Es bleiben nur die Stümpfe

In Allmuthshausen wurden zwei Bäume in der Brutzeit gefällt

Nur noch Stümpfe zeugen von den großen Bäumen: Gerhard Barton aus Allmuthshausen auf dem Überrest einer großen Birke am Dorfgemeinschaftshaus.
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Nur noch Stümpfe zeugen von den großen Bäumen: Gerhard Barton aus Allmuthshausen auf dem Überrest einer großen Birke am Dorfgemeinschaftshaus.

Gerhard Barton kann es nicht fassen: Die beiden Bäume, die vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Allmuthshausen standen, wurden gefällt. Die Ortsdurchfahrt soll erneuert werden.

Allmuthshausen – Gerhard Barton kann es nicht fassen: Die beiden Bäume, die vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Allmuthshausen standen, sind weg. Nur noch zwei frische Stümpfe verweisen darauf, dass bis vor Kurzem auf der Freifläche vorm Gemeinschaftshaus eine große Birke und ein Lebensbaum standen.

Barton, der selbst 20 Jahre lang Ortsvorsteher in Allmuthshausen war, ist entsetzt über den Zeitpunkt, an dem sie gefällt wurden: mitten in der Zeit der Vogelbrut. Was Privatleuten streng untersagt sei, sei jetzt in Allmuthshausen ohne jede Vorwarnung vorgenommen worden.

„Seit zehn Jahren wird die neue Ortsdurchfahrt geplant – und jetzt kommt die Hauruck-Aktion für die Bushaltestelle.“ Natürlich stehe die Sicherheit der Kinder an oberster Stelle, das sei gar keine Frage, sagt Barton.

Barton: Jeder einzelne Baum zählt

Er will auch keinesfalls als Meckerer und Nörgler verstanden werden, sondern als jemand, der sich für die Natur einsetzt, auf ihren Wert hinweist, der den Blick der Menschen für die Umwelt schärfen will. Deshalb fuchst ihn auch die heimliche Freude derer, die darüber frohlocken, dass die große, ortsbildprägende Birke im Herbst kein Laub mehr abwerfen kann.

Barton, der jahrzehntelang bei der Stadt als Gärtner gearbeitet hat, kann ein solches Denken nicht nachvollziehen: In Zeiten, in denen sich das Klima so spürbar verändere, zähle doch längst jeder einzelne Baum. Nur sei das noch lange nicht in allen Köpfen angekommen, bedauert der 68-Jährige. „Grün ist Leben“, habe er in seiner Zeit in der Baumschule als grundlegendes Motto gelernt.

Barton: Generationen haben unterschiedliche Ansichten

Ein Satz, der vielen Erwachsenen nicht in den Kopf wolle. „Die Jungen gehen freitags auf die Straße und demonstrieren fürs Klima und viele Alte freuen sich übers Bäumefällen“, sagt der 68-Jährige. „Im Wald fallen hektarweise kranke und trockene Fichten und in den Städten und Dörfern werden gesunde Bäume nieder gemacht.“

Was er sich wünscht: Dass die Menschen begreifen, dass sie nicht ohne die Natur leben können – die Natur aber sehr wohl ohne den Menschen. „Ohne Bäume gibt es keinen Sauerstoff – vielleicht muss man das einfach immer wieder sagen, auch wenn der Klimawandel eine klare Sprache spricht.“

Stadt will Bereich neu bepflanzen

Die Bäume hätten eigentlich schon viel früher im Jahr gefällt werden sollen, sagt Holger Iber, bei der Stadt Homberg für den Tiefbau zuständig. Das aber sei aus verschiedenen Gründen erst jetzt geschehen, eine Tatsache, über die man selbst nicht ganz glücklich sei.

Doch müsse der Bau der neuen Ortsdurchfahrt nun dringend vorbereitet werden: Die Stadt Homberg habe sich dafür entschieden, die zweite Bushaltestelle gegenüber der jetzigen, alten zu bauen. Die soll nun in die Böschung am DGH eingebaut und mit einer Stützmauer versehen werden. Die Entscheidung für den barrierefreien Ausbau vor dem DGH stelle auch eine Entscheidung fürs Fällen des Baumes dar – denn dessen Wurzelwerk hätte die Bauarbeiten wohl nicht überstanden.

„Wir machen wirklich auch nicht gerne Bäume ab – aber die Arbeiten hätten die Birke massiv geschädigt, ihre Standfestigkeit hätte massiv gelitten“, sagt Holger Iber. Sein Versprechen: Die Stadt werde den Bereich am Dorfgemeinschaftshaus wieder neu bepflanzen und gestalten.

Hessen Mobil erneuert Straße – Die neue Bushaltestelle wird barrierefrei gestaltet 

Hessen Mobil erneuert ab Ende Juni unter Federführung der Stadt Homberg die Ortsdurchfahrt Allmuthshausen. Die Behörde erneuert die Fahrbahn der Landesstraße, die Stadt baut die sogenannten Nebenanlagen aus, zu denen neben den Gehwegen auch die beiden Bushaltestellen gehören, sagt Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil in Bad Arolsen.

Die Behörde fördert unter anderem den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen. Zur Barrierefreiheit gehört, dass der Wartebereich an der Bushaltestelle mindestens 2,50 Meter breit ist. Diesen Platz benötigen Rollstuhlfahrende oder Menschen mit Kinderwagen, damit sie ohne Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen wenden können.

Zusätzlich wird die Sicherheit, für alle, die an der Haltestelle auf den Bus warten, durch die Vergrößerung der von der Fahrbahn getrennten Fläche deutlich erhöht. (Claudia Brandau)

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