Sanitätermangel

Ausbildung länger, zu wenige Bewerber: Rettungswachen leiden

Schwalm-Eder. Die zu geringe Zahl an qualifizierten Rettungssanitätern bereitet den Betreibern von Rettungswachen im Schwalm-Eder-Kreis große Probleme. Ein privater Betreiber gab jetzt auf.

Schwalm-Eder. Die Rettungswache im Borkener Stadtteil Gombeth wird jetzt vom Deutschen Rote Kreuz (DRK) Schwalm-Eder geführt. Das Unternehmen Krankentransporte Heßler, das die Wache bislang leitete, hatte trotz vieler Anstrengungen kein qualifiziertes Personal gefunden. „Der Markt ist wie leer gefegt“, sagt Geschäftsführer Matthias Heßler.

Rettungsfahrzeuge müssen laut Gesetz mit je einem Rettungssanitäter und einem -assistenten besetzt sein. Diese Vorgabe aber habe sein Unternehmen wegen des Fachkräftemangels nicht mehr erfüllen können, sagt Heßler. Deswegen hatte er bereits im Winter Kontakt mit dem DRK aufgenommen und um Hilfe gebeten. Als es auch nach weiteren sechs Monaten keinen einzigen Bewerber gab, entschied die Familie Heßler, die Rettungswache ans DRK abzugeben. Gerüchte, dass das Unternehmen schließt, sind falsch: Heßler konzentriert sich nun auf die Kranken- und Behindertentransporte.

Auch dem DRK bereitet die geringe Zahl der qualifizierten Mitarbeiter Kopfzerbrechen. „Ob in der Pflege oder im Rettungsdienst - Fachkräfte werden längst nicht nur umworben, sondern heftig umkämpft“, sagen die beiden DRK-Geschäftsführer Manfred Lau und Ulrich Schneider.

Daran sei nicht nur der demografische Wandel schuld, sondern auch die seit 2014 geltenden neuen Vorgaben fürs Berufsbild des Rettungsassistenten. Die Ausbildungsdauer beträgt drei statt wie bisher zwei Jahre, der offizielle Titel lautet Notfallsanitäter statt wie bisher Rettungsassistent.

Damit sind die Anforderungen weiter gestiegen: Alle Rettungsdienstler müssen sich bis 2021 fortbilden. Wie das bei der dünnen Personaldecke funktionieren soll, wisse man beim DRK nicht, sagt Manfred Lau. Auch wenn es sechs junge Leute ausbilde, ändere das nichts an der riesigen Lücke zwischen Bedarf und Bewerberzahl.

Von Claudia Brandau

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