Neue Technik verständigt nach Unfällen die Rettungsleitstelle

Automatischer Notruf in Autos ab 2018 Pflicht

Schwalm-Eder. Ein neues Notrufsystem in Autos soll ab 2018 auch im Schwalm-Eder-Kreis Leben retten: „emergency call" (eCall) heißt die Technik, die dann für alle Neuwagen verpflichtend sein soll.

Alte Autos müssen aber nicht nachgerüstet werden. Teure Marken wie Mercedes oder BMW haben das System schon jetzt an Bord.

„Bei uns ist in allen Modellen der eCall vorhanden“, sagt Stefan Hupfeld vom BMW-Autohaus Hupfeld in Melsungen. In jedes Auto sei eine Sim-Karte integriert. Löse der Airbag aus, werde automatisch eine netzunabhängige Verbindung mit dem Auto hergestellt und über einen Satelliten der Standort des Fahrzeugs ermittelt.

Momentan gingen die eCalls zuerst an eine Clearingstelle in der Herstellerzentrale des jeweiligen Fahrzeugs, sagt Uwe Wunsch, stellvertretender Leiter der Rettungsleitstelle für den Schwalm-Eder-Kreis. Dort würden Mitarbeiter vorab Kontakt zum Auto aufnehmen und im Notfall die Leitstelle informieren. Mehraufwand durch Missbrauch oder Falschmeldungen gebe es bei ihnen so nicht.

Autohäuser, die den eCall noch nicht in allen Modellen installiert haben, sehen keine Probleme durch die Pflicht ab 2018: „Wir haben sowieso Service-Mitarbeiter, die 24 Stunden am Tag erreichbar sind“, sagt ein Sprecher vom VW-Autohaus Löwe in Melsungen.

Sollte der eCall in Zukunft direkt an die Rettungsleitstelle gehen, gebe es aber keine Schwierigkeiten: „Wir brauchen dann keine zusätzlichen Mitarbeiter. Missbrauch gibt es auch über die Notrufnummer 112. Im Endeffekt wird uns die Arbeit erleichtert, da wir den Standort nicht erst erfragen müssen“, sagt Wunsch.

Laut EU können durch die eCall-Pflicht jedes Jahr 2500 Leben gerettet werden. Die Kosten pro Fahrzeug für den Einbau der zusätzlichen Technik sind mit 100 Euro dagegen gering. Kosten für die Nutzung gibt es nicht.

Hintergrund

Einführung wurde schon verschoben 

Die Einführung des „emergency calls“ war eigentlich schon für 2015 vorgesehen, wurde aber auf 2018 verschoben. Grund dafür waren Bedenken bezüglich des Datenschutzes.

Nun wurde vereinbart, dass die eCall-Daten zu keinem Zweck verwendet werden dürfen und kontinuierlich wieder gelöscht werden. Nur ein Minimum an Daten soll zudem übermittelt werden: Position, Zeitpunkt des Unfalls, Fahrzeugklasse und verwendeter Kraftstoff.

In Deutschland werden pro Jahr etwa 30 Millionen Notrufe abgesetzt, die die Rettungsleitstellen oder die Polizei entgegen nehmen. Im Schwalm-Eder-Kreis waren es 2014 bei der Rettungsleitstelle 80 240 Notrufe. (mhb)

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