Einzigartiges geologisches Phänomen in Bad Zwesten 

Löwe soll wieder sprudeln: Bad Zwestener Mineralquellen suchen einen Investor 

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Damals gab es noch das Mineralwasser in Flaschen aus dem Kellerwald: Unser Archivfoto zeigt die Abfüllanlage des Löwensprudels Bad Zwesten im Jahr 2002. Der Betrieb steht aber seit Jahren still.

Leer und verlassen stehen die Gebäude des Löwensprudels am Rande des alten Kurparks von Bad Zwesten. Die Stadt sucht dringend einen Investor, an Nachfragen mangelt es dabei nicht. 

Wo einst Flaschen klapperten und Sprudelkisten auf Lastwagen verladen wurden, herrscht Ruhe. Und das seit einigen Jahren. Denn nach der Insolvenz des letzten Betreibers hat sich kein neuer Investor gefunden, der den Löwensprudel wieder zum Sprudeln bringt.

„Die Neubelebung gestaltet sich schwierig“, sagt Bürgermeister Michael Köhler. Einer der Gründe liege am Kaufverhalten und den Preisen für Mineralwasser. „Die Kunden bevorzugen preisgünstiges Wasser im Discounter, und da kann unser Löwensprudel nicht mithalten.“ Denn die Verkaufspreise lägen unter den Herstellungskosten, die in Bad Zwesten anfallen. Dazu kommt die geringe Menge Wasser, die dort abgefüllt wird. In Spitzenzeiten seien es bis zu zwölf Millionen Flaschen gewesen, eine durchaus stattliche Menge, die aber nicht konkurrenzfähig ist, sagt Köhler.

Dabei war das Mineralwasser des Löwensprudels ein Aushängeschild der Kurgemeinde, die Wiege des Tourismus in Bad Zwesten und ein guter Werbeträger. Seit 1922 wurde der Mineralbrunnen wirtschaftlich genutzt. Geliefert wurde damals nicht nur im Umkreis, sondern bis ins Hotel Adlon, wie eine Rechnung belegt, die im Museum einzusehen ist.

Unter dem Namen „Zwestener Löwensprudel“ florierte zunächst das Geschäft. Doch 2005 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Im Folgejahr übernahm die Diakoniegesellschaft Baunataler Werkstätten den Betrieb. Nur sechs Jahre später wurde der Betrieb im Frühjahr 2011 eingestellt. 

Das Trinkhäuschen der Heilquelle auf dem Löwensprudelgelände ist noch offen. Die Abfüllanlage in unmittelbarer Nähe hat seit Jahren geschlossen.

Das Defizit war auf Dauer nicht tragbar, begründete damals die Baunataler Diakonie die Schließung des Integrationsbetriebs. Rettung für den Löwensprudel sollte ein Trend-Getränk, der Bubble-Tea, bringen. Dr. Peter Schiewk aus Baden-Württemberg kaufte das insolvente Unternehmen und die Nutzungsrechte an drei Mineralwasserquellen. Neben dem traditionellen Sprudel sollte das damalige Kultgetränk Bubble-Tea hergestellt und vermarktet werden.

Das Unternehmen hatte sich die Rechte für das Abfüllen von Bubble-Tea für Deutschland und Europa gesichert. Einem lohnenden Geschäft und dem Aufstieg des Zwestener Löwensprudels als Regionalmarke schien nichts im Wege zu stehen. Doch die rapide sinkende Nachfrage ließ dem Bubble-Tea die Blasen ausgehen. Das Unternehmen scheiterte. Ebenso der Versuch der „Zwestener Löwensprudel GmbH & Co. KG Heil- und Mineralbrunnen“, auf dem Markt Fuß zu fassen. Die Episode endete 2015 mit der Insolvenz. Seitdem stehen die Gebäude leer und Waschbären nehmen sie zum Leidwesen von Bürgermeister Köhler mehr und mehr in Besitz.

„Wir suchen dringend einen Investor, der möglichst Erfahrung aus der Wasserbranche mitbringt“, sagt Köhler. Denn der Löwensprudel sorge für Arbeitsplätze und die Stabilität des Wasserpreises der Kurgemeinde. Ein Problem für einen Investor seien die Auflagen, die aufgrund der geologischen Besonderheit erteilt werden. Dennoch habe es an Nachfragen nicht gemangelt. Doch bislang sei noch nicht der Richtige dabei gewesen.

Sieben verschiedene Quellen auf engstem Raum

Im Kurpark Löwensprudel entspringen auf nicht einmal 2,5 Hektar fünf Mineral- und zwei Süßwasserquellen. Das geologische Phänomen ist europaweit einzigartig. Bekannt ist das Heilwasser „Zwestener Löwenquelle“, dazu kommen das Mineralquellwasser „Löwensprudel“, der Mineralbrunnen Kellerwaldquelle und ein Mineralbrunnen, der für die Herstellung von Limonaden geeignet ist. 

Bad Zwesten verfügt über die Heilquelle und gewinnt 60 Prozent des Trinkwassers auf diesem Areal. Die erste dokumentarische Erwähnung der Quelle findet sich auf einer Landkarte von 1769. Die erste Quellfassung erfolgte 1914; von 1922 bis 2010 wurde die Quelle wirtschaftlich genutzt. Für Bürgermeister Michael Köhler ist die Heilquelle eine „24 Stunden geöffnete Naturapotheke, deren Heilmittel kostenfrei und ohne Nebenwirkungen abgegeben werden“.

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