Pilzhauptstadt Bad Zwesten

Das Glück wohnt im Wald: Ewald Langer hat sein drittes Buch über Pilze geschrieben

Professor Ewald Langer aus Bad Zwesten hält sein neues Buch in der Hand, das fürs Pilze sammeln begeistern soll.
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Pilze sind seine Passion: Professor Ewald Langer aus Bad Zwesten hat ein neues Buch geschrieben, das fürs Sammeln begeistern soll.

Für ihn wohnt das Glück im Wald: Pilzexperte Ewald Langer hat sein drittes Buch veröffentlicht. Es bietet Tipps und Tricks rund ums Pilze suchen.

Bad Zwesten - Manchmal wünscht sich Ewald Langer, dass sich sein Leben und Lehren doch um Schmetterlinge und Orchideen statt um Pilze drehen würde: Denn solch bunte Fachgebiete könnten wohl mehr Menschen begeistern als das sehr spezielle, dem sich der Bad Zwestener Professor mit Leib und Seele verschrieben hat: Langer ist Mykologe, also Pilzforscher.

Diese Organismen sind zwar absolut lebensnotwendig für die Natur, haben aber auch deutlich weniger Fans als farbenfrohe Falter. „Pilze sind ein mühsames Geschäft, sie sind eben ein sehr eigenes Thema“, sagt er, der schon als Kind mit Eltern und Großeltern in den Wäldern unterwegs war, um Steinpilze, Pfifferlinge und Co. zu finden. Das weiße Körbchen, in das er vor über einem halben Jahrhundert stolz erste Fundstücke legte, hat er bis heute in seinem Besitz.

Langer hat die Begeisterung, die damals in ihm geweckt wurde, nie verlassen, gerade hat der 60-Jährige sein drittes Buch über Pilze herausgegeben. Der Titel des Ratgebers und Naturbegleiters ist Programm für ihn, er lautet schlicht „Pilzglück“.

Um dieses Glück zu finden, muss Langer nicht weit laufen. „Bad Zwesten ist die Pilzhauptstadt des Schwalm-Eder-Kreises“, sagt er und lacht. „Doch viele wissen gar nicht, in welchem Pilz-El Dorado wir hier leben.“

Dieses El Dorado reicht bis über die Kreisgrenze hinaus, denn der Nationalpark Kellerwald-Edersee toppt die Zwestener Gebiete. Sage und schreibe 1300 verschiedene Großpilze wurden dort bereits gefunden: „Und diese Zahl ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, ist Langer überzeugt. Die riesige Artenzahl ist für den Professor, der an der Kasseler Uni lehrt, nur ein Beispiel dafür, dass die Rolle und Aufgabe der Pilze noch immer massiv unterschätzt wird. So seien Bäume, an deren Wurzeln viele Pilze sitzen, deutlich widerstandsfähiger gegen Temperaturschwankungen und Trockenheit als unbesiedelte Baumwurzeln. „Wir wissen noch so wenig über diese Mikroorganismen, da ist die Forschung noch nicht allzuweit, da stehen viele Fragen offen.“

Keine offenen Fragen aber lässt das Buch Pilzglück, das mit vielen Fotos – die Ewald Langer fast ausnahmslos selber gemacht hat– und exakten Beschreibungen und Merkmalen. Die Exemplare sind allesamt gut erkennbar, es ist keine Art im Buch beschrieben, die einen verblüffend ähnlichen, aber doch gefährlich-giftige Doppelgänger hat – es besteht also keinerlei Verwechslungsgefahr.

Das Buch richtet sich an Einsteiger und auch Fortgeschrittene, es soll Hilfestellungen geben, aber auch und vor allem Lust machen aufs Thema Wald und Naturerlebnis. Und es soll zeigen, welche Bedeutung die Pilze fürs Ökosystem haben. Ohne Pilze geht fast nichts auf der Welt und in der Natur. Wer es nicht glaubt: Ohne Hefepilze gäbe es nicht mal ein Bier. Und das ist für viele noch unvorstellbarer als mit einem Körbchen durch den Wald zu streifen. Aber wer weiß: Vielleicht bringt das Buch Pilzglück wirklich so manchen vom Pils- ins Pilzglück. (Claudia Brandau)

Ewald Langer, Pilzglück, Kosmos-Verlag, 12 Euro.

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