Rauer Umgangston

Bauhofmitarbeiter in Bad Zwesten werden oft angepöbelt

Erleichterung bei der Arbeit: Martin Drescher und Tim Süße, beide Mitarbeiter des Bauhofs in Bad Zwesten, an der neuen Förderschnecke. Mit der Maschine kann das Salz nun ohne viel Aufwand auf die Winterdienstfahrzeuge geladen werden.
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Erleichterung bei der Arbeit: Martin Drescher und Tim Süße, beide Mitarbeiter des Bauhofs in Bad Zwesten, an der neuen Förderschnecke. Mit der Maschine kann das Salz nun ohne viel Aufwand auf die Winterdienstfahrzeuge geladen werden.

Seit gut einem Jahr kommt es vermehrt vor, dass Bürger auf die Mitarbeiter des Bad Zwestener Bauhofs zugehen, die Männer anschreien und beleidigen (HNA berichtete). Matthias Otschenaschek, Bauhofleiter, findet diesen Umgangston unangemessen.

Bad Zwesten - Unzufriedenheit und Egoismus unter den Kurorteinwohnern hätten zugenommen. Immer häufiger werden Forderungen in ungehobelter Wortwahl an die Mitarbeiter des Bauhofs gestellt. Laut Otschenaschek sind es überwiegend ältere Personen, die sich im Ton vergreifen.

Er und seine Mitarbeiter müssten sich einiges gefallen lassen, auch Schimpfwörter wie „Blödmann“. Für konstruktive und berechtigte Kritik seien sie offen und bereit, die Arbeitsabläufe zu erklären. Wird ihnen der Ton jedoch zu rau, gehen Otschenaschek und seine Mitarbeiter den Anpöbeleien so gut es geht aus dem Weg.

Die einzelnen Vorfälle werden im Team besprochen, denn sie gehen nicht spurlos an den Männern vorüber. Mitarbeiter Martin Drescher nennt sie „Psycho-Stress“. Sie hinderten ihn und seine Kollegen daran, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

„Die Leute wollen uns sagen, wie und in welcher Reihenfolge wir unsere Arbeit machen sollen. Das ist aber nicht in Ordnung“, so Otschenaschek. Er und seine neun Voll- und Teilzeitmitarbeiter hätten jahrelange Erfahrung und wüssten, was sie tun. Auch würden beispielsweise Baumfällarbeiten von der Unteren Naturschutzbehörde beziehungsweise der Gemeinde genehmigt. „Wir wünschen uns mehr Verständnis und Toleranz. Wir wollen einfach in Ruhe unsere Arbeit machen“, sagt er.

Matthias Otschenaschek, Bauhofleiter.

Zugespitzt habe sich die Lage besonders Mitte Februar, als es ordentlich geschneit hatte. Otschenaschek erhielt einige Anrufe von wütenden Bürgern, weil beispielsweise die Schneemassen vor ihrer Haustür zu weit rechts oder links hingeschoben worden seien. Um die Fahrbahn freizubekommen, hätten die Bauhofmitarbeiter teilweise keine andere Wahl gehabt, als Autos und Bordsteinkanten zuzuschieben. Ein Anrufer habe gesagt: „Wenn ich rauskriege, wer Winterdienst gemacht hat, den schlachte ich.“ Solche Äußerungen gehen laut Otschenaschek gar nicht.

Die Mitarbeiter des Bauhofs mussten selbst, trotz der Schneemassen und Glatteis in den frühen Morgenstunden von ihrem Wohnort zu der Arbeitsstelle in Bad Zwesten kommen. An diesen Tagen waren Otschenaschek und seine Kollegen schon weit vor ihrem regulären Dienstbeginn, meist bereits ab 4.30 Uhr, und bis 22 Uhr im Einsatz. Die Bauhofmitarbeiter bemängeln, dass den Bürgern das Verständnis für die außergewöhnliche Situation gefehlt habe. „Wir hätten am besten überall um 6 Uhr sein sollen“, sagt Otschenaschek, was aber nicht möglich sei. Zum Glück gab es jedoch nicht nur Beschwerden, sondern auch positive Rückmeldungen. Viele Einwohner hätten die Mitarbeiter beim Winterdienst unterstützt und ihre Arbeit gelobt. (Christina Zapf)

Förderschnecke

Die Bauhofmitarbeiter Martin Drescher und Tim Süße haben über das Internet eine Förderschnecke erworben und sie aufgearbeitet. Sie erleichtere das Befüllen der Winterdienstfahrzeuge mit Salz enorm. Die Maschine war ein Schnäppchen: 50 Euro kostete das Gerät, neu liegt der Preis laut Otschenaschek bei 1500 bis 2000 Euro. Bezahlt hat der Bauhof die Förderschnecke mit Pfandgeld. Dieses stammt von bei der Arbeit gefundenen Pfand-Flaschen. (ciz)

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