Thema war umstrittenes Baugebiet

Große Versammlung am Bildschirm: 130 Besucher nahmen an Gudensberger Infoabend teil

Das Podium: von links Frank Börner, Dirk Schütz, Steffen Butterw eck und Ralf Lengemann.

Es war eine Premiere für die Stadt Gudensberg und viele Besucher: Wegen der Coronapandemie fand der Informationsabend zum umstrittenen neuen Baugebiet im Internet statt.

Eines müssen Bauherren wissen, die sich für einen der heiß begehrten Plätze im Neubaugebiet Gudensberg-Süd interessieren: Graue tote Steingärten wird es dort wohl nicht geben. „Das liegt nicht im Interesse des Naturschutzes, wir wollen diesem Gebaren Einhalt gebieten“, sagte Bürgermeister Frank Börner in der Videokonferenz der Stadt Gudensberg, zu der sich 130 Besucher an ihren Computern eingeloggt hatten. Statt Fragen, wie sonst üblich, am Mikrofon im Saal zu stellen, tippten sie die Besucher daheim ins Handy oder Laptop.

Das sahen die Besucher an den Bildschirmen: Die Stadt präsentierte Ansichten und Skizzen des Baugebiets, Planer Steffen Butterweck (rechts) und Bürgermeister Frank Börner beantworteten mehr als 100 Fragen. Fotos: Claudia Brandau

Viele davon drehten sich um Ökologie, Naturschutz, Nachhaltigkeit. Denn das Baugebiet Gudensberg-Süd, das auf einer 16 Hektar großen Fläche mit 239 Bauplätzen entstehen wird, bedeutet nicht nur den Verlust von landwirtschaftlicher Fläche, sondern auch eines Naherholungsgebietes.

„Muss denn wirklich jeder Fleck bebaut werden?“, lautete eine Frage, die zugleich den „grenzenlosen Flächenfraß“ beklagte. Natürlich sei der Verlust von Ackerland schmerzlich, so Frank Börner, der sich mit Planer Steffen Butterweck den mehr als 130 Fragen stellte, die in rascher Folge aufploppten: Natürlich seien Flächen nicht vermehrbar, natürlich dürften Landwirte nicht in ihrer Existenz gefährdet werden, doch wolle Gudensberg auch für Bauherren attraktiv sein.

30 Bauplätze sollen in diesem Jahr entstehen. Die Vergabekriterien sind hart, bevorzugt werden Bauinteressenten, die sich für Gudensberg engagieren. „Das wird eine schwierige Entscheidung“, sagte Börner. Und es ist nicht die einzige komplizierte Angelegenheit. So sollen auch Gudensberg, Maden und Obervorschütz nicht zusammenwachsen: „Das würde die Identität der Orte verändern, und das will keiner.“

Platz soll es auch geben für die Menschen, die zwar Wohnraum brauchen, aber selbst nicht bauen wollen: Im Neubaugebiet sollen auch Mehrfamilienhäuser entstehen. „Sozialer Wohnungsbau ist nicht nur beabsichtigt, sondern sogar notwendig“, so Börner auf eine Frage nach der Art der geplanten Bebauung. „Wir können es uns nicht leisten, nur Einfamilienhäuser zubauen das verbraucht zuviel Fläche“, so der Bürgermeister.

Ob denn nicht die für 2021 geplante Stadtentwicklung den Flächenfraß bremsen könne, es gebe viel Leerstand und Müll in der Innenstadt, fragte ein Besucher. Es gebe tatsächlich viele „Sorgenkinder“ unter den leerstehenden Häusern, aber genauso viele Problemeigentümer. „Wir haben keine Handhabe, um den Verfall zu verhindern, und das tut weh“, so der Bürgermeister.

Die Fragen drehten sich um die Zuwegung, um Biotope, um Regenrückhaltemöglichkeiten, um die vielen Grünflächen, die trotz Bebauung entstehen sollten – und die wurden in rascher Folge beantwortet.

„Dieses Format der Videokonferenz lässt deutlich mehr Fragen zu“, stellte Dirk Schütz vom Bauausschuss gegen 21 Uhr fest, der auch die Veranstaltung geleitet hatte. Er zählte 118 Antworten. Die Umfrage unter den am Ende 98 verbliebenen Besuchern ergab, dass die meisten die zweistündige Übertragung als „informativ“ bis sogar „sehr informativ“ bewerteten. Und 75 sahen sie gar als „gute Alternative zu einer Präsenzveranstaltung“.

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