Schnelltests fordern Pfleger 

Erweiterte Besuchsmöglichkeiten: Heime in Schwalm-Eder passen Konzepte an

Ein Jahr Ausnahmezustand im Altenzentrum Eben-Ezer: von links Pflegedienstleiterin Jutta Wilhelm, Leiter Walter Berle und Pflegedienstleiter Marcus Schütz.
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Ein Jahr Ausnahmezustand im Altenzentrum Eben-Ezer: von links Pflegedienstleiterin Jutta Wilhelm, Leiter Walter Berle und Pflegedienstleiter Marcus Schütz.

Seit einem Jahr arbeiten Pflegekräfte am Limit: Arbeitspensum und Belastungsgrenze sind aufgrund der Corona-Pandemie weit überschritten. Da beschließt die Landesregierung, dass ab dem 1. April die Besuchsmöglichkeiten in Alten- und Pflegeheimen auf zwei Menschen pro Tag erweitert werden.

Für das Pflegepersonal eine weitere enorme Belastung sowie organisatorische Herausforderung, sagt Walter Berle, Leiter des Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer. Dabei sei die Gefahr einer Ansteckung dort längst nicht gebannt.

Bis heute seien nicht alle der 150 Bewohner und 180 Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft. Dazu komme, dass mehr Besuche auch mehr Tests erfordern. „Das bindet dann natürlich wieder mehr Personal und Ressourcen“, sagt Berle. Der Leiter des Altenzentrums weiß, wovon er spricht: In diesen Tagen jährt sich der massive Corona-Ausbruch im Eben-Ezer.

40 Mitarbeiter sowie 30 Bewohner erkrankten vor einem Jahr an Covid-19. Es war bis dato der größte Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim im Landkreis. Seither ist viel geschehen, doch eines ist geblieben: die Last auf den Schultern der Mitarbeiter. Denn: Nicht alles, was Bund und Land beschließen, kann unkompliziert umgesetzt werden. „Muss es aber“, sagt Berle. Zwar geben regelmäßige Tests eine „relative Sicherheit“, aber mit dem neuen Beschluss würden die 200 täglichen Tests nicht mehr ausreichen. Deshalb hat das Heim bestimmte Besuchszeiten eingerichtet, um das personell überhaupt zu stemmen. „Jeder weitere Besucher bindet etwa eine weitere Stunde Arbeitszeit eines Mitarbeiters“, sagt Berle.

In den Seniorenzentren der Hephata sieht man der Lockerung etwas positiver entgegen. Die Impfungen seien abgeschlossen. „Wir freuen uns für unsere Bewohner sowie ihre Angehörigen, dass schon bald wieder mehr Besuche möglich werden sollen“, sagt Geschäftsführer Hermann-Josef Nelles. Besuchskonzepte und Schutzmaßnahmen würden geprüft und angepasst. Gesucht werden zusätzliche Mitarbeiter für den Besuchsdienst auf Minijob-Basis oder in Teilzeit.

Corona-Ausbruch in JVA Ziegenhain

Bislang starben 211 Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus im Landkreis. Das Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer verzeichnete 18 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus. Aktuell sind 238 Menschen im Landkreis infiziert. Die Inzidenz liegt bei 80,6. Derweil kam es zu einem Corona-Ausbruch in der JVA in Ziegenhain. Ein Bediensteter und 14 Gefangene sind positiv getestet worden, sie haben leichte bis gar keine Symptome. (lhn)

Ein Jahr danach: Corona-Ausbruch in Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg

Es ist der 6. April 2020 als sich die Situation im Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer verschärft: 40 Mitarbeiter und 30 Heimbewohner erkranken an dem Coronavirus. Die Heimleitung startet einen Hilfeaufruf, es fehlt an Pflegepersonal. Doch nicht nur das: Die Welt ist unerfahren im Umgang mit dem neuartigen Virus, auch Schutzkleidung für das noch einsatzfähige Personal ist Mangelware, die Angst, sich anzustecken ist groß – auch bei den Mitarbeitern, erinnert sich Jutta Wilhelm, Pflegedienstleiterin des Eben-Ezer.

