Tiere sollen wieder im Schwalm-Eder-Kreis angesiedelt werden

Das Rebhuhn retten: Bad Zwestener gründen Initiative

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Vom Aussterben bedroht: Mit diesen quirligen Kücken hat man alle Hände voll zu tun.

Bad Zwesten. Der Bestand an Rebhühnern ist seit 1980 um 95 Prozent gesunken, sagt Stefan Stübing, Ornithologe und faunistischer Fachexperte. Auch im Landkreis gebe es nur noch wenige Exemplare des einst sehr weit verbreiteten Tieres.

Grund für den Rückgang sei die intensive Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. Rund um Bad Zwesten bildet sich derzeit eine kreisweite Initiative, die gezielt Rebhühner ansiedeln will.

Grundstock dafür sind die im vergangenen Jahr von Vera Grenner aufgezogenen Rebhühner. Beim Mähen eines Feldes hinter dem Biohof Häusling in Oberurff war eine Rebhuhn-Henne getötet worden und man hatte das Nest mit den Eiern gefunden. Grenner kümmerte sich um die Küken. Sie nahm Kontakt mit den Göttinger Wissenschaftlern Werner Beeke und Dr. Eckhard Gottschalk auf. Diese hatten bereits 2005 ein Projekt zum Schutz des Rebhuhns initiiert. Auf spezielle Blühflächen auf den Feldern rund um Göttingen siedelten sie dort gezielt Rebhühner an.

Robuste Art

Das Rebhuhn sei eigentlich eine robuste Art, eine Henne lege über 20 Eier. Dennoch überlebten viele Tiere nicht. Ein Grund für das drohende Aussterben der Art seien der Fuchs und der Habicht als deren natürliche Feinde.

Seltene Tiere: Vera Grenner mit den Tieren, die sie aufgezogen hat. Neben ihr der Ornithologe Stefan Stübing.

Die Lösung zum Erhalt der Rebhühner liege in der Anlage von speziellen Blühflächen in den bewirtschafteten Flächen. Sie könnten als Randstreifen am Acker oder mitten im Feld angelegt werden. Die Göttinger Wissenschaftler haben eine spezielle Mischung entwickelt, Mohnblumen, Sonnenblumen und Wicken sind darin enthalten. Das sei zwar umständlich für die Landwirte, für die Erhaltung der Art aber effektiv, sagte Herrmann Häusling für die Initiative. Das hätten die Studien der beiden Göttinger Forscher ergeben. Von den Erfahrungen will nun die gegründete Initiative, Schutz von Rebhuhn, Feldlerche und Co. im Schwalm-Eder-Kreis profitieren.

In den kommenden Wochen wird die Familie Häusling rund um ihren Hof erste Blühflächen anbauen. Zwei Volieren sollen aufgestellt werden, in denen Rebhühner gezüchtet werden. Auch Vera Grenner wird ein Pärchen bei der Aufzucht betreuen. Die Nachkommen sollen dann in den angelegten Blühfeldern ausgewildert werden, sagte Herrmann Häusling. Ziel der Aktion sei es, 100 Blühflächen zu errichten. Es gebe dafür finanzielle Unterstützung. Das Projekt sei zunächst auf drei Jahre angelegt, mit Option auf Verlängerung bei Erfolg.

Kontakt und Information: h-haeusling@t-online.de

Hintergrund: Nur noch 3000 Rebhühner in Hessen

„Rebhühner sind drastisch vom Aussterben bedroht“, sagt Stefan Stübing. Allein in Hessen gebe es nur noch 3000, bundesweit schätzt man den Bestand auf 50.000. Anfang der 1980er Jahre seien es noch 800.000 Exemplare gewesen. Das Tier stehe auf der Roten Liste und werde nicht mehr bejagt, um die Art nicht noch weiter zu dezimieren. Rebhühner ernährten sich in den ersten Lebensmonaten vorwiegend von Würmern. Davon gebe es wegen des Einsatzes der Spritzmittel in der Landwirtschaft immer weniger. Dazu verschwänden die Brutplätze in Hecken, Feldrainen und Brachen. (zty)

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