"Es war wie im Rausch"

18 Einbrüche: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen

Schwalm-Eder/Kassel. Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in 18 Fällen hat das Amtsgericht Fritzlar einen 21 Jahre alten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Sie wird auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der Verurteilte muss sich einem Bewährungshelfer unterstellen, die Kosten des Verfahrens tragen und 4300 Euro an einen Hotelier aus Winterberg zahlen, dem bei einem Einbruch dieser Schaden entstanden war. Während der Verhandlung überreichte der Beschuldigte bereits 200 Euro „als Anzahlung für die Wiedergutmachung”.

Innerhalb von nur zwei Wochen war der 21-Jährige laut Anklage der Staatsanwaltschaft Kassel mit einer weiteren Person in Scheunen und Gartenhäuser eingebrochen. Sie hatten Dieselkraftstoff, land- und forstwirtschaftliche Geräte und Werkzeug im Wert von rund 12 000 Euro entwendet. Den größten Teil des Diebesgutes stellte die Polizei in einer Scheune bei Elnrode-Strang sicher. Die „weitere Person” war nach den Feststellungen der Jugendgerichtshilfe der „beste Freund” des Angeklagten. Dieser 22-Jährige – bisher nicht angeklagt – wollte vor Gericht aussagen. Die Vorsitzende Brigitte Schornstein-Bayer brach die Vernehmung des sechsten Zeugen aber ab, weil er sich an nichts mehr erinnern konnte.

Die 18 Straftaten wurden im Schwalm-Eder-Kreis, Baunatal, Bad Emstal, Vöhl und Lichtenfels begangen. Bereits zu Beginn der über sechsstündigen Verhandlung legte der gut gekleidete, seriös auftretende Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab: „Es tut mir leid, ich weiß nicht, was mich geritten hat.”

Er sei arbeitslos gewesen, habe in Frankfurt die Meisterschule besucht, „von Nichts gelebt”. Es sei eine dumme, dreiste Idee gewesen, Diesel für den A 4 zu klauen, um zu zweit nach Frankfurt zu kommen und Vorrat zu haben. Das gestohlene Werkzeug sei für den Eigenverbrauch gewesen – was ihm die Richterin angesichts der über 120 Gegenstände nicht abnahm.

„Eine Riesendummheit“

Auf die Frage, ob er denn nicht Angst gehabt habe, erwischt zu werden, sagte der Angeklagte: „Ja. Wir waren wie im Rausch. Es war eine Riesendummheit.” Er habe jetzt einen festen Arbeitsplatz, lebe bei seinen Eltern, sei in einer festen Beziehung und wolle seine Meisterprüfung zu Ende bringen. In seinem Schlusswort sagte er: „Es tut mir zutiefst leid. Ich bereue, Scheiße gebaut zu haben.”

Umfassendes Geständnis

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag des Staatsanwaltes, der eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert hatte. Bei den 18 Straftaten kam der Staatsanwalt auf eine Summe von 85 Monaten.

Verteidiger Markus Lingemann sagte, sein Mandant habe durch sein umfassendes Geständnis und durch Ehrlichkeit zur Aufklärung der Straftaten beigetragen, sich bei den Geschädigten entschuldigt und aus eigenem Antrieb dazu beigetragen, den Schaden wieder gut zu machen. „Sie haben eine positive Zukunftsperspektive“, sagte Richterin Schornstein-Bayer.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Wolfram Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.