Apfelbäume

Gespinstmotte: Raupen sorgen für eine karge Ernte

Attacke aufs nächste Blatt: Die Apfelbaumgespinstmotte frisst sich durchs Blattwerk. Im schlimmsten Fall kann es zu einem kompletten Kahlfraß kommen.
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Attacke aufs nächste Blatt: Die Apfelbaumgespinstmotte frisst sich durchs Blattwerk. Im schlimmsten Fall kann es zu einem kompletten Kahlfraß kommen.

Viele Apfelbäume leiden massiv unter der Gespinstmotte, die sich durchs Blätterwerk frisst. Das schmälert die Ernte. Betroffen sind unter anderem Alleen in Homberg, Borken und Wabern.

Fritzlar-Homberg – Die Apfelernte fällt in diesem Jahr wohl an vielen Orten deutlich geringer aus, als erhofft: Viele Apfelbäume leiden massiv unter der Gespinstmotte, die sich durchs Blätterwerk frisst. Betroffen sind unter anderem Alleen in Homberg, Borken und Wabern – die Bäume sind wie von einem dichten Spinnwebennetz überzogen und wirken auf eine bedrückend-gespenstische Art krank.

Die Motte schwächt den Baum – und der wechselt in eine Art Notprogramm, um zu überleben, sagt die Densberger Obstgehölzpflegerin Carola Drüsedau. „Ohne Blätter hat der Baum keine Chance, neue Energie aus der Sonne zu produzieren.“ Dennoch sind nicht alle befallenen Bäume vom Absterben bedroht: Mit dem sogenannten Johannistrieb um den 24. Juni haben viele Gehölze und Bäume ein Schutzsystem, das sie rettet: Das sorgt nach einem Kahlfraß für einen zweiten Blattaustrieb. Die Bäume erholen sich zwar – mit einer großen Ernte ist aber nicht mehr zu rechnen.

Apfelbaumgespinstmotte muss keine Angst vor natürlichen Feinden haben

Denn die Motte sitzt im Baum wie die Made im Speck, sie muss keine große Angst vor natürlichen Feinden haben: Das Gespinst schützt die Raupen, sorgt dafür, dass selbst der hungrigste Vogel beim Versuch scheitert, die dicken Raupen herauszupicken und zu fressen.

Die Motte übersteht nur eine Generation: Sie legt im August die Eier ab und verpackt sie unter einer Schleimschicht, unter der die geschlüpften Raupen überwintern. Im Frühjahr knabbern sie die Knospen ab und bauen gemeinsam ein Gespinst. Ende Juni verpuppen sie sich, ab Juli flattern die weißen Falter mit den schwarzen Punkten weiter – um im August im nächsten Baum Eier zu legen.

Die ganze Allee am Homberger Stellberg ist von der Raupe befallen. Jogger und Spaziergänger stehen ratlos davor.

Eine solch hohe Zahl wie in diesem Jahr sei ungewöhnlich, sagt die Landschaftsarchitektin Carola Drüsedau. Ihre Hoffnung: Dass die Raupen quasi wegen Überbevölkerung der Bäume unter Futterstress geraten, sich also gegenseitig das Fressen wegnehmen und es deshalb weniger Falter geben wird, die wieder neue Eier legen, die nächstes Jahr als Raupen schlüpfen.

Apfelbaumgespinstmotte: Einen effektiven Schutz vor ihr gibt es nicht

Einen echten Schutz vorm Befall der Apfelbaumgespinstmotte gibt es nicht, sagt Carola Drüsedau. Ihre Beobachtung: ein artenreicher Garten, ein intaktes Biotop, Heckengehölzer, Gras, auch mal ein Stapel Totholz ziehen viele Nützlinge an. Je mehr man davon hat, desto größer die Schar jener Insekten, die über die Schädlinge herfällt.

Was Carola Drüsedaus Beobachtung stützt: In diesem Jahr seien die Apfelbaumalleen stärker befallen als die Bäume in Streuobstgebieten. Vielleicht, weil auch dort die Zahl der Nützlinge deutlich größer ist als entlang von Straßenrändern, wie etwa am Homberger Stellberg. (Claudia Brandau)

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