Coronapatienten in Bad Zwestener Hardtwaldklinik

19 Coronapatienten behandelt: So geht die Hardtwaldklinik I mit der Pandemie um

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Für die Hardtwaldklinik I und die Mitarbeiter bringt die Coronakrise einen hohen organisatorischen Aufwand und einen neuen Arbeitsalltag mit sich. Auch Kurzarbeit gibt es. Verwaltungsdirektor Götz Pfannkuche (von links) und Dr. med. Christoph Berwanger, Ärztlicher Direktor, versuchen mit unterschiedlichen Sicherheitsvorkehrungen die Ansteckungsgefahr in der Klinik zu minimieren.

In der Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten hat sich mit der Corona-Pandemie einiges geändert. Wie geht die Einrichtung mit dem Virus um? Welche Auswirkungen hat die neue Situation auf Patienten und die 550 Mitarbeiter?

Darüber haben wir mit Verwaltungsdirektor Götz Pfannkuche und dem Ärztlichen Direktor Christoph Berwanger gesprochen.

Werden in der Hardtwaldklinik I aktuell Covid-19-Patienten behandelt?

Ja. Die Hardtwaldklinik I ist Teil des Pandemie-Plans des Landes Hessen und hat eine eigene Covid-19-Isolierstation eingerichtet. Auf dieser werden laut Berwanger aktuell zwischen drei und sechs Patienten behandelt, 19 bislang insgesamt. 21 Behandlungsplätze gibt es. Wie viele Corona-Patienten in der Hardtwaldklinik I behandelt werden, entscheidet der Planungsstab im Klinikum Kassel. Dieser koordiniert auch die Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung für das zuständige und speziell geschulte Personal.

Die Hardtwaldklinik I verfügt sowohl über einen Rehabilitationssektor mit etwa 300 Behandlungsplätzen als auch über eine räumlich und personell eigenständige Krankenhausabteilung mit rund 65 Behandlungsplätzen.

Gab es unter dem Personal schon Covid-19 Fälle?

Bisher habe es unter den Mitarbeitern noch keinen positiv getesteten Fall gegeben.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Alltag in der Klinik?

Die Coronakrise hat unterschiedliche Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Belegschaft. Die verschärften Hygieneregelungen gelten aber für alle Mitarbeiter. Während die Krankenhausabteilung durchgehend aufnahmefähig war und ist, wurden im Rehabilitationssektor ab dem 18. März keine Heilverfahrenspatienten mehr aufgenommen. Dieser Schritt erfolgte auf Empfehlung der Rehabilitationsträger. Auf der Covid-19-Isolierstation wurden pflegerisch, ärztlich und therapeutisch eigene Schichten eingerichtet. „Dieser besondere Behandlungsauftrag stellt für diese Mitarbeiter sowohl physisch als auch psychisch eine besondere Belastungssituation dar. Dafür gebührt ihnen seitens der Geschäftsführung und Klinikleitung höchster Respekt“, sagt Pfannkuche.

Sind die Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen?

Von Kurzarbeit sind Mitarbeiter betroffen, die in den Rehabilitationsabteilungen arbeiten. Das sind die direkt den Stationen zugeordneten Mitarbeiter, wie beispielsweise Ärzte und Krankenpflegekräfte, die therapeutischen Abteilungen und auch die nicht medizinischen Abteilungen, wie die Hauswirtschaft und die Verwaltung.

Mittlerweile gibt es in vielen Lebensbereichen erste Lockerungen. Auch in der Hardtwaldklinik I?

Seit dem 4. Mai werden wieder Heilverfahrenspatienten aufgenommen, um unter angepassten rehabilitativen Bedingungen behandelt zu werden. Dies geschieht laut Berwanger unter den gebotenen Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise dem Tragen von Mund- und Nasen-Schutz und dem Einhalten der Mindestabstände zueinander. Auch das Angebot der Gruppentherapien wurde angepasst. „Die Gruppen sind nun kleiner“, sagt er.

Wie reagieren Patienten und Mitarbeiter auf die neue Situation?

„Wir beobachten, dass alle in der Hardtwaldklinik I befindlichen Personen großes Verständnis für die erforderlichen, teilweise sehr einschneidenden Maßnahmen haben und sie entsprechend auch befolgen“, sagt Pfannkuche. Für die Patienten sei das Besuchsverbot mitunter eine schwere Bürde, denn Isolation bedeute Einsamkeit. „Wir reden über Menschen, die sich im Zustand nach einem Schlaganfall oder anderen schweren Schicksalsschlägen befinden, wo es ganz natürlich ist, dass man umso mehr die Nähe zu seiner Familie und Freunden sucht“, sagt Berwanger. Dies sei derzeit nicht möglich. „Umso mehr sind wir unseren Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie sich professionell und mit Hingabe unseren Patienten widmen“, sagt der Ärztliche Direktor.

Gibt es bei Besuchen bald Lockerungen?

Berwanger und Pfannkuche wollen nun Lösungen finden, die es den schwerkranken Krankenhauspatienten und ihren Angehörigen ermöglichen, in einem Mindestumfang wieder in Kontakt zu treten.

Derzeit können sich Patienten und Besucher nur hinter einer Glasscheibe sehen. „Wir überlegen, ein Besucherzimmer einzurichten“, sagt Berwanger. Dann könne eine enge Bezugsperson in Schutzausrüstung den Patienten besuchen.

Was hat die Coronakrise verändert?

Das Gesundheitswesen wird laut Berwanger seit einigen Wochen zurecht als systemrelevant bezeichnet und bewertet. „Wir hoffen, dass die Arbeit der im Gesundheitswesen tätigen Menschen auch nach Überwindung der Coronakrise so wertgeschätzt wird, wie es aktuell der Fall ist“, sagt Berwanger. Diese Anerkennung müsse sich auch über eine adäquate Honorierung der Arbeit niederschlagen. „Die politisch Verantwortlichen sollten bei der zukünftigen Planung der Krankenhauslandschaft berücksichtigen, dass für Zeiten wie diese Reserven vorgehalten werden müssen.“

Was müssen Besucher derzeit beachten?

Beim Betreten der Klinik müssen sich Besucher in eine Liste eintragen. Tritt ein Fall von Covid-19 auf, können sie so von der Klinik kontaktiert werden.

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