Schlammmassen landen im Bach

Plötzlich war die Urff schwarz

Der Pächter eines der Fischteiche an der Bergfreiheiter Straße zwischen Oberurff und Bergfreiheit hatte mit einem Bagger den Schlamm über einen Überlauf in die Urff geschoben.
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Der Pächter eines der Fischteiche an der Bergfreiheiter Straße zwischen Oberurff und Bergfreiheit hatte mit einem Bagger den Schlamm über einen Überlauf in die Urff geschoben.

Der Pächter eines Fischteichs in Oberurff hat aus diesem Schlamm in die Urff geleitet. Das Wasser des Nebenflusses der Schwalm hat sich daraufhin schwarz gefärbt.

Bad Zwesten – In Oberurff versetzte eine mit dunkler Brühe gefüllte Urff am Montagnachmittag die Einwohner in helle Aufregung. „Die Urff war plötzlich kohlrabenschwarz“, sagt Hermann Häusling aus Oberurff. Nicht nur er wunderte sich. Auch weitere Einwohner machten Fotos. Schließlich informierten sie Ortsvorsteher Eduard Dippel. Schnell wurde klar, dass der Schlamm aus einem der Fischteiche an der Bergfreiheiter Straße stammte.

„Eine riesen Sauerei“, sagt Dippel. Nicht nur die Wasserfarbe der Urff habe sich verändert, auch in der Luft habe ein widerlicher Geruch gelegen. Der Schlamm werde bis in die Schwalm getragen. Dippel wandte sich an Sascha Engelbrecht, den Leiter des Ordnungsamts in Bad Zwesten.

Dieser habe daraufhin Rücksprache mit der Fachbehörde Wasser- und Bodenschutz des Schwalm-Eder-Kreises gehalten, sich die Lage vor Ort selbst angesehen und Amtshilfe geleistet.

Die Schlammmassen färbten das Wasser der Urff nahezu schwarz.

Das Wasser in der Urff ist schwarz: Pächter leitet Schlamm in Nebenfluss

Der Pächter eines der privaten Fischteiche hatte einen verstopften Teichüberlauf freigelegt und den gesammelten Schlamm mithilfe eines Baggers in Richtung des Überlaufs abgeschoben. Der Teichüberlauf mündet direkt in Urff.

Um die Folgen der Aktion einzudämmen, forderte Engelbrecht im Auftrag der Wasserschutzbehörde den Pächter auf, seine Arbeiten sofort einzustellen und den Überlauf wieder zu verschließen. Anschließend wurden Beweisbilder gefertigt und die Personalien des Verursachers aufgenommen. Dieser möchte sich auf HNA-Anfrage nicht zur Sache äußern.

„Spätestens als der Teichüberlauf freigelegt worden war und deutlich sichtbar wurde, dass Schlamm und Sedimente in diesem Umfang direkt in den Bach gelangen, hätte der Pächter den Überlauf sofort wieder verschließen müssen“, so Engelbrecht. Stattdessen sei weiter Wasser abgelassen und die Sedimente mithilfe eines Baggers in Richtung Bach geschoben worden. Das Vorgehen des Pächters ist laut Engelbrecht nicht mit Natur- und Artenschutz zu vereinbaren.

Bad Zwesten: Pächter hätte Wasserschutzbehörde informieren müssen

„Die Aktion in dieser Form ist unzulässig“, teilt Philipp Klitsch, Pressesprecher des Landkreises auf HNA-Anfrage mit. Der Pächter des Fischteichs habe die Untere Wasserbehörde nicht über sein Vorhaben informiert. Teichschlamm müsse gemäß des Abfallrechts entsorgt werden.

Eine Ableitung in Gewässer sei nicht zulässig. „Sofern eine Verwertung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist oder der Schutz von Menschen und Umwelt der Verwertung entgegensteht, ist das Baggergut zu beseitigen“, so Klitsch.

Die Ableitung des Schlammes in die Urff habe negative Folgen für den Fischbestand und die Fischnährtiere wie Bachflohkrebse, Steinfliegenlarven und Köcherfliegenlarven. Aufgrund der erheblichen Menge an abgelassenen Schlamm, dessen hohen organischen Anteils und der Nährstoffkonzentration (darunter Stickstoff und Phosphat) sei von einer starken Sauerstoffzehrung im Gewässer auszugehen. Dies wirke sich direkt auf die Gewässerfauna aus.

Fischlaich und Fischnährtiere „ersticken“ unter der Schlammschicht

Der sich absetzende Schlamm beeinträchtige das Kies-Lückensystem auf der Sohle. Der im Kies vorhandene Fischlaich sowie die dort lebenden Fischnährtiere „erstickten“ quasi unter der Schlammschicht.

Sanierungsarbeiten im Gewässer sind laut Klitsch kaum möglich. Der tatsächliche Schaden müsse nun ermittelt werden. Inzwischen sei auch die Obere Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums in Kassel informiert.

Eine Aktion mit unabsehbaren Folgen

Nicht nur die Einwohner von Oberurff wunderten sich über die veränderte Wasserfarbe der Urff, auch die Gemeinde wusste nichts von den Vorgängen am Fischteich. Wir haben mit Sascha Engelbrecht, dem Leiter des Ordnungsamts in Bad Zwesten, über die Aktion und mögliche Folgen gesprochen. (Christina Zapf)

Wieso wusste die Gemeinde nichts von der Aktion?
Die Grundstücke und Fischteiche an der Bergfreiheiter Straße sind kein Eigentum von Bad Zwesten, sondern in Privatbesitz. Dieser ist teilweise verpachtet. Insofern hatte die Gemeinde über dieses Vorhaben keinerlei Kenntnis. Es wäre jedoch angebracht gewesen, wenn der Pächter die Behörde Wasser- und Bodenschutz oder die Untere Naturschutzbehörde informiert hätte.
Welche Folgen hat die Verschmutzung?
Die Folgen für Natur und Tiere können seitens der Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingeschätzt werden. Die Gemeinde steht jedoch in Kontakt mit der Wasserschutz- und Naturschutzbehörde.
Was sagen Sie zu der Aktion?
Da ich am Montag als erster vor Ort war und direkt mit dem Verursacher gesprochen habe, kann ich sagen, dass der Verursacher mit den Folgen seiner Arbeiten am Teich nicht gerechnet hatte. Angeblich war ihm nicht bekannt, dass eine solche Aktion in diesem Umfang nicht erlaubt ist. Ich persönlich würde diese Aktion als ein grob fahrlässiges Verhalten bezeichnen. (Christina Zapf)

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