Ab Windstärke 6 ist die Praxis voll

Stefan Pollmächer aus Niederurff berichtet über seine Abenteuer als Schiffsarzt

Acht Wochen war Stefan Pollmächer aus Niederurff Schiffsarzt auf der MS Europa von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Auf ihr kümmerte er sich um die Gesundheit von Crew und Passagieren.
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Acht Wochen war Stefan Pollmächer aus Niederurff Schiffsarzt auf der MS Europa von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Auf ihr kümmerte er sich um die Gesundheit von Crew und Passagieren.

„Ich liebe das Meer“, sagt Dr. Stefan Pollmächer aus Niederurff, der gerne segelt. Der Allgemeinmediziner arbeitet rund drei Mal jährlich als Schiffsarzt.

Damit hat Stefan Pollmächer es geschafft, seine Leidenschaft zur See mit seinem Beruf zu verbinden. Ab Ende Dezember war er für acht Wochen auf der MS Europa in der Südsee unterwegs. Das Kreuzfahrtschiff von Hapag-Lloyd gleiche einem schwimmenden Grandhotel.

Schauspieler, andere Promis und Sportler schätzen die Suiten mit eigenem Butler-Service. Pollmächers für Mai geplanten dreiwöchigen Einsatz auf dem Luxuskreuzfahrtsegelschiff Sea Cloud vereitelte die Coronakrise.

Stefan Pollmächer (links) mit dem norwegischen Kapitän der MS Europa. Unter seinem Kommando stand der Niederurffer auf der Fahrt durch die Südsee.

„Man hat viel Verantwortung und 24 Stunden Dienstbereitschaft“, sagt der 60-Jährige, der auf See immer über ein Funkgerät erreichbar ist. Als Schiffsarzt ist Pollmächer, der mit der Alten Pfarrei in Niederurff kulturelle Veranstaltungen aufs Land holt, in medizinischen Fällen sowohl Ansprechpartner für Besatzungsmitglieder als auch für Passagiere – rund 800 Menschen.

Stefan Pollmächer aus Niederurff verarztet Passagiere und Besatzung

Morgens und abends kommen sie mit Zahnabszessen, Verdauungsproblemen, Erkältungen, Prellungen, Brüchen und Wunden in seine Sprechstunde im schiffseigenen Hospital. „Ich schaue, was ich im jeweiligen Fall an Bord machen kann und koordiniere dann die weitere Versorgung im nächsten Hafen.“

Dort werden die Patienten dann an Fachärzte oder direkt an Krankenhäuser übergeben. Auch die Hygiene an Bord und die Qualität des Trinkwassers obliegen ihm als Schiffsarzt.

Nach einem Landgang muss Pollmächer bei den Passagieren häufig Sonnenstiche und von Seeigeln eingefangene Stacheln behandeln. Und wie ist es mit der Seekrankheit? „Ab Windstärke sechs hat man damit zu tun. Dann ist die Praxis voll.“

Schiffsarzt übernachtete neben der Intensivstation

Um den vielfältigen medizinischen Einsatzgebieten eines Schiffsarzts gerecht zu werden, musste sich der Allgemeinmediziner auch Kenntnisse in der Zahnheilkunde und der Chirurgie aneignen – schließlich ist er auf hoher See meist weit und breit der einzige Arzt. Erst ab etwa 1000 Passagieren gebe es zwei Mediziner an Bord. Aus Sorge um einen Patienten in kritischem Zustand hat er deshalb auch schon im Zimmer neben der Intensivstation übernachtet.

Die Crew an Bord der MS Europa ist international, die Sprache untereinander und bei der medizinischen Dokumentation deshalb Englisch. Für Pollmächer, der unter anderem in London (England), Ontario (Kanada) studiert hat, ist das kein Problem. Haben die Passagiere Landgang, könne auch der Schiffsarzt von Bord gehen, bleibe aber in Bereitschaft.

Geplanter Einsatz des Schiffsarztes ist noch nicht sicher

Seine Frau begleitet Pollmächer hin und wieder auf seinen Abenteuern auf See. Trotz Coronakrise arbeitet er vom 1. bis 11. August auf dem Flusskreuzfahrtschiff MS Chopin als Schiffsarzt.

„Die meisten großen Kreuzfahrtschiffe fahren noch nicht. Die Häfen lassen sie nicht rein. Es wird sich zeigen, wie es für diese Schiffe weitergeht“, sagt Pollmächer. Ob sein ab Januar 2021 geplanter Einsatz auf der Hanseatic Nature stattfindet, steht noch nicht fest. Ziel wäre die Antarktis.

Von Christina Zapf

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