Berührung am Geschlecht im Schlaf

Angeklagter im Prozess um Kinderpornografie: „Habe nichts davon bemerkt“

Schwalm-Eder. Im Tiefschlaf will der 51-Jährige Angeklagte die Manipulationen an seinem Geschlechtsteil nicht mitbekommen habe. Darauf bestand er auch am zweiten Prozesstag im Kinderpornografie-Prozess vorm Kasseler Landgericht.

Aber das nahm ihm der als Sachverständige vom Gericht befragte Nervenarzt nicht ab. Bei Tests im Schlaflabor sei der Mann schon vom Wegziehen der Bettdecke erwacht.

Der 51-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist ebenso wie seine frühere Freundin, eine 49-Jährige, des schweren sexuellen Missbrauchs an der Tochter der Frau in drei bis acht Fällen angeklagt. Am Dienstag sichtete die 6. Große Strafkammer Videos, die die Mutter mit ihrem Handy gedreht hatte.

Im Februar 2011 wurden die mit Titeln wie „Mäuschen“ und „Schnucki“ abgespeicherten Sexfilme auf digitalen Speichermedien der Beschuldigten gefunden.

„Ich weiß gar nicht, dass es die Filme alle gibt“, lachte der leicht untersetzte Mann mit der blonden Igelfrisur den Vorsitzenden Richter förmlich für die Frage aus, ob er selbst der Mann in den Videos sei. Bis zu 40 Minuten dauerten Selfmade-Pornos mit der heute 49-Jährigen.

Von dem kleinen Mädchen gibt es Bilder, die sie schon im August 2006 als Grundschülerin bei sexuellen Handlungen an sich zeigen. Ja, diese Aufnahmen habe sie gemacht, gab die Mutter zu, aber die Ideen seien allesamt von ihrer Tochter gekommen.

Im September 2009 entstand ein Film, der zeigt, wie die damals Zehnjährige den ein Stockwerk tiefer wohnenden Hausvermieter oral und mit der Hand in dessen Schlafzimmer befriedigt.

Mit einem nachgemachten Schlüssel will die Frau in die Wohnung gelangt sein. Nicht nur in diesem einen Punkt widersprach die 49-Jährige früheren eigenen Darstellungen. Das Geschehen 2009 und ihre Handyaufnahme davon hat die Mutter eingeräumt.

Mit versteinertem Gesicht und zusammengepressten schmalen Lippen verfolgte die Angeklagte die Sichtung der Beweismittel und kommentierte mit Sätzen wie: „Das sind zufällige Aufnahmen.“

Mit Schokolade oder „‘nem Küsschen“ sei das Kind belohnt worden, berichtete ein Kripobeamter von dessen Vernehmung im Februar 2011. Damals habe das Mädchen zugegeben, dass sie anfangs neugierig gewesen sei; „Jetzt finde ich das voll eklig“, zitierte er das Kind.

Der Ermittler nannte die Erektion und den Samenerguss im Schlaf „eine hanebüchene Geschichte“ und sprach von einem „Dreiecksverhältnis“ zwischen den beiden Erwachsenen und dem Mädchen, das er als „glaubwürdig, aber hochgradig gestört“ beschrieb.

Ein früheres Verfahren gegen den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs einer anderen Minderjähriger war im Dezember 2008 eingestellt worden, weil die junge Frau den Vorfall bestritt. (and)

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