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Auf der Suche nach neuen Sängern: Jede Stimme zählt für die Liedertafel

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Von: Claudia Brandau

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Der Männergesangverein Liedertafel Homberg sucht verzweifelt Nachwuchs: von links Reinhard Valentin, Udo Werner und Allhard Bischof.
Der Männergesangverein Liedertafel Homberg sucht verzweifelt Nachwuchs: von links Reinhard Valentin, Udo Werner und Allhard Bischof. © Claudia Brandau

Jahrzehntelang galt sie als der Inbegriff des starken großen Chores: Die Homberger Liedertafel. Jetzt aber ist der Fortbestand des Männergesangvereins fraglich.

Homberg – Jahrzehntelang galt sie als der Inbegriff des starken großen Chores: Die Homberger Liedertafel ist seit 1830 nicht aus der Chor- und Kulturlandschaft wegzudenken. Jetzt aber ist der Fortbestand des Homberger Männergesangvereins fraglich: Die Zahl der Sänger ist auf ein solch kleines Trüppchen zusammengeschmolzen, dass der Chor so nicht weiter bestehen kann. „Wenn wir jetzt keinen Nachwuchs und keine Verstärkung finden, dann steht ganz konkret die Schließung der Liedertafel zur Debatte“, sagt Vorsitzender Allhard Bischof.

Doch kampflos aufgeben wollen die Sänger nicht: Sie suchen mit diesem Artikel und über viele Kontakte neue Mitglieder. „Es wäre schlimm, wenn wir im 192. Jahr des Bestehens aufgeben müssten“, sagt Udo Werner.

Dabei hatte es vor 20 Jahren – ein überschaubarer Zeitraum angesichts der langen Tradition des Vereins – unfassbar gut ausgesehen. „Wenn wir damals aufgetreten sind, wurde im Publikum geraunt: 'Guck doch mal, wie viele Sänger das sind, die passen ja gar nicht alle auf die Bühne'.“

Männergesangverein in Homberg fehlen Sänger

Diese Zeiten sind vorbei, heute sei es ein „Häuflein der letzten Aufrechten“, wie es Allhard Bischof ironisch bezeichnet. „Es ist müßig, zu fragen, wann wir denn den Zeitpunkt verpasst haben, um neue Stimmen zu werben, junge Leute an den Chor zu binden“, sagt Bischof. Fakt aber ist nun, dass die Zahl der Mitglieder wegen Alter, Krankheit und Tod stark gesunken ist.

Der 190. Geburtstag der Liedertafel vor zwei Jahren sollte groß gefeiert werden. Das wäre eine gute Chance gewesen, den Chor ins Rampenlicht zu rücken und Verstärkung zu finden. Doch dann kam Corona. Das Jubiläum fiel aus, das Vereinsleben kam zum Erliegen. Für Mai 2021 war der Neustart geplant, er wurde auf den Herbst verschoben – dann kam der zweite Lockdown. In diesem Frühjahr erfolgte der dritte Anlauf – doch da waren viele Sänger schon vorsichtig geworden, die Teilnehmerzahl der Proben sank auf oft nur zehn Männer. Das soll sich nun ändern: „Unser Ziel ist es, die Stimmreihen wieder gut zu füllen“, sagt Reinhard Valentin.

Einst eine stolze große Sängerschar: Der Homberger Männergesangverein Liedertafel feierte im Oktober 2000 seinen 170. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert. Jetzt suchen die wenigen noch verbliebenen Sänger dringend Nachwuchs, sonst steht der Verein vor der Auflösung.
Einst eine stolze große Sängerschar: Der Homberger Männergesangverein Liedertafel feierte im Oktober 2000 seinen 170. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert. Jetzt suchen die wenigen noch verbliebenen Sänger dringend Nachwuchs, sonst steht der Verein vor der Auflösung. © Liedertafel

Und das nicht klappt? „Dann sagen wir adé und lösen den Verein auf“, sagt Allhard Bischof. Er hört oft, dass das doch nicht ginge, dass man einen solch alten, würdigen Chor nicht aufgeben könnte. „Doch das sagen Menschen, die die Not nicht sehen: Uns reichen nicht drei neue Sänger, um die Liedertafel neu zu beleben, es müssen viele Neuzugänge sein, die für frischen Wind sorgen.“

Chor: Liedertafel in Homberg droht ohne Neuzugänge das Aus

Diese Menschen habe die Liedertafel schon bei anderen Chören gesucht, die vor der Auflösung standen, habe das Angebot gemacht, doch einfach den Chor zu wechseln, nach Homberg zu kommen. „Jeder Chor hat ja auch eine soziale Funktion, viele kamen, weil sie sich bei uns gut aufgehoben fühlten“, so Reinhard Valentin. „Wir haben wirklich früher geglaubt, es ginge bis in alle Ewigkeiten so weiter“, gibt Bischof zu. Corona, der Zeitgeist und das Altern aber hätten das Gegenteil bewiesen.

Jetzt gehen die Sänger an die Öffentlichkeit, tun die Not und den Druck kund: Denn nur wenn viele Menschen wissen, dass die Liedertafel ohne Neuzugänge vor dem Aus steht, können sie ein solcher Neuzugang sein. Wer immer vorbeikommen, reinschnuppern, mitsingen will – auch ganz unverbindlich und aus reinem Interesse – der ist bei den wöchentlichen Proben willkommen. Die finden ab 18. August immer donnerstags unter Leitung von Dirigent Hans-Wilhelm Stumpf aus Willingshausen ab 19 Uhr im Saal der Stadt Cassel statt.

Wer sich vorstellen kann, neue Wege mit einem alten Verein zu gehen, sollte kommen. Jede Stimme zählt für die Zukunft der Liedertafel. (Claudia Brandau)

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