Dazu kommt die von der Regierung ständig abverlangte Flexibilität von Heimleitung und Pflegekräften – „Wir merken, dass unser Personal müde wird“, sagt Wilhelm rückblickend auf das vergangene Jahr.

Angst vor Ansteckung bleibt

Und nun soll auch noch mehr Besuch in Pflegeeinrichtungen möglich sein. „Uns ist auch wichtig, dass wir das unseren Bewohnern ermöglichen und wir tun unser Bestes“, sagt Wilhelm. Das bedeutet für sie und die Mitarbeiter aber auch mehr Arbeit. Auch die Angst vor einer Ansteckung ist nicht verflogen – insbesondere, weil noch nicht alle Mitarbeiter und Bewohner den kompletten Corona-Schutz haben.

Etwas mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter und 130 von 152 Bewohnern sind geimpft, erklärt Walter Berle. Um erneut ein Impfteam einzubestellen, muss jedoch eine bestimmte Anzahl an Neuimpfung gegeben sein. „Das ist bei uns aber nicht der Fall.“  Hinzu kommt, dass das Heim nach dem ersten Impfdurchgang automatisch in die zweite Priorisierungsgruppe gestuft wurde. So regelt der Landkreis, dass alle Pflegeeinrichtungen bedacht werden. Weshalb Berle die restlichen Bewohner mit einem Bus zum gemeinsamen Impftermin ins Fritzlarer Impfzentrum schicken wollte. Das scheitert jedoch an der Bürokratie. „Termine werden nur über die Hotline 116 117 vergeben und die dürfen pro Anrufer nur zwei Termine vergeben. Heißt: Der eine Bewohner würde morgens eine Impfung bekommen, der nächste einen Termin zwei Wochen später“, erklärt Berle.

Sein Pflegepersonal ist indes angehalten sich privat mit einer Bescheinigung des Heimes einen Termin zu organisieren. Das passiere gerade nach und nach. Es sei aber spürbar: Impfstoff ist knapp.

Mit den von der Regierung versprochenen zusätzlichen Impfungen durch Hausärzte sehe Berle jedoch Licht am Ende des Tunnels. „Impfen und Testen – das ist unser Ansatz.“ Aber regelmäßige Tests seien nicht die ultimative Lösung: In diesen Tagen seien die bestellten Schnelltests beispielsweise verspätet beim Heim angekommen – kritisch mit Hinblick auf die erhöhte Besucheranzahl, erklärt Pflegedienstleiter Marcus Schütz. 3000 Tests darf das Altersheim monatlich bestellen, sie werden von der Krankenkasse refinanziert. Das sind 20 Tests pro Bewohner im Monat – mit der neuen Regelung werden die jedoch nicht ausreichen. Und so bleibt nach einem Jahr immer noch eines: die latente Angst vor einer weiteren Ansteckung im Haus. (Linett Hanert, Christina Zapf)

Chronik

1. Corona-Ausbruch im April 2020: Im Eben-Ezer infizieren sich 40 Mitarbeiter und 30 Heimbewohner mit dem Coronavirus. 14 Menschen sterben. Bis dato der größte Corona-Ausbruch im gesamten Landkreis. Personal ist knapp, das Altenzentrum startet einen Hilfeaufruf und stößt auf enorme Hilfsbereitschaft – regional als auch überregional. Mitte Mai steht das Heim nicht mehr unter Quarantäne.

2. Corona-Ausbruch im Dezember 2020: Kurz vor dem Impfstart am 31. Dezember erkranken 18 Bewohner. Das Heim richtet eine extra Corona-Station im Heim ein, um die Erkrankten zu isolieren. Sie hat bis zum 24. März Bestand. Am 31. Dezember werden 205 Menschen im Heim geimpft, dazu zählen Mitarbeiter und Bewohner. Das Heim stellt eine Kraft ein, die Tests durchführt.

3. Corona-Ausbruch Ende im Februar 2021: Ein Bewohner hat sich mit der britischen Variante des Virus infiziert, wird sofort auf die interne Corona-Station verlegt, weitere Fälle werden verhindert – auch durch die regelmäßigen Tests. Seit Februar wird das Heim dabei von der Bundeswehr unterstützt. (lhn)

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