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NVV: Mehr Mobilität für Geflüchtete mit übersetzter Fahrplanauskunft

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Von: Christina Zapf

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In der Kupferhütte in Wenzigerode, einst Restaurant und Pension, leben derzeit zwischen 30 und 40 Geflüchtete.
In der Kupferhütte in Wenzigerode, einst Restaurant und Pension, leben derzeit zwischen 30 und 40 Geflüchtete. © Christina Zapf

Für Geflüchtete, beispielsweise aus der Ukraine, sind fehlende Sprachkenntnisse oft eine Hürde. Diese möchte der NVV nun beseitigen und übersetzt die Fahrplanauskunft.

Wenzigerode – In der Gemeinde Bad Zwesten sind seit 2022 74 Geflüchtete angekommen. Hintergrund ist der Krieg in der Ukraine. Zum Vergleich: 35 Menschen waren es im gesamten Zeitraum von 2015 bis 2021. Derzeit leben in der ehemaligen Kupferhütte in Wenzigerode, einst Restaurant und Pension, zwischen 30 und 40 Geflüchtete, so Bürgermeister Michael Köhler. Sie stammen alle aus der Ukraine.

Indem die Geflüchteten im abseits gelegenen Ortsteil der Gemeinde untergebracht sind, müssen sie, wenn sie über kein Auto verfügen, einen rund vier Kilometer langen, steilen Fußweg auf sich nehmen, um beispielsweise einkaufen zu gehen.

Neben dem Bus 407 steuern auch Anrufsammeltaxis (AST) Wenzigerode an. Die Fahrt mit diesem öffentlichen Verkehrsmittel des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) müssen die Geflüchteten jedoch vorab buchen. Allerdings sind sowohl für einen Anruf als auch für eine Anmeldung für die Fahrt via NVV-App oder die NVV-Fahrplanauskunft im Netz entsprechende Sprachkenntnisse essenziell. Da diese oft fehlen, könnten viele Ukrainer das AST-Angebot nicht nutzen, berichtet Köhler. Er hat zur Problematik Kontakt mit dem NVV aufgenommen.

Ins Ukrainische übersetzte Fahrplanauskunft inklusive AST-Buchungsmöglichkeit

„Wir sind aktuell dabei, das Problem zu lösen und arbeiten bereits an der Umsetzung“, teilt Sabine Herms, Pressesprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV), auf HNA-Anfrage mit. Ziel sei, den geflüchteten ukrainischen Menschen eine ins Ukrainische übersetzte Fahrplanauskunft inklusive AST-Buchungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen.

„Dieser Lösungsweg hat den Vorteil, dass auch Hinweise zu Beeinträchtigungen im ÖPNV ins Ukrainische übersetzt würden“, so Herms. Zusätzlich soll ein Info-Flyer in ukrainischer Sprache erstellt werden, um das Angebot und den Buchungsprozess zu erklären. Darüber hinaus wolle der NVV weitere Sprachen in der Fahrplanauskunft anbieten, damit neben den Ukrainern auch andere Personengruppen den öffentlichen Personennahverkehr möglichst barrierefrei nutzen können.

„Aktuell gehen wir davon aus, dass wir mit der Fahrplanauskunft in ukrainischer Sprache in diesem Monat beginnen können und zeitnah nach Startphase in Nordhessen darüber informieren“, sagt die Pressesprecherin des NVV. Das betreffe dann auch die genannten Menschen in Wenzigerode. Der Bürgermeister von Bad Zwesten sei bereits informiert. „Ich bin mit der Antwort sehr zufrieden, da jetzt ein baldige Lösung absehbar ist“, so Köhler.

Zwei Unterkünfte für Geflüchtete in der Gemeinde Bad Zwesten

In der Gemeinde wurde neben der ehemaligen Kupferhütte in Wenzigerode noch eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge bereitgestellt. Diese hätte eigentlich schon im Februar in Betrieb gehen sollen. Da es jedoch bislang am Brandschutzkonzept fehlt, rechnet der Bürgermeister nun frühestens im Juni mit einer Belegung. Die Liegenschaft in Oberurff-Schiffelborn bietet Platz für 59 Personen und wird vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. Sie befindet sich in einem Gebäude, das in der Vergangenheit der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) gehörte und das der neue Eigentümer dem Schwalm-Eder-Kreis für die Unterbringung geflüchteter Menschen angeboten hat.

Auch für die Flüchtlingsunterkunft in Wenzigerode, die sich in Privateigentum befindet, wünscht sich Köhler einen externen Betreiber. Die Vorteile seien unter anderem mehr Mobilität, mehr Hilfe bei der Integration und erfahrene Ansprechpartner für die Geflüchteten. Bislang konnte erreicht werden, dass der Landkreis ein Stundenkontingent von drei (Betreiber)Stunden pro Woche zur Verfügung stellt, teilt der Bürgermeister mit. (Christina Zapf)

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