Klimaschutzpreis für die Schaffung von speziellen Blühflächen

Landwirte aus Bad Zwesten retten Rebhühner

Haben den Klimaschutzpreis bekommen: Philipp Rudolph und Matthias Michel auf einer winterlichen Blühwiese. Die Fläche gehört Stefan Süße, der sich ebenfalls beteiligt.
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Haben den Klimaschutzpreis bekommen: Philipp Rudolph und Matthias Michel auf einer winterlichen Blühwiese. Die Fläche gehört Stefan Süße, der sich ebenfalls beteiligt.

Bad Zwestener Landwirte haben zum Erfolg eines Rebhuhnprojekts beigetragen. Dafür hat ihnen der Landkreis den Klimaschutzpreis in der Kategorie „Gewerbebetriebe“ verliehen. Das Preisgeld beträgt 1500 Euro.

„Der Klimaschutzpreis stellt eine große Wertschätzung seitens des Schwalm-Eder-Kreises gegenüber den Aktivitäten von uns Landwirten im Bereich Natur- und Artenschutz dar“, sagt Matthias Michel, Landwirt aus Bad Zwesten. Er hatte die Bewerbung eingereicht.

Das Projekt

Seit 2018 gibt es das Feldflurprojekt zum gezielten Schutz der Rebhühner. Deren Bestände sind laut Mitteilung in ganz Europa dramatisch zurückgegangen. Vielerorts sei das Rebhuhn bereits seit Jahrzehnten ausgestorben. Geschuldet sei dies vor allem dem Verlust von Hecken, Feldgehölzen, Brachen, Rainen und Säumen. Dies geschah meist bei der Zusammenlegung von Flächen zu größeren Bewirtschaftungseinheiten.

Die Beteiligten

Elf Landwirte beteiligen sich inzwischen am Rebhuhnprojekt in Bad Zwesten. Sie haben auf einem Teil ihrer Ackerflächen nun mehrjährige Blühflächen für Feldvögel angelegt und unterstützen so den Biotop- und Artenschutz. Laut Andrea Imhäuser, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, erhalten die Beteiligten einen finanziellen Ausgleich aus dem hessischen Agrarumweltprogramm HALM für die Ackerflächen, die sie ins Projekt einbringen. Auf diese Weise werden ihnen Verdienstausfall und zusätzlich erhöhte beziehungsweise besondere Aufwände ausgeglichen. „Verdienen tun sie nichts“, so Imhäuser.

Auch die Gemeinde Bad Zwesten hat, um ihren Teil zum Rebhuhnprojekt beizutragen, ihr Mäh- und Mulchverhalten entlang von Wegen, Säumen und sonstigen Gemeindeflächen reduziert, beziehungsweise zeitlich nach hinten verschoben.

Die Blühflächen

Rebhuhn-Blühflächen entsprechen in ihrer Funktion blütenreichen Brachen, wie sie früher fester Bestandteil der Fruchtfolge waren. Jeweils jährlich wird nur auf der Hälfte der Fläche eine flache Bodenbearbeitung mit direkter Einsaat der Blühmischung vorgenommen, die andere Flächenhälfte und ihr Aufwuchs bleiben unberührt.

Laut Michel bietet das hohe Gras den Rebhühnern Deckung und schützt diese so vor Feinden wie etwa dem Habicht. Auf den Blühbrachen kämen weder Pflanzenschutz- noch Düngemittel zum Einsatz. Dieser Verzicht spare nicht nur Ressourcen, sondern schone auch das Grundwasser und fördere den Humusaufbau im Boden.

Der Erfolg

Heute gibt es laut Michel zwischen Jesberg, Bischhausen und Kerstenhausen auf 30 Hektar Ackerland mehrjährige, strukturierte Blühflächen. Von den zu Beginn nachgewiesenen acht Rebhuhn-Revieren ist der Bestand 2020 auf 50 Reviere angewachsen. Laut Imhäuser liegt bereits ein neuer Monitoring-Bericht vor, die Zahlen würden demnächst veröffentlicht – sie seien „phänomenal“.

„Wir hoffen am Rand des Projektgebietes Richtung Jesberg und Kerstenhausen noch Flächen dazuzugewinnen“, so Philipp Rudolph, Landwirt aus Niederurff. Doch nicht jeder Acker eigne sich. Die Fläche dürfe weder am Waldrand liegen, noch von Hecken umgeben sein. Diese Umgebung mögen die Feinde des Rebhuhns.

Das Feldflurprojekt wird inzwischen von elf Landwirten unterstützt. Zu ihnen gehören: Stefan Süße, Volprecht von Gilsa, Wernher von Löwenstein, Manfred Trümmer, Erwin Heer, Karl-Heinz Ziegler, Philipp Rudolph, Karl-Hermann Rininsland-Schröder, Matthias Michel, Jörg Weinhausen, Lukas Häusling und Stefan Schnegelsberg. 

Von Christina Zapf

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