Serie Schlafende Orte

Seit einem Jahr herrscht Stille im Dorfgemeinschaftshaus Oberurff

Leer und still ist es seit knapp einem Jahr im Dorfgemeinschaftshaus Oberurff: Eduard Dippel, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Oberurff-Schiffelborn, bedauert den Zusammenbruch des Gemeinschaftlebens.
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Leer und still ist es seit knapp einem Jahr im Dorfgemeinschaftshaus Oberurff: Eduard Dippel, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Oberurff-Schiffelborn, bedauert den Zusammenbruch des Gemeinschaftlebens.

Der Corona-Lockdown zwingt viele Orte im Kreisteil Fritzlar-Homberg in eine Art künstliches Koma. Wir besuchen diese schlafenden Orte. Heute: das Gemeinschaftshaus Oberurff.

Oberurff – Das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Oberurff ist der zentrale Treffpunkt für die Einwohner des Bad Zwestener Ortsteils. Dort feiern Jugendliche, dort erklingt Musik bei Band- und Chorproben. Dort werden Geburtstage gefeiert und dort plauschen Senioren bei einem Stück Kuchen miteinander.

Doch seit einem Jahr herrscht im grünen Saal, im Jugendraum und auf dem Dachboden Stille. Die letzte Veranstaltung in dem vom Verein „Interessengemeinschaft Oberurff-Schiffelborn“ betriebenen Gebäude fand Ende Februar 2020 statt. „Das ganze Vereinsleben ist tot“, sagt Eduard Dippel, Vorsitzender der Interessengemeinschaft und Ortsvorsteher. Das habe negative Auswirkungen auf das Gemeinschaftsleben in Oberurff.

Oberurff: Der Dorfmittelpunkt fehlt

„Der Zusammenhalt über die Vereine und Veranstaltungen ist weg“, berichtet Dippel. Zwar trügen die Dorfbewohner die corona-bedingten Veränderungen mit Unverdrossenheit, doch da die Türen des DGH seit knapp einem Jahr geschlossen sind, hätten sich die Oberurffer von einander entfremdet. „Die Leute sehen sich untereinander kaum“, so Dippel.

Es werde sich höchstens mal mit Abstand über den Gartenzaun ausgetauscht. Am härtesten treffe es seiner Meinung nach die Kinder, die nicht mehr miteinander spielen dürften. Sich am ehesten mit den Einschränkungen arrangieren könnten sich ältere Menschen, die in ihrer Kindheit den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben.

DGH Oberurff: Mieteinnahmen fehlen

Für die Interessengemeinschaft Oberurff-Schiffelborn sehe die Welt nach der Coronakrise anders aus: „Wir müssen nach der Pandemie wieder bei Null anfangen, um ein gewisses Dorfleben zu schaffen.“ Mit den seit Ende Februar 2020 fehlenden Raumbuchungen im DGH bleiben die Einnahmen aus der Vermietung der Räume aus.

„2018 und 2019 hatten wir rund 300 Belegungen“, sagt Dippel. 2020 seien es in den ersten beiden Monaten 63 gewesen – seither ist das DGH geschlossen. Lagen die Mieteinnahmen 2018 und 2019 bei 7000 Euro beziehungsweise 6000 Euro, so war 2020 bei 500 Euro Schluss. Eine schwierige finanzielle Situation für den Verein, schließlich müsse beispielsweise die Versicherung weitergezahlt werden. „Und der Unterhalt des Gebäudes bedeutet trotz Corona Arbeit“, sagt Dippel.

Die Interessensgemeinschaft Oberurff-Schiffelborn versuche, mit dem Istzustand zurechtzukommen, und lebe von der Substanz. Mit Blick auf das weitere Jahr herrscht noch Unsicherheit. „Wo die Reise hingeht, kann ich nicht sagen“, so der Vorsitzende Dippel.

Von Christina Zapf

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