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Ärger um Eimer voller Altöl in Bad Zwesten

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Von: Christina Zapf

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Eimer mit Altöl auf dem Gelände, das Unternehmen nutzen, die im Auftrag der Göttinger Firma Goetel das Glasfasernetz in Bad Zwesten ausbauen.
Eimer mit Altöl auf dem Gelände, das Unternehmen nutzen, die im Auftrag der Göttinger Firma Goetel das Glasfasernetz in Bad Zwesten ausbauen. © Christina Zapf

Offene Eimer mit Altöl hat ein Spaziergänger auf einem Gelände der Gemeinde Bad Zwesten entdeckt. Goetel-Subunternehmen nutzen die Fläche als Zwischenlager. 

Bad Zwesten – Der Ausbau des Glasfasernetzes in Bad Zwesten schreitet zügig voran. Dafür zuständig ist das Göttinger Unternehmen Goetel. Es koordiniert die nötigen Arbeiten der von ihm beauftragten Baufirmen in allen Schwalm-Eder-West-Kommunen.

Bei der HNA hat sich ein Bad Zwestener gemeldet (Name ist der Redaktion bekannt), der auf einer von den Baufirmen als Zwischenlager genutzten, gemeindeeigene Fläche am Sportplatz zwei Eimer mit Altöl gesehen hatte, die bei Regen jederzeit hätten überlaufen können. Er hatte diese Entdeckung bei einem Spaziergang mit seinem Hund gemacht. „Persönlich befinde ich dieses als bodenlose Unverschämtheit und Pflichtverletzung“, schreibt er der HNA. Neben den offenen Eimern mit Altöl fand er unter anderem auch alte Baggerketten, Motoren, Bremsscheiben und benutzte Ölfilter.

Polizei bestätigt: Es liegt eine Anzeige vor

„Ich finde es erfreulich, dass unsere Bürger mit offenen Augen durch die Gemeinde gehen“, sagt Bürgermeister Michael Köhler auf HNA-Anfrage. Das Ordnungsamt der Gemeinde sei klein und könne nur wenige Kontrollgänge absolvieren. Der zuständige Sachbearbeiter sei derzeit außerdem noch mit der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (mit 20 Prozent seiner Vollzeitstelle) und einer Weiterbildung (weitere 20 Prozent seiner Vollzeitstelle) beschäftigt.

Die Firma Goetel ist laut Köhler der Meinung, dass viele der abgelagerten Dinge nicht von ihren Subunternehmern stammen. Sie habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Dass eine Anzeige vorliegt, bestätigt Jens Breitenbach von der Polizeidirektion Schwalm-Eder. „Das Ermittlungsverfahren läuft“, sagt er.

„Ich persönliche finde es eine Unverschämtheit, dass man (wer auch immer) auf unserem Grundstück wassergefährdete Stoffe versucht, zu entsorgen“, sagt Köhler. Gerade mit Blick auf die besondere Sensibilität der Geologie von Bad Zwesten – mit der Heilquelle „Alter Löwensprudel“ und oberflächennahen Quellen für die Wasserversorgung der Bürger. „Das macht mich wütend“, so der Bad Zwestener Bürgermeister.

Widerrechtlich gelagertes Altöl wurde inzwischen entfernt

Die Fläche, auf der unter anderem das Altöl abgestellt wurde, liege an der Grenze der Wasserschutzzone 3 und grenze dabei direkt an die Heilquellenschutzzone – quantitative Schutzzone B. Zudem liege die Fläche in der Heilquellenschutzzone – der quantitativen Schutzzone III. Subunternehmer der Firma Goetel nutzen laut Köhler das Gelände am Sportplatz mit dem Einverständnis der Gemeinde. „Angefragt wurde damals eine große Lagerfläche für das zu verbauende Material der Glasfaserverlegung sowie das Zwischenlagern von Schüttgütern wie beispielsweise Sand.“ Das Ablagern von alten Baggerketten, Motoren, Kupplungen, Bremsscheiben, Altöl sowie benutzten Ölfiltern sei selbstverständlich nicht Teil der Nutzungsvereinbarung gewesen und war somit auch nicht genehmigt.

Goetel sei über die Missstände sofort nach deren Bekanntwerden informiert worden. Die Gemeinde habe Goetel aufgefordert, die Subunternehmen mit der sofortigen Beseitigung der Dinge zu beauftragen. „Uns ist wichtig, dass das Problem gelöst wird. Das ist jetzt erfolgt“, sagt Köhler. Anderenfalls hätte das Ordnungsamt für die Gefahrenabwehr eine sofortige Entsorgung auf Kosten des Verursachers veranlasst, so der Bürgermeister. Sollten Schadstoffe in das Erdreich eingedrungen sein, müsste das dafür verantwortliche Unternehmen beziehungsweise die Firma Goetel die Beseitigungskosten tragen. „Des Weiteren wird die Gemeinde die Nutzung der Lagerfläche mit der Firma Goetel noch mal prüfen und regelmäßige Kontrollen vornehmen“, so Köhler. (Christina Zapf)

Glasfaserausbau

Die Glasfaserleerrohre für die Hauptverteilung in Bezigeroder und Wenzigerode sind verlegt. Die Anbindung der einzelnen Häuser steht noch aus, teilte Bürgermeister Michael Köhler in der jüngsten Gemeindevertretersitzung mit. Die Verlegung der Glasfaserleerrohre für die Hauptverteilung in Niederurff und Oberurff-Schiffelborn hat begonnen. Auch dort muss der Anschluss der einzelnen Häuser noch erfolgen. Inzwischen habe sich auch in der Kerngemeinde genügend Haushalt gefunden, die einen Glasfaseranschluss möchten. Das Glasfasernetz werde dort 2023 ausgebaut. (ciz)

Altöl in offenen Eimern: Goetel äußert sich zu Vorfall

Die Göttinger Firma Goetel äußert sich wie folgt auf HNA-Anfrage zum Vorfall: „Als regional verwurzeltes Unternehmen ist der Schutz unserer Umwelt für uns von besonderer Bedeutung. Wir sind dem Vorwurf deshalb sofort nachgegangen und sind zu dem Schluss gekommen, dass der dort entsorgte Sondermüll nicht von der von uns beauftragten Baufirma stammen kann“, so Goetel-Pressesprecher Felix Kadèr.

Beim Glasfaserausbau entstünden keine Schadstoffe, die gelagert oder entsorgt werden müssten. „Offenkundig haben Dritte unseren Lagerplatz genutzt, ihre Gerätschaften und Schadstoffe illegal zu entsorgen. Wir kümmern uns jetzt auf eigene Kosten um die sofortige fachgerechte Entsorgung und werden zudem Strafanzeige gegen Unbekannt stellen“, so Kadèr weiter.

Die Untere Wasserschutzbehörde steht mit der Gemeinde in Kontakt

„Nach den uns vorliegenden Informationen aus der Anzeige sind noch keine wassergefährdenden Stoffe/Flüssigkeiten ausgetreten“, heißt es auf HNA-Anfrage. Deshalb sei zunächst das Ordnungsamt der Gemeinde für die Fläche zuständig.

Sollte die Kommune feststellen, dass wassergefährdende Stoffe ausgetreten sind und eine Grundwassergefahr bestehen könnte, müsse sich das Ordnungsamt bei der Unteren Wasserbehörde melden. Ähnliche Vorfälle wie in Bad Zwesten habe es im Zusammenhang mit dem Glasfaserausbau bislang nicht gegeben, teilt die Behörde mit. (Christina Zapf)

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