Körper, Seele und Geist relevant

Auf Karneval folgt Verzicht: Fasten nicht nur bei Christen eine Tradition

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Kennt die Bedürfnisse seines Körpers und seiner Seele ganz genau: Vital-Trainer Dietmar Millhoff aus Fritzlar bietet Fastenkurse an.

Fastenzeiten gibt es in etlichen Religionen. In der christlichen Tradition dient das Fasten ab heute der Vorbereitung auf Ostern. Darüber hinaus gibt es Fastenregeln und-bräuche. Ein Überblick.

Wolle man die kommenden Wochen bewusst gestalten, sei das Fasten eine gute Möglichkeit, sagt Sabine Tümmler, Dekanin im Kirchenkreis Schwalm-Eder. Die christliche Fastentradition sei eine Hinwendung zu Gott und zum Leben.

Das Fasten hat aber längst nicht mehr ausschließlich einen christlichen, sondern auch einen gesundheitlichen Hintergrund – sowohl körperlich als auch mental. Beim Buchinger Heilfasten geht es laut dem Fritzlarer Vital-Trainer Dietmar Millhoff darum, automatisierte Prozesse – wie beispielsweise das Essen – aufzulösen, den Körper zur Ruhe kommen zu lassen und sich ganz auf sich zu konzentrieren. Parallelen zum Christentum gebe es natürlich, zeitlich orientiere sich der Fritzlarer aber zum Beispiel am Mondkalender und nicht am Aschermittwoch.

„In unserem Leben dreht sich wenig ums Nichtessen“, sagt der Experte. Gerade in der westlichen Welt sei dies zu spüren. Vielen Menschen falle es schwer, ein Gespür für ihre Bedürfnisse zu entwickeln, sagt Millhoff. „Absolutes schärft das Bewusstsein nicht, das Relative ist das Spannende.“ Sowohl das Buchinger Heilfasten, das Intervallfasten als auch das Basenfasten solle dazu dienen, den Körper wieder anzuhören.

Bevor Dietmar Millhoff aus Fritzlar Vital-Trainer wurde, führte er ein komplett anderes Leben. Der 62-Jährige startete seine berufliche Laufbahn zunächst als Offizier. Er nahm den stressigen Alltag hin – solange, bis sein Körper ihm das Stoppschild zeigte. Seither pflegt Millhoff einen ganz bewussten Umgang mit seinem Körper. Das Buchinger Heilfasten ist fester Bestandteil dessen. 

Die Gründe 

Gründe fürs Heilfasten gebe es viele, sagt Millhoff. „Es geht um den Blick auf Kösper, Geist und Seele.“ Zum einen spiele der gesundheitliche Aspekt eine Rolle. „Das Fasten ist ein starker Impuls, der dem Körper einen Schub für die Selbstheilung geben kann.“ Entgiftung, Entsäuerung und Entschlackung – dies seien zentrale Begriffe. Doch es gebe auch die mentale Ebene, auf der das Heilfasten positive Auswirkungen auf den Menschen habe. „Wir entledigen uns des Mülls, der uns belastet setzen uns mit uns auseinander.“ 

Die Vorbereitung 

Zunächst zähle vor allem eines, sagt Millhoff: „Man muss das Fasten wollen.“ Natürlich gehöre Mut zu der Entscheidung. In einem Kurs werde jeder aber durch die Gruppe aufgefangen und auf dem mitunter anstrengenden Weg begleitet. Bevor das Heilfasten beginnt, rät der Experte, abzuführen. „Ich mache das mit Glaubersalz.“ 

Die Fastenzeit 

„Natürlich sind die ersten Tage ohne feste Nahrung hart“, betont Millhoff. Schließlich mache der Körper einen Entzug mit. „In dieser Zeit ist immer viel trinken angesagt – mindestens drei Liter am Tag.“ Brühe, Wasser, Kräutertee, frisch gepresster Saft – all das sei in unterschiedlichen Mengen erlaubt. Nach einigen Tagen trete bei manchen Menschen eine Fastenkrise ein. Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Heißhungerattacken – „Das alles kann kommen, muss es aber nicht.“ Irgendwann wende sich das Blatt dann. „Häufig bekommt man einen richtigen Energieschub.“ Es habe Zeiten gegeben, in denen Millhoff nach zwei bis drei Stunden Schlaf schon völlig ausgeruht war. 

Die Auswirkungen 

Wer das Heilfasten ausprobiert habe, wisse: „Hinterher hat man zwar wieder Lust aufs Essen, es besteht aber nicht mehr eine solch starke Abhängigkeit“, sagt Millhoff. Mit Genuss essen – darum gehe es. „Es soll etwas Liebevolles dem Körper gegenüber sein, nichts Zwanghaftes.“ Nach einer mehrwöchigen Fastenzeit sei es wichtig, sich langsam an feste Nahrung zu gewöhnen. „Erst mal sind Kartoffeln mit Quark oder gedünstetes Gemüse eine gute Wahl.“ Sieben Tage Aufbaukost sei der Richtwert. Angst vorm Essen, weil er vielleicht etwas nicht gut vertragen könnte, kenne Millhoff nicht. „Es ist eher eine gespannte Erwartung auf das, was da auf dem Teller ist.“

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