Gute Unterhaltung

Ausweg aus dem System: Kulturstall Deute spielt „Die Vögel“

Aktueller Anklang: Die Themen der antiken Komödie und die Themen, die die heutige Gesellschaft beschäftigen, liegen an manchen Stellen nicht weit auseinander. Um den Zwängen und Grenzen zu entfliehen, beschließen Pisthetairos (Klaus Michael, links) und Euelpides (Mario Schönewald, rechts) einen eigenen Staat im Reich der Vögel zu gründen. Fotos: Eberlein

Deute. Ein Arm voll schräger Vögel flatterte zum ersten Mal vor Publikum in Deute über die Bühne. Auf dem Löwenhof feierte das neue Stück des Kulturstalls Premiere.

Die Darsteller vom „Kulturstall Deute“ sind für ihre neue Produktion unter der Regie von Gerhard Fehn in die Rollen von allerlei Federvieh geschlüpft und haben die durch den Regisseur bearbeitete Komödie des Griechen Aristophanes inszeniert.

Mit modernen Elementen ist aus dem antiken Drama eine nahezu aktuelle politik- und gesellschaftskritische Interpretation geworden. Zwei Männer suchen einen Ausweg aus dem sie einengenden System mit seinen Regeln und Grenzen. Ganz nach dem Motto: Ist dir dein Staat zuwider, dann gründe doch einfach einen Neuen, verlassen Pisthetairos (Klaus Michael) und Euelpides (Mario Schönewald) Athen. Es wächst die Idee im Vogelreich, dem Gebiet zwischen den Göttern im Himmel und den Menschen auf der Erde, einen eigenen Machtbereich zu errichten, von dem aus sowohl das Unten, als auch das Oben beherrscht wird.

Mit fremden Federn

Pisthetairos braucht nicht viel Überredenskunst, um zunächst den Vogelkönig Tereus (Lukas Michael) und schließlich die ganze Vogelschar von seinem Plan zu überzeugen. Und wer könnte diesen Staat besser regieren, als er selbst? Mit fremden Federn geschmückt, macht sich Pisthetairos zum neuen Herrscher über Himmel und Erde. Weil die Menschen von diesem Glanz gern ein bisschen abhaben möchten und die Götter durch die luftige Blockade keine Opfer von den Menschen mehr bekommen, sprechen Vertreter beider Richtungen vor dem Pisthetairos vor.

Dieser schickt mit Unterstützung der eigentlich friedlichen, nun aber aufgehetzten Vögel, die Menschen dahin, wo sie hergekommen sind und holt sich von den Göttern das, was ihm am meisten nutzt: den Blitz als Symbol der Macht von Göttervater Zeus und die Königin Basileia als Stütze seiner Macht.

Immer wieder flossen Anspielungen heutiger Problematiken in den antiken Dramenstoff ein. Die Griechenlandkrise blieb dabei ebenso wenig verschont, wie Kanzlerin Angela Merkel. Putingleich erobert sich der Athener ein Gebiet und ernennt sich zum wahren Herrscher - der aufmerksame Zuschauer findet in der Inszenierung so manchen Stein des Anstoßes; von den in bunte und schillernde Kostüme verhüllten Darstellern auf dem Silbertablett serviert.

Doch auch wer keinen tieferen Blick in die Verhältnisse werfen möchte, wird durch „Die Vögel“ gut unterhalten. Mit viel Witz sowie amüsanten Bewegungs- und Tanzeinlagen wird ein Theaterabend zum Erlebnis.

Der Kulturstall Deute gastiert in Bad Zwesten. Der Auftritt im Kurpark beginnt am Freitag, 3. Juli, um 20 Uhr. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung in das Kurhaus verlegt. Karten kosten 12 Euro, für Kurkarteninhaber und Jugendliche 10 Euro. Tickets für die Aufführung gibt es bei der Kurverwaltung Bad Zwesten sowie im Internet unter www.shop.kulturstall.de.

Eine weitere Aufführung findet am Samstag, 18. Juli, ab 20 Uhr auf der Märchenbühne in Gudensberg statt. Karten gibt es für 12 Euro im Bürgerbüro oder ebenfalls im Internet.

Von Christl Eberlein

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