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Gespräche am Gartenzaun: Betzigerode entstand rund um einen Gutshof

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Von: Christina Zapf

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Helga und Helmut Naumann. Er ist heute Ehrenortsvorsteher von Betzigerode. Helmut Naumann war an vielen Bauprojekten im Ort beteiligt.
Helga und Helmut Naumann. Er ist heute Ehrenortsvorsteher von Betzigerode. Helmut Naumann war an vielen Bauprojekten im Ort beteiligt. © Christina Zapf

Jeder Ort im Kreisteil hat etwas zu bieten. Ob jahrhundertealte Geschichte, lustige Anekdoten oder eindrucksvolle Vereine. Für unsere „Gespräche am Gartenzaun“ waren wir in Betzigerode unterwegs.

Betzigerode - Trotz Hitze haben sich einige Einwohner aus Betzigerode am Dorfgemeinschaftshaus (DGH) eingefunden. Unter ihnen: Feuerwehrfrau Franziska Becker, Ortsvorsteher Bernd Meier, seine Mutter Rosalinde Meier, Edelgard Opfer, sie ist Vorsitzende der Landfrauen Betzigerode, und ihr Mann Martin. „Er ist unser wandelndes Geschichtsbuch“, sagt Bernd Meier. Dass der Ortsvorsteher recht hat, wird sich während des kleinen Ortsrundgangs zeigen.

Martin Opfer vor der ehemaligen Kapelle des Gutshofs. Der Senior hat ein Faible für Geschichte.
Martin Opfer vor der ehemaligen Kapelle des Gutshofs. Der Senior hat ein Faible für Geschichte. © Christina Zapf

Auch Helga Naumann und ihr Mann Helmut haben sich eingefunden. Sie sind mit ihren 87 Jahren laut Bernd Meier die beiden ältesten Einwohner von Betzigerode. Helmut Naumann war lange Zeit Ortsvorsteher des Bad Zwestener Ortsteils. Heute darf er sich Ehrenortsvorsteher nennen. Auch Elke Voigt, stellvertretende Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Betzigerode, und Ortsbeiratsmitglied Stefan Arndt sind gekommen.

Die meisten von ihnen sind vor Jahren zugezogen – beispielsweise aus Bad Zwesten und Gudensberg. Helmut Naumann, Elke Voigt und Rosalinde Meier haben sich der Liebe wegen in Betzigerode niedergelassen. Franziska Becker und Bernd Meier hingegen wohnen schon ihr Leben lang dort – die 30-Jährige sogar trotz Ausbildung und Studium. Becker ist im Ort verwurzelt. Seit ihrem zehnten Lebensjahr ist sie in der Freiwilligen Feuerwehr Betzigerode.

Betzigerode: Dorfgemeinschaftshaus ist der Mittelpunkt des Orts

726 Jahre gibt es Betzigerode schon. 1296 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Anlässlich des 700. Geburtstags 1996 fand eine große Feier im Dorf statt. Das 725-jährige Bestehen von Betzigerode im vergangenen Jahr hingegen wurde wegen Corona nicht gefeiert.

„Das Dorfgemeinschaftshaus ist der Mittelpunkt des Orts“, sagt Martin Opfer. Er ist Mitglied im Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins Bad Zwesten. Aus dem Effeff weiß er jede Menge historische Fakten zu seiner Wahlheimat. Etwa, dass sich im heutigen DGH-Gebäude ab 1912 die Neue Schule befand. Das Haus gegenüber, die Alte Schule, wurde bis 1977 als Poststelle genutzt. Einen Gemischtwarenhändler gab es bis 1971 im Ort. Die letzte Gaststätte wurde laut Opfer 1974 geschlossen.

