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Bad Zwesten: Rotwild schädigt Wald stark

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Von: Christina Zapf

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Die große Rotwild-Population im Hohen Kellerwald bei Bad Zwesten setzt den Bäumen zu.
Die große Rotwild-Population im Hohen Kellerwald bei Bad Zwesten setzt den Bäumen zu. © Manfred Delpho

Die hohe Rotwild-Population im Hohen Kellerwald bei Bad Zwesten sorgt für Ärger. Die Folgen der hohen Bestände sind Ernteeinbußen und immense Verbiss- und Schälschäden an Bäumen. 

Bad Zwesten – Der Rotwildbestand im Hohen Kellerwald bei Bad Zwesten hat sich in den vergangenen fünf Jahren stark erhöht. Die Folgen sind laut Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamts Jesberg (Hessenforst), gravierende Verbiss- und Schälschäden an dort wachsenden Buchen. Durch sie wird eine Erneuerung des Waldes verhindert. Und der ist ein Markenzeichen der Region.

Nun gibt es mehrere neue Entwicklungen. Zum einen teilt Hendrik Kalvelage, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel (RP), auf HNA-Anfrage mit, dass die Hegegemeinschaft Burgwald-Kellerwald (Zusammenschluss der Jagdausübungsberechtigten mehrerer benachbarter Reviere, die eine landschaftliche Einheit bilden) beim RP Fördergeld beantragt hat, um den Rotwildbestand in ihrem Gebiet mit einer Wärmebildbefliegung zu erfassen. „Diese soll nach der Bewilligung im Herbst, im unbelaubten Wald erfolgen“, so Kalvelage. Eingesetzt wird dabei ein speziell ausgerüstetes Ultraleichtflugzeug.

Zum anderen müssen die Waldinteressenten Niederurff und die Waldinteressenten Oberurff-Schiffelborn aufgrund der immensen Verbiss- und Schälschäden in ihrem Wald inzwischen um ihr PEFC-Zertifikat fürchten.

Rotwild im Hohen Kellerwald: Waldinteressenten müssen um ihr Zertifikat bangen

PEFC – englischer Name „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, zu Deutsch „Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen“ – ist die weltweit größte Institution, die mit ihrer Zertifizierung eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellt.

PEFC-Fachkräfte haben von April bis Juni sechs Forstbetriebe im Raum Bad Zwesten kontrolliert, so Detlef Stys, Vorsitzender der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppe Hessen. Darunter befanden sich die Wälder der genannten Waldinteressenten. „Dort haben wir sehr schwerwiegende Schädigungen der Waldbestände vorgefunden. Es gibt zahlreiche frische Schälschäden durch Rotwild aus dem Sommer 2022, teilweise großflächig“, so Stys.

Außerdem haben die Bad Zwestener Parlamentarier auf Antrag der Grünen-Fraktion mit acht Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und drei Enthaltungen beschlossen, dass es eine öffentliche Anhörung zum Rotwild-Problem und seinen Folgen geben soll. Eingeladen werden sollten laut Martin Häusling (Grüne) Vertreter von Hessenforst, PEFC, Unterer und Oberer Jagdbehörde sowie Unterer und Oberer Forstbehörde und der zuständige Rotwild-Beauftragte. Ein Termin steht noch nicht fest. (Christina Zapf) (mehr zum Thema lesen sie in der Printausgabe und im HNA-E-Paper)

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