„Sie liegen im Sozialverhalten vorne und sind selbstbewusst"

Kita in Bad Zwesten will keine Klischees akzeptieren

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Sie gehen den Dingen auf den Grund: Die Mädchen und Jungen des Kindergartens „Die Wühlmäuse“ in Bad Zwesten sollen forschen und experimentieren. Dabei spielt ihr Geschlecht keine Rolle. Unser Bild zeigt sie mit Leiterin Kathrin Thomas (hinten) und Bad Zwestens Bürgermeister Michael Köhler  (rechts) .

Der Kindergarten in Bad Zwesten hat sich auf die Fahne geschrieben, Klischees den Kampf anzusagen. Und die Kinder profitieren von dem freien Umfeld. 

Mädchen dürfen nicht mit Technik experimentieren und Jungs nicht mit Puppen spielen. Wer in solchen Rollenbildern denkt, ist beim Kindergarten „Die Wühlmäuse“ falsch. „Bei uns dürfen Mädchen und Jungen ausprobieren, wozu sie Lust haben“, sagt Kathrin Thomas. Die Leiterin des Bad Zwestener Kindergartens legt Wert darauf, dass die Kinder unabhängig von Geschlecht und Alter gleich gefragt und gefordert werden.

Dieses Engagement wurde jetzt Schwarz auf Weiss bestätigt: Der Kindergarten ist Teil der Initiative „Klischeefrei“. Für Thomas ist das eine Anerkennung. „Wir werden mit unserer Arbeit wahrgenommen.“

Es ist eine Arbeit, die für die Erzieherinnen längst Alltag ist. Kinder dürfen bei den Wühlmäusen sein, wie sie sind. „Wenn nicht hier, wo sonst?“, fragt Kathrin Thomas, die den Kindergarten seit 2009 leitet. Neues entdecken, Dinge ausprobieren: Das sollen die Kinder in der Einrichtung. Es gibt einen Forscherraum, dort finden die Mädchen und Jungen Globus, Mikroskop und mehr. Dort gehen sie den Dingen auf den Grund.

Haus der kleinen Forscher

Seit 2013 darf sich der Kindergarten „Haus der Kleinen Forscher“ nennen. Inzwischen tragen mehrere Kindergärten im Landkreis diesen Titel. Die Wühlmäuse waren damals die Ersten. Zuletzt beschäftigten sich die 30 Kinder der Einrichtung mit dem Weltall. „Die Mädchen waren Feuer und Flamme für dieses Thema“, berichtet Thomas. Es wäre fatal, die Mädchen bei solchen Themen auszuschließen – nur weil sie Mädchen sind.

Bei den Wühlmäusen gibt es auch kein Falsch, wie die Leiterin sagt. Wenn etwas beim Experimentieren nicht klappt, „gehen wir zusammen eine Stufe zurück und betreiben Ursachenforschung“. Die Einstellung zieht sich wie ein roter Faden durch den Alltag. Eltern und Erzieher tragen dies mit. „Ohne die funktioniert es auch nicht“, ist sich die 40-jährige Thomas sicher.

Rückendeckung gibt es auch von der Gemeinde. Bürgermeister Köhler schätzt die Arbeit bei den Wühlmäusen. Es ist wichtig, den Kindern Rüstzeug für die künftigen Herausforderungen an die Hand zu geben“, erklärt er. Dieses Rüstzeug bedeutet vor allem Selbstvertrauen. Nach ihrer Zeit bei den Wühlmäusen wechseln sie gestärkt auf die Grundschule. „Sie liegen im Sozialverhalten vorne und sind selbstbewusst. Sie gehen zu den Lehrern und stellen Fragen“, nennt Thomas die Erfolge. Kinder hätten das Recht zu hinterfragen. Sie sollen es sogar. Nicht frech, aber der kindlichen Neugierde entsprechend. Die stecke schließlich in den Kindern – in den Jungen ebenso wie in den Mädchen. 

Die bundesweite Initiative

Mädchen und Jungen sind vielfältig. Sie sollen einen Beruf finden, der zu ihren Stärken, Interessen und ihrer Lebensplanung passt – frei von Geschlechterklischees. Dafür setzt sich die von den Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufene Initiative Klischeefrei ein. Unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender, der Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, vereint die Initiative bundesweit Akteure aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung. Sie bietet jährliche Fachtagungen sowie das Internetportal www.klischee-frei.de. Die Partnerschaft in der Initiative ist kostenlos.

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