Vor dem Feuerwehrgerätehaus Bernd Meier und Franziska Becker.
Sind beide bei der Feuerwehr: Vor dem Feuerwehrgerätehaus Bernd Meier und Franziska Becker. © Christina Zapf

Im gleichen Jahr öffnete in dem Gebäude der Neuen Schule der erste Kindergarten der Gemeinde Zwesten seine Türen. Seit 1992 befindet sich in dem Haus nach einem Umbau durch die Einwohner das Dorfgemeinschaftshaus. „Wenn etwas ist, spielt es sich hier ab“, sagt Bernd Meier mit Blick auf den Platz dahinter. So etwa das Oktoberfest. An dessen Stelle findet in einer Woche jedoch das Sommerfest statt. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Gemeinde.

Sommerfest am 3. September

Betzigerode feiert das 50-jährige Bestehen der Gemeinde Bad Zwesten. Im Zuge der Gebietsreform wurde Betzigerode am 31. Dezember 1971 nach Zwesten eingemeindet. Am Samstag, 3. September, laden der Ortsbeirat und die Feuerwehr Betzigerode am Feuerwehrgerätehaus zu einem Sommerfest ein.
Das Programm:
- Ab 16.30 Uhr können sich Interessierte zum Tauziehen anmelden (Gruppengröße fünf Personen, maximal zwölf Gruppen).
- Um 17 beginnt das Tauziehen im Turniermodus. Es folgt ein gemütlicher Abend. (ciz)

Betzigerode: Einwohner haben für Geschwindigkeitsmesser gespendet

Am Scherengraben steht unerschütterlich eine alte Eiche – obwohl sie innen hohl ist. „In ihr haben schon Generationen von Kindern gespielt“, sagt Arndt.

Im Hintergrund steht die alte, innen hohle Eiche: von links Ortsvorsteher Bernd Meier und Ortsbeiratsmitglied Stefan Arndt.
Im Hintergrund steht die alte, innen hohle Eiche: von links Ortsvorsteher Bernd Meier und Ortsbeiratsmitglied Stefan Arndt. © Christina Zapf

Im Garten von Elke Voigt wächst durch einen Zufall Hopfen. „Ich hege und pflege ihn“, sagt Voigt. Bier habe sie damit zwar noch nicht gebraut, aber sie trocknet ihn für Duftkissen.

Der Gutshof, dessen Herrenhaus heute noch steht, befand sich zwischen 1786 und 1960 im Eigentum der Familie von Heßberg. Mehrere Mitglieder sind in einer heute zugewucherten Gruft unweit des Herrenhauses begraben. Mehrmals wurde das Erbbegräbnis aufgebrochen und die Grabbeigaben entwendet. 

An den beiden Ortseingängen stehen Geschwindigkeitsmesser. Diese haben die Einwohner selbst finanziert. Der Grund für die Anschaffung: Nach der Sanierung der Ziergartenstraße 2020 sei diese trotz geringerer Breite als zuvor zur Rennstrecke geworden, so Voigt.

Elke Voigt hegt und pflegt den Hopfen, der in ihrem Garten wächst.
Elke Voigt hegt und pflegt den Hopfen, der in ihrem Garten wächst. © Christina Zapf

Betzigerode: Rund 200 Menschen leben in dem Bad Zwestener Ortsteil

Rund 200 Menschen leben laut Bernd Meier heute in Betzigerorde. Unter ihnen seien inzwischen auch wieder mehr junge Leute, fügt Becker hinzu. Alle Zugezogenen, die zu den Gesprächen am Gartenzaun gekommen sind, haben sich gut in Betzigerode eingelebt und bringen sich im Ort ein. „Es stand viel Arbeit an“, sagt Helmut Naumann, der vor 64 Jahren zuzog, rückblickend. Darunter der Bau der Friedhofshalle, der Umbau des DGH, der Bau des Spielplatzes dahinter, der Bau des Feuerwehrgerätehauses.

„So ein kleiner Ort lebt vom Engagement seiner Einwohner“, sagt Becker. Vieles sei deren Eigenleistung zu verdanken. Zwei Vereine, die Freiwillige Feuerwehr und die Landfrauen gibt es noch. „Früher gab es auch einen Gesangsverein“, sagt Helmut Naumann. (Christina Zapf)

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