Aus für Rewe-Neubau

Torsten Kehr bemängelt fehlendes Konzept für den Ortskern

Kaufmann Torsten Kehr, Rewe-Betreiber, hätte sich eine bessere Perspektive in Bad Zwesten gewünscht. Er beschäftigt dort 35 Mitarbeiter.
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Kaufmann Torsten Kehr, Rewe-Betreiber, hätte sich eine bessere Perspektive in Bad Zwesten gewünscht. Er beschäftigt dort 35 Mitarbeiter.

Torsten Kehr, Betreiber der Rewe-Märkte in Bad Zwesten, kritisiert das Aus für den Rewe-Neubau und bemängelt, dass ein Konzept für den Ortskern fehlt.

Das Parlament hat den Rewe-Neubau abgelehnt, doch die Diskussionen darüber gehen weiter. Torsten Kehr ärgert sich, dass es mit dem Rewe-Neubau nicht geklappt hat. Seit 1997 betreibt er die Rewe-Märkte im Kurort – einen Lebensmittel- und einen Getränkemarkt. Auch den neuen Supermarkt wollte er führen. Doch nun fehlt dem Kaufmann die nötige langfristige Perspektive für den Fortbestand seiner Offenen Handelsgesellschaft (OHG), in die seine Tochter Marie-Theres Ansari zum 1. Oktober miteingestiegen ist.

Zumindest eine gute Nachricht gibt es: „Die Mitarbeiter müssen sich aktuell keine Sorgen machen“, sagt Kehr. Denn Rewe hat nicht nur den Mietvertrag in Bad Zwesten bis 2026 verlängert, ab 1. Dezember betreibt Kehr auch den Rewe-Markt in Neuental. Dort habe er bessere Perspektiven und der Gebäudeeigentümer sei offen für eine Erweiterung und Investitionen.

Rewe-Neubau: Torsten Kehr hätte sich eine öffentliche Diskussion gewünscht

„Es hätte an der einen oder anderen Stelle anders laufen müssen“, sagt Kehr über die Phase vor der Entscheidung über den Rewe-Neubau. Der 60-Jährige hätte sich eine öffentliche Diskussion gewünscht und sein Konzept auch den Bürgern und nicht nur den Fraktionen vorgestellt. Er kritisiert das Vorgehen des Initiativkreises, dessen Mitglieder sich laut Sprecher Heinrich Haupt mit ihren Bedenken gegenüber dem Rewe-Vorhaben nur an den Bürgermeister und die Parlamentarier wandten.

Außerdem fehle dem Initiativkreis laut Kehr ein Konzept für die Stärkung des Ortskerns, für die er eintritt. „Wo ist die Zukunftsvision von Herrn Haupt und seiner Gefolgschaft?“, fragt er. Der 60-Jährige hätte mit dem Neubau gerne die Lebensmittelversorgung im Kurort für weitere 15 Jahre sichergestellt – unter anderem auch mit einem Lieferservice: Davon hätten laut Kehr auch die Ortsteile profitiert.

Trotz Aus von Rewe-Neubau: Angst um Ortskern ist berechtigt

Die Angst um den Ortskern hält er für berechtigt. „Man muss die Geschäfte dort schützen“, sagt er. „Das wie ist die Frage.“ Überhaupt fehle es in der Gemeinde an einer Vision dafür, wo es hingehen soll. Die Ablehnung des Rewe-Neubaus alleine rette nicht den Ortskern. „Dieser muss sich aus sich heraus stärken und sich zukunftsorientiert aufstellen.“ Bisher hätten sowohl die Rewe-Märkte als auch der Einzelhandel im Ortskern gut parallel existiert, sich eher gegenseitig gestärkt, als sich die Kunden wegzuschnappen.

Das Argument der Neubau-Gegner, dass der geplante Markt die Kaufkraft vom Ortskern abgezogen hätte, sei rein hypothetisch. „Der neue Rewe hätte mehr Kunden nach Bad Zwesten gelockt“, sagt Kehr. Seiner Meinung nach hätten viele weiterhin auch die Geschäfte im Ortskern aufgesucht.

Derzeit kämen jeden Tag durchschnittlich 1250 Kunden in die beiden Rewe-Märkte. 60 Prozent von ihnen stammten nicht aus Bad Zwesten. „Diese Zahlen kennen auch die Entscheider“, sagt Kehr. Um Zuzug nach Bad Zwesten zu generieren, braucht es moderne Einkaufsmöglichkeiten, glaubt er. „Junge Menschen wollen Sushi kaufen.“

Nach Aus für Rewe-Neubau: Derzeitige Gebäude eigenen sich nicht für modernen Markt

Das neue Rewe-Gebäude wäre rund 200 Meter von den vorhandenen entstanden und hätte maximal über 200 Quadratmeter mehr an Verkaufsfläche verfügt. „In einem alten Objekt kann kein moderner Lebensmittelmarkt betrieben werden“, sagt Kehr. Den letzten größeren Umbau habe es 2013 gegeben. Dass Rewe den Mietvertrag mit den Gebäudeeigentümern um drei Jahre verlängert hat, biete keine ausreichende Basis für notwendige Investitionen.

„Wenn die Kältemittelanlage kaputt geht, dann habe ich ein Problem“, sagt Kehr. Der Neubau wäre auf dem neuesten Stand gewesen –hätte unter anderem über Solarenergie und Wärmerückgewinnung verfügt. Reparaturen wären vorerst keine angefallen.

Um einen Leerstand der bestehenden Rewe-Gebäude – ein Argument, das gegen den Neubau sprach – hätten sich die Eigentümer laut Kehr keine Sorgen machen müssen. Bei ihm hätten sich Interessenten gemeldet, die die Gebäude gerne gekauft oder gemietet hätten. Beispielsweise für ein Medizinisches Versorgungszentrum.

Rewe-Neubau: Es gab keinen Ruf nach einem neuen Markt

„Bevor das Thema aufkam, gab es in Bad Zwesten keinen Ruf nach einem modernen Laden“, sagt Heinrich Haupt, der sich aus dem Nichts vor vollendete Pläne gestellt fühlte. Vor allem die Nachnutzung der bestehenden Rewe-Gebäude hätte sich negativ auf den Ortskern ausgewirkt. Denn was auch hineingekommen wäre, etwa ein Medizinisches Versorgungszentrum, hätte mit dem Rewe-Neubau den Schwerpunkt vom Ortskern an den Ortsrand verlagert, so seine Bedenken.

Weitere Stimmen zum Aus für den Rewe-Neubau sind in der HNA-Print-Ausgabe zu finden. (Christina Zapf)

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