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Zuversicht beim Waldecker Sängertag in Twiste nach schwierigen Zeiten

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Mit dem Waldecker Lied eröffnete der MGV Liedertafel Einigkeit Twiste den Sängertag 2022.
Mit dem Waldecker Lied eröffnete der MGV Liedertafel Einigkeit Twiste den Sängertag 2022. © Barbara Liese

Nach schwierigen Pandemie-Jahren, in denen sich Chöre abmeldeten, ist beim Waldecker Sängertag in Twiste Zuversicht verbreitet worden.

Twistetal-Twiste – Der Männergesangverein „Liedertafel Einigkeit“, der gastgebende Verein für den Sängertag 2022, stimmte die Gäste auf die Jahreshauptversammlung musikalisch ein.

Schwierige Zeiten

Mit dem „Waldecker Lied“ übergab der Chor unter Leitung von Marvin Putzki, das Mikrofon an den Vorsitzenden Bruno Mecke. Nachdenklich eröffnete er seinen Rückblick. Der Krieg in der Ukraine, ein Krieg in Europa, die immer weiter steigende Inflation, die Energiekrise, das alles mache Menschen große Sorgen, auch um ihre eigene wirtschaftliche Situation. Gemeinsam aber könne man sich stützen und unterstützen.

Er erinnerte an die Ehrungen des vergangenen Jahres, an die 100-jährige Jubiläen der „Liedertafel“ Schweinsbühl, des Männergesangverein Dorfitter, an die Verleihung der Louis-Spohr-Plakette, der höchsten Auszeichnung des Mitteldeutschen Sängerbundes, an den ehemaligen Landrat Dr. Reinhard Kubat und viele andere Termine.

Gemeinschaft fördern

Wenig zu berichten hatte er von Chorterminen in den vergangenen zwei Jahren. Während der Corona-Pandemie durfte entweder gar nicht oder nur unter großen Auflagen gesungen werden. „Wöchentliche Proben waren nicht möglich. Es platzten die Pläne von Konzerten, Chorreisen und Probenwochenenden. Die kulturellen und finanziellen Verluste für alle Beteiligten sind nicht zu unterschätzen. Viele Chöre fürchten deshalb einen dauerhaften Mitgliederschwund. Einige sind von der Auflösung bedroht.“

Ehrungen beim Waldeckischen Sängertag. Von links: Bruno Mecke, Sängerbundvorsitzender, mit den neuen Trägern des Sonderehrenabzeichens in Gold, Gregor Große-Wiesmann, Annelies Weibel und Helmut Heinemann. Die Auszeichnung für das besondere Engagement übergab Hans Joachim Zwickirsch, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Sängerbundes.
Ehrungen beim Waldeckischen Sängertag. Von links: Bruno Mecke, Sängerbundvorsitzender, mit den neuen Trägern des Sonderehrenabzeichens in Gold, Gregor Große-Wiesmann, Annelies Weibel und Helmut Heinemann. Die Auszeichnung für das besondere Engagement übergab Hans Joachim Zwickirsch, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Sängerbundes. © Barbara Liese

Er kann auch Chöre nennen, die dieses Schicksal schon getroffen hat. Die Liedertafel Mengeringhausen ruht nun nach 165 Jahren. Ein Zusammenschluss mit den „Happy Singern“ aus Mengeringhausen ist geplant.

Nach 177 Jahren hat sich MGV Kleineren aufgelöst, ebenso der Frauenchor. Beide schlossen sich zum „Gemischten Chor Kleinern“ zusammen. Nach 136 Jahren löste sich die „Chorvereinigung Germania 1886“ auf, ohne eine weiterführende Regelung gefunden zu haben.

Schulchöre werden weniger

Leider, so Mecke, sei auch die Zahl der Schulchöre rückläufig. Im Vergleich zu anderen Sängerkreisen aber sei der Mitgliederschwund noch moderat und der Waldeckische Sängerbund bleibe der mitgliederstärkste Sängerkreis im Mitteldeutschen Sängerbund.

Aktuell sind 4633 Mitglieder in 79 Vereinen gemeldet, davon 2060 aktive Sänger. Der Blick in die Zukunft ist hoffnungsvoll: „Unsere Chöre bestehen seit mehr als 150 Jahren. Sie sind in der Vergangenheit schon durch viele Höhen und Tiefen gegangen - und haben überlebt.

Heimische Kultur

Manchmal reichen wenige Impulse, neue Ideen aus, um frischen Schwung ins Chorleben zu bringen.“ Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese betonte die Bedeutung der ehrenamtlichen Chöre für die Gemeinschaft der Gemeinden und des Landeskreises. Der Chorgesang sei ein Stück heimischer Kultur, dessen Pflege großen Anteil im gesellschaftlichen Zusammenhang habe: „Wir werben alle für die Zukunft im ländlichen Raum.“

Schließlich war es Otto Paul, der ehemalige Ortsvorsteher von Twiste, der die Zuversicht auf den Punkt brachte: „Trotz aller Krisen finden wir uns immer wieder zusammen. Das gibt Hoffnung. Ich bin sicher, dass auch jüngere Menschen den Weg zu uns wieder finden werden. Singen kann die Welt nicht verändern. Singen verändert die Menschen. Menschen verändern die Welt.“ (Barbara Liese)

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