Der Schatzsucher im Wald

Professor Ewald Langer aus Bad Zwesten hat ein neues Pilzbuch veröffentlicht

 Ökologie-Professor Ewald Langer sitzt an einem Tisch und hält seinen Pilzführer in der Hand.
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Will sein Wissen teilen: Ökologie-Professor Ewald Langer hat seinen zweiten Pilzführer veröffentlicht. Am Tisch vor ihm die Austernseitlinge, die er diese Woche im Bad Zwestener Wald gefunden hat.

Ewald Langer, Professor für Ökologie an der Universität Kassel, hat einen Pilzführer für Einsteiger veröffentlicht. Im Kosmos-Verlag ist gerade das Buch „Wilde Pilze finden und genießen“ erschienen.

Das bietet neben vielen Infos und Fotos auch Rezepte – und damit das Komplettpaket für alle, die sich ans große Thema Pilze wagen wollen. Das Buch richtet sich vor allem an Anfänger und die, die mehr über die faszinierende Welt der Pilze erfahren wollen.

In die ist Ewald Langer schon vor Jahrzehnten begeistert eingetaucht. Als er als Student das erste Mal in Tübingen in einer Vorlesung von Professor Franz Oberwinkler saß, der wegen seines großen Wissens als deutscher „Pilz-Papst“ galt, da wusste er: „Das ist mein Ding.“

Es ist ein sehr großes und ein sehr altes Ding, das Langer da gewählt hat, denn es soll weltweit bis zu fünf Millionen Pilzarten geben, nur 120 000 von ihnen sind erforscht. Das Wissen um die Kraft der Pilze hatte auch schon Steinzeitmann Ötzi. Als die 5000 Jahre alte Mumie 1991 gefunden wurde, stellte man fest, dass Ötzi auch einen Zunderschwamm und einen Birkenporling bei sich trug. Der Zunderschwamm war wichtig fürs Feuermachen, der Birkenporling ergab einen heilsamen Tee. Beides waren Lebensnotwendigkeiten. Solches Wissen wurde über Jahrhunderte von Generation zu Generation weiter gegeben.

Heute ist das Pilzesammeln schon lange nicht mehr lebensnotwendig. Damit schwinden die Kenntnisse um jene Arten, die lecker, und jene, die gefährlich sind. Ewald Langer will das mit seinen beiden Pilzbüchern ändern, will seine Leidenschaft und sein Wissen teilen und Menschen dazu bewegen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nicht nur, weil die Pilzsuche ein großartiges, spannendes und noch dazu kostenloses Hobby ist, sondern aus einem anderen Grund: „Pilzesammeln macht glücklich,“ ist sich Langer sicher: „Der Jäger und Sammler in uns freut sich.“

Offenbar gibt es von diesen Jägern und Sammlern in Süddeutschland deutlich mehr als in Nordhessen. Als Langer Ende der 1980er-Jahre der Liebe wegen aus Sindelfingen nach Bad Zwesten kam, stellte er schnell fest, dass der Nordhesse an sich eher skeptisch ist, was das Thema Pilze angeht. Kaum einer seiner Gäste hatte das erste Pilzgericht anrühren wollen, das er damals auf den Tisch stellte. Das verwunderte ihn, der von Kindesbeinen an den Blick auf den Boden richtet, sobald er Wald betritt, doch sehr. Früher, sagt er, sei er mit der Großmutter in aller Herrgottsfrühe losgezogen, denn die Konkurrenz unter den Sammeln war groß. Jeder wollte zuerst vor den Röhrlingen, Seitlingen oder gar Steinpilzen stehen, die Langer im Buch als das „Gold des Waldes“ bezeichnet.

Der 59-Jährige nimmt die Leser damit mit auf eine Schatzsuche. Und er hofft, dass sie wiederum ihre Kinder oder Enkel mitnehmen, damit die den Wald riechen können, lernen, wie man Pilze bestimmt, die Umwelt schützt. „Wenn man will, dass Menschen die Natur schätzen, muss man im Kindergarten anfangen. In diesen Jahren ist in den Kinderköpfen das Fenster fürs Thema ganz weit offen.“ Im Gespräch merkt man schnell: Das Thema Pilze hat für den Bad Zwestener Professor unzählige Facetten.

Langer freut sich über jeden, der sie entdecken will. Sein Buch ist ein roter Faden, an dem sich Anfänger sicher durch den Wald hangeln können. Im besten Falle führt er sie dahin, wo sie Gold am Stiel am Boden entdecken.

Buch: Ewald Langer, Wilde Pilze finden und genießen, Kosmos-Verlag, 10 Euro

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