Viel Herzblut in Sanierung von Haus und Garten

Eine Oase mitten in Bad Zwesten

Ein Gartenparadies: Ewald und Gitta Langer aus Bad Zwesten sanieren ein Fachwerkhaus, davor haben sie einen Bauerngarten angelegt. Fotos: Claudia Brandau

In Bad Zwesten hat das Ehepaar Langer eine kleine Oase in ihrem Garten erschaffen. Dieser grenzt an ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus inmitten des Kurortes. 

Die meisten Menschen kaufen ein Haus, machen es zurecht, ziehen ein und überlegen sich dann, was aus dem Garten werden soll. Bei Ewald und Gitta Langer aus Bad Zwesten war es genau umgedreht. Sie haben vor fünf Jahren ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus samt Grundstück mitten im Kurort gekauft, um dort einen Bauerngarten samt Hecken und Beeten anzulegen.

Das zugehörige Gebäude lassen Langers nun von Fachleuten aus der Region baubiologisch sanieren – doch das Herzblut der beiden gehört dem Garten, der Menschen, Bienen und Insekten gleichermaßen anzieht. Kaum ein Spaziergänger, der nicht staunend stehen bleibt, wenn er auf die vielen Gemüse- und Blumenbeete schaut, die eine große grüne Oase in der Hinterstraße bilden. Ein ungewöhnlicher Anblick in Zeiten, in denen viele Vorgärten einfach zugeschottert und gekieselt werden.

Blüht auch nach kalten Nächten: Die Gemswurz im Garten, aus dem man stets den Kirchturm sieht.

Langers haben weder Kosten noch Mühe gescheut, um Platz zu schaffen für den Garten. Sie haben zwei baufällige kleine Häuser nach Absprache mit der Denkmalschutzbehörde Stück für Stück abtragen lassen, so Licht, Luft, Platz geschaffen: „Der Baggerfahrer hat die Balken präzise wie mit einer Pinzette abgenommen“, berichten sie.

Baumaterialien wurden vom Hof gestohlen

Denn: Die alten Baumaterialien sollen bei der Renovierung des Fachwerkhauses wieder verwendet werden. Das sollten eigentlich auch die gehauenen Sandsteine, die vom Rückbau übrig waren. Mit ihnen, so der Plan, wollten Langers eine Mauer um den Garten legen. Doch die Steine lagen keine Nacht auf dem Hof, da waren sie gestohlen. Ewald Langer schüttelt noch heute den Kopf darüber, dass das möglich war, denn es handelt sich im Wortsinn um schweren Diebstahl: Die Steine bei Nacht weg zu wuchten muss harte Arbeit gewesen sein.

Ernst-Ulrich von Teubern kennt den Wert alter Materialien. Der Zimmermeister aus Dillich sichtet gerade den Zustand und die Bausubstanz des 200 Jahre alten Hauses, das von 1966 an mit Eternitplatten verkleidet war und erst seit Kurzem wieder seine alte Fachwerkfassade zeigt. Es handele sich um ein schön erhaltenes Gebäude, lobt von Teubern, der gerade Balken an der Giebelseite ausgetauscht hat: Der nicht fachgerechte Einbau eines Bades vor vielen Jahrzehnten hat seinen Tribut gefordert, Wasser hatte die alten Hölzer durchfaulen lassen.

Hat schon viele Balken ausgetauscht: Zimmermeister Ulrich von Teubern aus Dillich (links) und Professor Ewald Langer am Fachwerkhaus in der Hinterstraße.

Langfristig sollen drei Wohnungen im alten Gebäude entstehen: „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen“, sagen Langers, die selbst gleich im Haus nebenan wohnen. Damals, vor 17 Jahren, hatten sie das Nachbarhaus saniert. Dr. Gitta Langer stammt aus Bad Zwesten, lebte mit ihrem Mann lange in Tübingen und zog mit der Familie zurück, als Biologe und Ökologe Ewald Langer 2002 eine Hochschulprofessur an der Uni Kassel antrat.

Wohlfühl-Atmosphäre im alten, neuen Haus

Langers fühlen sich wohl in ihrem Haus in der Hinterstraße: Das ist schön, hat aber kaum Grundstück. Deshalb kam das Angebot, das direkt angrenzende Haus zu kaufen und dessen Nebengebäude abzutragen, genau richtig.

Wo es nach dem Abriss aussah wie auf einer Mondlandschaft, grünt und blüht es heute. Die 300 Bäumchen der Hainbuchenhecke müssen noch ein bisschen aus dem Quark beziehungsweise aus der Erde kommen, damit sie das Grundstück richtig dicht einfrieden.

Heimische Baufirmen in Coronakrise unterstützten

Dass das aber bald so sein wird, daran hat Dr. Gitta Langer, die bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen arbeitet und bei HessenForst beschäftigt ist, keinen Zweifel. Im Garten wächst alles, am Haus wird fleißig weiter gewerkelt: „Wir wollen die hiesigen Baufirmen in der Coronazeit unterstützen.“

Dass Bad Zwesten genau der richtige Ort zum Leben und Gestalten ist, daran haben sie keinen Zweifel: „Wir können praktisch in Hausschuhen zum Einkaufen gehen, von der Apotheke bis zum Zahnarzt liegt alles direkt vor der Tür.“

Noch direkter vor der Tür liegt der Garten. Und da trifft man Langers deutlich häufiger als in Hausschuhen auf der Hauptstraße.

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