Ali aus Homberg gibt Flüchtlingsstatus auf, um seiner kranken Mutter beizustehen

Er kehrt aus Liebe nach Pakistan zurück

Mann sitzt zwischen gepackten Koffern und Taschen.
+
Die Koffer sind gepackt: Flüchtling Ali aus Homberg reist zurück in die Heimat nach Pakistan.

Er lebte drei Jahre in Homberg und hatte sich gut integriert: Jetzt reist Ali, der aus Pakistan geflüchtet war, wieder in seine Heimat zurück. Seine Mutter ist schwer erkrankt und er möchte an ihrer Seite sein.

Dafür gab er seinen Flüchtlingsstatus auf und unterbricht seine Ausbildung. Was bleibt, ist das Buch seiner ungewöhnlichen Flucht. Der Region-Verlag bringt es zu Beginn des nächsten Jahres mit dem Titel „Der Himmel über mir“ heraus.

Ali geht mit gemischten Gefühlen zurück. Er wird zunächst nach Sialkot reisen, wo seine Mutter lebt. Später plant er nach Lahore zu ziehen, wo er seine Ausbildungbei McDonald’s beenden kann. Seine Flucht (wir berichteten) war sehr ungewöhnlich. Seine Eltern hatten ihn ins Ausland geschickt, weil sie wegen der politischen Zustände Angst um ihn hatten – seine beiden Geschwister waren getötet worden. Der damals Elfjährige reiste allein, Flüchtlingshelfer unterstützten ihn. Er erlitt Folter und wurde eingesperrt. Der heute 21-Jährige verbrachte mehrere Jahre auf der Flucht mit Stationen in der Türkei und Griechenland. Über Mazedonien, Ungarn und Österreich gelangte er 2015 nach Deutschland. Diese Geschichte schrieb er auf.

Region-Verlag veröffentlicht diese Lebensgeschichte

Ali verfüge über ein großes Durchhaltevermögen und viel Kraft, sagt Dieter Kindel vom Region-Verlag in Felsberg. Er ist von der Geschichte stark berührt und will sie daher veröffentlichen. Auch damit es fühlbar werde, was den jungen Menschen auf ihrem Weg geschehe.

Ali hat mit einem großen Willen und viel Zuversicht sein Leben in Deutschland gestaltet. Der junge Mann hat seinen Hauptschulabschluss nachgeholt und absolviert eine Ausbildung in der Systemgastronomie bei MacDonald’s, die er nach seiner Rückkehr in der Heimat beenden kann. Er hat sich in Homberg integriert, unterstützt durch die evangelische Kirchengemeinde. Zuletzt war er in der Jugendgruppe Ten Sing aktiv, hat zudem eine Ausbildung als Yogalehrer in Deutschland abgeschlossen. Yoga und Meditation hätten ihm geholfen, seine Traumata zu überwinden und immer wieder neue Kraft zu schöpfen, sagt er. Er absolvierte zudem eine Therapie.

Ali sei es immer wichtig gewesen, sich zu integrieren, sagt Kindel. Er sei ehrgeizig und wollte schnell Deutsch lernen. „Wenn man die Sprache spricht, funktioniert Integration auch“, sagt Ali in einem guten Deutsch.

Er schätzt die freie Meinungsäußerung in Deutschland. Aber dennoch entschied er sich nun, seiner Mutter zu helfen. Sie brauche ihn. „Ich musste diese Entscheidung treffen.“ Er freut sich, seine Mutter wieder in die Arme zu schließen, die er über zehn Jahre nicht gesehen hat. Allein über Handy gibt es Kontakt. Er wolle ihr nun beistehen, so gut es gehe, und solange sie noch lebe.

Seine 43-Jährige Mutter Sarine hatte vor Kurzem die Diagnose Leukämie erhalten, Alis Vater ist inzwischen gestorben, allein ein Adoptivsohn lebt bei ihr zu Hause. Ali hat inzwischen eine Behandlung für sie erwirkt, die erfolgversprechend sei, unterstützt wurde er von Spendern der evangelischen Kirchengemeinde in Homberg.

Weil er seinen Flüchtlingsstatus aufgegeben habe, könne er nun zwei Jahre nicht in Deutschland einreisen. Die politische Situation in Pakistan habe sich allerdings in den letzten Jahren etwas verbessert, das stimmt ihn zuversichtlich. Er habe viel Schreckliches auf seiner Flucht erlebt, sei aber immer wieder auch auf Menschen gestoßen, die ihn unterstützt haben.

Gerade in Homberg habe er Menschen kennengelernt, die ihm sehr geholfen hätten. Das wolle nun auch weiter geben und in seiner Heimat eine Hilfsorganisation gründen. Sein Plan sei es gewesen, erst in zehn Jahren zurückzugehen. Nun erforderten es die Umstände anders.

Von Christine Thiery

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.