Feldflurprojekt

Rebhuhnküken gedeihen gut rund um Bad Zwesten

Rebhuhn-Jungvögel haben im Bereich des Feldflurprojektes rund um Bad Zwesten besonders gute Überlebenschancen.
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Rebhuhn-Jungvögel haben im Bereich des Feldflurprojektes rund um Bad Zwesten besonders gute Überlebenschancen.

Seit August 2018 gibt es rund um Bad Zwesten das Feldflurprojekt. Im Mittelpunkt steht der Schutz der Rebhühner. Wir haben mit der Projektkoordinatin Andrea Imhäuser (LLH) gesprochen. 

Bad Zwesten – Seit August 2018 gibt es rund um Bad Zwesten das Feldflurprojekt zur Förderung bedrohter Tier- und Pflanzenarten der offenen Kulturlandschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Rebhühner, deren Bestand in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen war.

Andrea Imhäuser sucht die Blühflächen rund um Bad Zwesten öfter nach Rebhühnern ab. Von dem Projekt profitieren auch andere Vogelarten und Insekten. Das abgestorbene Gras bietet gute Versteckmöglichkeiten.

Anfang 2019 erhielt das Projekt eine eigene Koordinationsstelle durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Inne hat diese Andrea Imhäuser. Sie ist das Bindeglied zwischen Landwirten, Behörden, den vier beteiligten Kommunen, Jägern und Imkern und Bevölkerung. Gibt es Fortschritte?

Frau Imhäuser, was sagen Sie zum neuesten Rebhuhn-Monitoring?
Das inzwischen dritte Monitoring der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel hat im Projektgebiet eine Steigerung von 45 Rebhuhnvorkommen auf 53 nachgewiesen. 2017 konnten nur acht Vorkommen nachgewiesen werden.
Aufgrund der zurückgezogenen Lebensweise wurden vermutlich nicht alle Vorkommen vollständig erfasst, sodass der tatsächliche Bestand sogar noch etwas höher geschätzt werden dürfte. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Rebhuhnbestand somit um 20 Prozent zugenommen. Besonders beeindruckend finde ich die hohe Zahl an erfolgreich aufgezogenen Küken je Paar.
Was leiten Sie daraus ab?
Dass die Rebhühner durch unsere Lebensraumverbesserungen hier genügend Insekten finden konnten. Im hessischen Durchschnitt schaffte es ein Familienverband (Kette), sechs Jungtiere aufzuziehen. Dagegen lag im Projektgebiet um Bad Zwesten die Zahl der aufgezogenen Junghühner im Jahr 2019 bereits bei acht und im vergangenen Jahr sogar bei elf Küken je Familienverband – somit waren die Brutpaare um Bad Zwesten fast doppelt so „erfolgreich“ wie im hessischen Durchschnitt.
Ist damit das Ziel des Projekts erreicht?
Das im Projektantrag ursprünglich gesetzte Ziel war mindestens eine Vervierfachung des Rebhuhn-Bestandes. Das haben wir nun mehr als erreicht. Aber von Anfang an sollte sich das Projekt auch auf andere Arten positiv auswirken.
Besonders schön ist, dass unser Feldflurprojekt Nachahmer findet und überregional wahrgenommen wird. Kürzlich habe ich sogar eine Anfrage aus Luxemburg erhalten. Ein weiteres kleines Projekt hat sich seit Ende vergangenen Jahres auch bei Fritzlar-Lohne entwickelt. Dort sind bisher sechs Landwirte beteiligt.
Wie soll es weitergehen?
Neben dem Rebhuhn-und Feldvogel-Monitoring soll es in diesem Jahr erstmalig auch ein Insekten-Monitoring geben. Das wird zeigen, wie viele und vor allem, welche Arten von Insekten es in und um unsere Blühflächen gibt. Die Insekten sind der entscheidende Schlüssel zur erfolgreichen Aufzucht, denn Rebhuhnküken ernähren sich in ihren ersten vier Lebenswochen ausschließlich von ihnen.
Aktuell sind von den 2700 Hektar Projektgebiet rund 30 Hektar spezielle Rebhuhn-Blühflächen. Ich würde mir noch viel mehr Blühflächen und mindestens noch mal so viele teilnehmende Landwirte wünschen. Nur mit begeisterten Landwirten kann ein solches Projekt erfolgreich funktionieren. Geld für noch mehr Beteiligte wäre zurzeit vorhanden.
Was sagen Sie dazu, dass die am Projekt beteiligten Landwirte vom Kreis den Klimaschutzpreis in der Kategorie „Gewerbebetriebe“ erhalten haben?
Ich hätte ehrlich gesagt nicht mit dem 1. Preis gerechnet, aber ich finde es super für „meine“ Landwirte. Der Preis ist eine große Wertschätzung für die Landwirte, die immer wieder öffentlicher Kritik ausgesetzt sind. Dabei würden sie, wenn sie mehr Spielraum hätten, gerne auch mehr für die Natur und die Artenvielfalt tun.
Was ist das Besondere an den Rebhuhnblühflächen?
Im Gegensatz zu anderen Blühflächen, die zum Teil nur vier Monate stehen, bleiben die Rebhuhn-Blühflächen fünf Jahre auf der selben Ackerfläche stehen. Sie werden nur jedes zweite Jahr, und dann nur zur Hälfte, bearbeitet – so entsteht auf kleinem Raum eine vielfältige Struktur innerhalb der Blühfläche.
Davon profitieren nicht nur die Rebhühner, sondern bis zu 40 weitere Vogelarten, darunter Feldlerche, Wachtel oder Schafstelze. Die Flächen sind auch eine prima Kinderstube für Feldhasen, die sich ebenfalls deutlich vermehrt haben.
Wieso geht es nicht ohne?
Unsere heutige Landschaft ist viel zu aufgeräumt und bietet zu wenige Versteckmöglichkeiten für die verschiedenen Tiere. Die Blühflächen helfen, die fehlenden Strukturen wie kräuterreiche Ränder und niedrige Hecken etwas auszugleichen.
Muss ich Landwirt sein, um das Rebhuhn-Projekt zu unterstützen?
Nein, das müssen Sie natürlich nicht, denn jeder kann durch sein Verhalten im eigenen Garten und beim Spaziergang in der Natur oder durch sein Konsumverhalten die Rebhühner unterstützen: Verwandeln Sie Ihren Garten zum Beispiel in ein naturnahes Blütenmeer anstatt in eine Steinwüste und lassen Sie unaufgeräumte, wilde Bereiche auch über den Winter zu. Kaufen Sie regionale Lebensmittel, denn damit unterstützen Sie die heimischen Landwirte, die dann wiederum unsere heimische Artenvielfalt erhalten können. (Christina Zapf)

Feldflurprojekt

Hessenweit gibt es seit 2018 Feldflurprojekte. Bis zu zehn dürfen es sein, derzeit sind es neun, die meisten davon in Südhessen angesiedelt. Das Feldflurprojekt rund um Bad Zwesten ist das nördlichste. Von diesen Leuchtturmprojekten sollen viele Tier- und Pflanzenarten profitieren. ciz

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