Ausgrabungen in Altstadt

Archäologen machen überraschenden Fund aus Mittelalter: „Mit denen hatte niemand gerechnet“

Eine Archäologin arbeitet auf dem Ausgrabungsgelände in der Homberger Altstadt. Aus dem lehmigen Boden ragen Überreste einer Steinmauer hervor.
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Fundstück für Fundstück wandert in die vorgesehenen Eimer und Beutel: Die Archäologen sind mit Ausgrabungen in der Homberger Altstadt beschäftigt.

Archäologen machen bei Ausgrabungen einen überraschenden Fund. Sie legen Überbleibsel aus dem Mittelalter frei.

Der lehmige Boden ist glitschig wie Schmierseife, das Archäologen-Team der Wissenschaftlichen Baugrund-Archäologie um Dr. Thilo Warneke hat sich seine Kapuzen schützend ins Gesicht gezogen, die Schuhe sind schwer vom Schlamm. Millimeter für Millimeter arbeiten sich die fünf Wissenschaftler im Regen vorwärts. Sie kümmern sich um die Ausgrabungen auf dem Gelände des künftigen Multifunktionshauses in der Homberger Innenstadt.

Als Bürgermeister Dr. Nico Ritz vor wenigen Wochen im HNA-Gespräch erzählte, dass nun mit dem Ausheben der Baugrube auf dem Grundstück an der Holzhäuser Straße begonnen wurde, ahnte er wohl noch nicht, was dort zutage treten sollte. Zwei Brunnen und die Reste einer Gebäudebebauung unter dem ehemaligen Coop-Laden sind aufgetaucht und werden nun von den Archäologen freigelegt.

Archäologen machen überraschenden Fund aus dem Mittelalter

Dass bisher niemand von dem alten Gebäude unter dem kleinen Supermarkt am Marktplatz wusste, liegt wohl vor allem daran, dass das Gebäude laut Dr. Thilo Warneke komplett verfüllt war. Damit war der Boden tragfähig. Doch auch die Brunnen waren eine echte Überraschung: „Mit denen hatte niemand gerechnet. Sie sind schon lange überbaut gewesen“, sagt Warneke. Und ebenfalls verfüllt. Sie werden nun von den Archäologen mit Schaufel, Eimer und Spachtel wieder freigelegt.

Die Funde werden in einer angrenzenden Garage gesichert. Wie viel bisher zusammengekommen ist, kann Warneke nur schwer schätzen. Denn die Funde werden nicht gezählt. „Das geht nach Gewicht und wird später untersucht. Jetzt wird erstmal alles aufgenommen“, erklärt er. Laien dürften dennoch bereits jetzt von der schieren Menge an kleinen Tütchen, die vollgepackt mit Funden sind, überwältigt sein.

Archäologen legen unter anderem Brunnen bei Ausgrabungen

Neben der Menge an Arbeit macht auch der anhaltende Regen die Ausgrabung zu einer Herausforderung: „Der Lehmboden ist glitschig und nicht leicht zu bearbeiten. Aber wir schaffen das“, sagt der Experte und gibt zu bedenken: „Wenn man in einem alten Stadtkern baut, kann sowas immer auftauchen.“ Die Stadt wird davon in ihrem Zeitplan um den Bau des Multifunktionshauses dennoch zurückgeworfen. Mit ein bis zwei Wochen Verzug im Baufortschritt rechnet Bürgermeister Nico Ritz.

Die Fertigstellung des Multifunktionshauses ist nach seiner Aussage für Ende 2021 geplant. Zwar kämen die Ausgrabungen überraschend. Aber: „Ich sehe es positiv, was die Archäologen dort machen. Das ist eine wertvolle Arbeit“, betont Ritz. Durch das Kartieren und Erfassen der Funde habe man nun die Chance, Infos darüber zu erhalten, wie die Stadt einmal ausgesehen hat.

Bei Ausgrabungen entdeckt: Archäologen finden Überreste aus dem Mittelalter

Wie alt die beiden Brunnen und Gebäudereste sind, kann Experte Warneke noch nicht sagen. Fest steht aber, dass sie aus dem Mittelalter stammen. Für Bürgermeister Ritz sind sie aber schon jetzt von hohem Wert. „Das ist ein Puzzlestück für die Altstadt. Das können wir nicht ignorieren.“ (Chantal Müller)

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