Leergut ist ihr Geschäft

Die Flaschengroßhandlung in Bad Zwesten will expandieren - ein Firmenporträt

Noch müssen viele Flaschen per Hand sortiert werden: von links Marco und Paula Martone mit Patrick Hofmann aus Kleinenglis, einer der 60 Mitarbeiter der Bad Zwestener Flaschengroßhandlung.
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Noch müssen viele Flaschen per Hand sortiert werden: von links Marco und Paula Martone mit Patrick Hofmann aus Kleinenglis, einer der 60 Mitarbeiter der Bad Zwestener Flaschengroßhandlung.

Mit einer zunehmenden Getränkeauswahl steigt die Menge an Leergut. Bevor es weiterverarbeitet werden kann, muss es sortiert werden. Dies ist das Geschäft der Flaschengroßhandlung Bad Zwesten. 

Bad Zwesten – Neue Sorten, Formen, Farben, Glas oder PET, Pfand oder Einweg: Während Kunden zwischen einer immer größer werdenden Vielfalt an Getränken wählen können, muss immer mehr Leergut sortiert werden, bevor es weiter verarbeitet werden kann. Dies ist das Geschäft der Flaschengroßhandlung Bad Zwesten. Und das läuft so gut, dass das Unternehmen seine Lagerfläche fast verdoppeln will.

„Wir könnten noch mehr leisten, sind jedoch mit unserer Lagerkapazität an die Grenzen gelangt“, so Geschäftsführer Marco Martone. Die Firma will rund drei Millionen Euro investieren in zwei neue Hallen, Asphaltierung und in eine neue Sortieranlage. Dafür soll sich die Lagerfläche fast verdoppeln – von derzeit 27 000 Quadratmeter auf 51 000 Quadratmeter. Das angrenzende Grundstück, eine Ackerfläche, hat die Firma bereits erworben.

Bad Zwesten: Flaschengroßandlung zählt und sortiert Leergut

Die Flaschengroßhandlung bietet europaweit den Kauf und Verkauf von Pfandflaschen, Kisten und Paletten an. Pfandflaschen werden gezählt und sortiert, bevor sie wieder an Abfüller verkauft werden, Einwegflaschen werden gezählt und dem Recycling zugeführt. Getränkebrunnen wie Hassia, Rhönsprudel oder Förstina zählen zu den Kunden, um einige zu nennen. Die Firma behandelt nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Flaschen pro Jahr und macht einen Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro.

„Wir sind ein Familienunternehmen und eine wichtige Schnittstelle im deutschen Pfandsystem“, so Seniorchef Vincenzo Martone. Neben Sohn Marco Martone und den Töchtern Melanie Scheffer-Martone und Paula Martone gehöre zu dem Betrieb ein fester Stamm von rund 60 Mitarbeiten, ein knappes Dutzend von ihnen gehört dem Unternehmen seit über 20 Jahren an.

„Wir sind eine große Familie“, sagt Seniorchef Vincenzo Martone, der vor knapp 25 Jahren mit seiner Firma und einigen Mitarbeitern aus Rosbach nach Bad Zwesten kam. Einige von ihnen sind der Firma bis heute treu. Auf dem Bild (von links): Melanie Martone-Scheffer, Vincenzo Martone, Marco Martone, Paula Martone sowie Wolfgang Theis, Doris Zubrod und Mehmet Tasci.

Bad Zwesten: Flaschengroßhandlung will Lagerfläche erweitern

1997 war Vincenzo Martone es, der mit der 1953 von seinem Schwiegervater Ferdinand Müller gegründeten Firma nach Bad Zwesten zog. Der alte Standort in Rosbach vor der Höhe war zu klein geworden. Mit zwei Gabelstaplern und drei Lkw fing die Firma im Kurort an. Mittlerweile ist der Standort erneut zu klein geworden.

Er sei der Erste auf dem Markt gewesen, der Gitterboxen für leere PET-Flaschen einführte, sagt Vincenzo Martone (71). Dies erleichterte den Transport: Während rund 30 000 Flaschen in Kisten auf einen Lkw passen, können in Gitterboxen rund 50 000 Plastikflaschen auf einmal transportiert werden. Die Firma hat sich mit Leergut deutschlandweit einen Namen gemacht.

Eine neue automatische Glassortieranlage erkennt bei bis zu 80 Prozent der Flaschen Form und Marke und sortiert sie entsprechend. „Der Rest muss immer noch manuell sortiert werden“, so Marco Martone. Einweg-Getränkeflaschen werden in einer separaten Anlage vollautomatisch gezählt und gepresst.

„Hier handelt es sich um einen Prototypen“, sagt Marco Martone nicht ohne Stolz. Die gepressten Einwegflaschen werden von Recyclingfirmen in Containern abgeholt. Zusätzlich zu den sechs eigenen Lkws kooperiert die Firma mit Speditionsunternehmen. Wieder mehr Mehrweg, weniger Einweg sei die Tendenz, so Martone.

Auszeichnung für Flaschengroßhandlung Bad Zwesten

Seit 2020 Jahr darf sich die Bad Zwestener Flaschengroßhandlung Klimaneutrales Unternehmen nennen: Die Firma nimmt am freiwilligen Emissionshandel teil und leistet mit der Verringerung des Treibhausgases einen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt und gegen die globale Klimaerwärmung. Dafür hat das Unternehmen seinen CO2-Fußabdruck analysieren lassen und entsprechend Anteile aus Gold-Standard-Klimaschutzprojekten erworben.

Für die Emissionsbilanz fielen der Verbrauch von Brennstoffen, Kältemitteln, Strom, Fernwärme, Wasser, Papier sowie der Fuhrpark und die Transporte ins Gewicht. Ergebnis: Die Flaschengroßhandlung verbraucht gut 1000 Tonnen CO2 und muss diese Summe kompensieren, um klimaneutral zu sein. „Dafür investieren wir in weltweite, zertifizierte Klimaschutzprojekte“, sagt Geschäftsführer Marco Martone. So unterstützt die Firma aktuell in Taiwan lokale Windparks zur Stromerzeugung und in Indien ein Projekt zur Stromergewinnung durch erneuerbare Biomasse. 

Von Kerstin Diel

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