„Hieb & Stichfest“ zieht um

Bad Zwesten: Bekannte Tattoo-Künstler eröffnen Studio in Neuental

Das Totenkopf-Logo bleibt, der Firmen-Name auch, nur der Ort ändert sich: Melanie und Marcus Grabosch ziehen mit ihrem Tattoo-Studio nach Neuental um.
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Das Totenkopf-Logo bleibt, der Firmen-Name auch, nur der Ort ändert sich: Melanie und Marcus Grabosch ziehen mit ihrem Tattoo-Studio nach Neuental um.

Neues Jahr, neue Adresse: Nach fast 14 Jahren in Bad Zwesten zieht das Tattoostudio „Hieb & Stichfest“ nach Neuental um.

Bad Zwesten – Künftig haben es Marcus und Melanie Grabosch zur Arbeit nicht weit: Sie eröffnen ihr Tattoo-Studio neu in ihrem eigenen Haus in der Straße An den Eichen 3 in Zimmersrode. Am 10. Januar ist die Neueröffnung geplant.

Verändern wollten sich Melanie und Marcus Grabosch ohnehin: Der erste Plan war, innerhalb von Bad Zwesten neu anzufangen. Doch die Umstände führten dazu, dass dieses Vorhaben schließlich scheiterte.

Die Corona-Pandemie traf auch den Tätowierer. Sieben Monate konnte er nicht arbeiten. Nicht zuletzt wegen der hohen Fixkosten für die seit 2012 angemieteten Räumlichkeiten in der Immobilie „Vor dem Tore 1-3“, die von den Corona-Hilfen nicht gänzlich abgedeckt wurden, schmiedeten Melanie und Marcus Grabosch Pläne für einen Neuanfang. Ihre finanziellen Reserven schwanden. Nachdem sie bei den Vermietern um ein Entgegenkommen bei der Miete gebeten hatten, habe es kein Gespräch gegeben.

Tattoo-Künstler von „Hieb & Stichfest“: Corona-Pandemie hatte schwere Auswirkungen auf das Geschäft

Auch die Eigentümergemeinschaft GbR bemängelt fehlende Kommunikation. „Auf eine Telefonanfrage von Familie Grabosch, wie wir als Vermieter helfen könnten, haben wir als Eigentümergemeinschaft vorerst eine sofortige Stundung der Miete angeboten“, so Werner Priester im Namen der Eigentümer gegenüber der HNA.

Daraufhin hätte das Ehepaar stattdessen um eine Mietminderung gebeten. Priester habe Marcus Grabosch Anfang März 2021 um eine Erklärung dafür gebeten, warum dieser seine nachgewiesenen Fixkosten während der Pandemie nicht erstattet bekomme, wie andere Unternehmen auch. Auf diese Frage habe Priester keine Antwort erhalten. Stattdessen sei wenig später die Kündigung des Mietverhältnisses zum 31. März 2022 eingetroffen.

„Wir als Eigentümergemeinschaft bedauern, dass wir von Familie Grabosch ohne weitere Gespräche oder Informationen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. In diesem Zusammenhang ist uns noch wichtig, dass andere Mieter in der Coronakrise in vielfältiger Weise unterstützt wurden und gemeinsam immer ein guter Weg gefunden wurde“, so Priester.

Das Tattoo-Studio „Hieb & Stichfest“ ist nach Zimmersrode umgezogen: Für die Immobilie in der Straße „Vor dem Tore“ in Bad Zwesten werden nun neue Mieter gesucht.

Für den ins Auge gefassten Neustart ließen sich Melanie und Marcus Grabosch einen Bauplatz im Wohngebiet oberhalb der Tankstelle Pelo am Ortsausgang Richtung Braunau über die Gemeinde reservieren. Anfang Mai war der Grundstücksverkauf Thema im Gemeindevorstand. Sie seien überrascht gewesen, als dort Bedenken wegen zu wenigen Parkplätzen aufkamen. Mit Sicherheit hätten sie für genügend Parkraum gesorgt, so Melanie und Marcus Grabosch.

Doch anstatt eine weitere Sitzung des Gemeindevorstands abzuwarten, änderte das Ehepaar kurzfristig seine Pläne, da sich die Möglichkeit eines Neuanfangs im eigenen Wohnhaus in Zimmersrode ergeben hatte. Dort war eine Etage frei geworden. „Wir standen zeitlich unter Zugzwang und mussten wissen, wie es weitergeht“, erklärt Marcus Grabosch.

Tattoo-Künstler „Hieb & Stichfest“ in Fachkreisen sehr geschätzt

Marcus Grabosch gilt in Fachkreisen als einer der besten Tattoo-Künstler Deutschlands, seine Auftragsbücher sind voll. Tattoo-Fans kommen laut seiner Aussage aus dem ganzen Land sowie der Schweiz und Dänemark in sein Studio. „Wir haben Bad Zwesten über die Grenzen hinaus bekannt gemacht“, sagt er. Viele Kunden hätten im Kurort übernachtet und die Gastronomie besucht.

Während das Ehepaar sein Tattoostudio in Neuental neu eröffnet, hat Bad Zwesten mit Leerstand zu kämpfen: Neben dem Lokal Kamineck und dem vormaligen Standort der Eisdiele „Gelateria Ciao Bella“ unterhalb des Rathauses ist das ehemalige Tattoo-Studio aktuell die dritte gewerbliche Immobilie, die mitten im Ort leer steht. In puncto Kamineck seien die Verhandlungen über eine Nachfolge auf einem guten Weg, so Bürgermeister Michael Köhler.

Das sagt der Bürgermeister

„Mit tut es sehr leid, dass die Eheleute Grabosch sich für ihre Heimatgemeinde Neuental als neuen Standort entschieden haben. Wir hätten sie gerne als Gewerbetreibende in unserer Gemeinde behalten“, so Bürgermeister Michael Köhler.

Im Gemeindevorstand habe es noch Fragen zum Thema Stellplätze gegeben. „Die Entscheidung wurde daher zunächst vertagt. Die Verwaltung hatte zwischenzeitlich den offenen Punkt geklärt. Die Eheleute Grabosch hatten die Parkplatzfrage aus meiner Sicht sehr gut lösen wollen. Vorgesehen war, das betreffende Grundstück an die Eheleute zu verkaufen.“ Am 25. Mai sollte im Gemeindevorstand über den Grundstücksverkauf entschieden werden. Köhler habe von der Absage am 18. Mai erfahren.

Es habe sich um eine Anwohnerin gehandelt, die das Thema Parkplätze problematisierte. „Bei uns ist es keine gängige Geschäftspraxis, dass wir uns von Anliegern bei einer Verkaufsentscheidung beeinflussen lassen. Wer nach den Vorgaben des Bebauungsplanes bauen möchte und bereit ist, den Kaufpreis zu bezahlen, der kann auch ein Grundstück von der Gemeinde bekommen.“ Dieses Verfahren habe er den Eheleuten Grabosch im Gespräch vermittelt. „Eine Absage war nicht voraussehbar.“ Als primäre Begründung für ihre Entscheidung habe das Ehepaar ihm mitgeteilt, dass es wirtschaftlicher sei, das Geschäft ins eigene Wohnhaus zu verlagern. „Das ist für mich sachlich nachvollziehbar.“

Von Kerstin Diehl

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