.ekkw.de/maennerarbeit

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