Sehnsucht nach Öffnung

Vereine kümmern sich weiterhin um Dorfgemeinschaftshäuser

Vor dem Dorfgemeinschaftshaus Oberurff-Schiffelborn stehen Eduard Dippel (von links) und Tamara Bornkessel.
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Vor dem Dorfgemeinschaftshaus Oberurff-Schiffelborn: Eduard Dippel (von links) und Tamara Bornkessel.

Die Dorfgemeinschaftshäuser in Wenzigerode und Oberurff-Schiffelborn sind aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Beide werden von Vereinen betrieben. Diese hoffen darauf, auch wieder Feiern ausrichten zu können.

Seit Mitte März finden keine Veranstaltungen mehr in den Dorfmittelpunkten statt. Dennoch bleibt Eduard Dippel, Vorsitzender des Vereins „Interessensgemeinschaft Oberurff-Schiffelborn“ und Ortsvorsteher, optimistisch: „Wenn das Okay kommt, kommen wir aus dem Feiern nicht mehr raus“, sagt Dippel über eine mögliche Wiederöffnung des Dorfgemeinschaftshauses.

Seit dem 13. März ist das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Oberurff-Schiffelborn geschlossen. „Die Einnahmen sind eingebrochen“, sagt Dippel. Seit Januar liegen die Einnahmen aus Miete und Getränkeverkauf bei 5,5 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2019. In den drei Jahren, seit der Verein das DGH übernommen hat, hat er rund 9000 Euro in das Objekt investiert. Auch für Projekte in Oberurff-Schiffelborn, etwa den Spielplatz, gibt der Verein Geld. „Wir sind nicht auf große Geschäfte aus, sondern wollen die Dorfgemeinschaft stärken.“ „Wir leben von unseren Rücklagen, verwalten und tragen die laufenden Kosten“, sagt Dippel.

DGH Oberurff-Schiffelborn: Verein hat Rücklagen gebildet

Jedes Jahr legt der Verein mit rund 30 Mitgliedern etwa 1500 Euro zurück. Doch die Corona-Pandemie reißt ein Loch in die Vereinskasse: Frühschoppen, Altennachmittag, Knobelrunde, Gottesdienst, Chorproben, Kinderbasar, Sonntagscafé, Schlachtessen und weitere Veranstaltungen fallen aus. Auch der Jugendraum kann derzeit nicht benutzt werden. Rund 2700 Euro an Einnahmen fehlen dem Verein dadurch. „Noch können wir von den Rücklagen leben, aber wenn wir dieses Jahr keine Einnahmen mehr haben, haben wir nächstes Jahr ein Problem“, sagt Dippel.

Doch das ist nicht alles: „Ich mache mir Sorgen, dass das soziale Gefüge des Ortes aus den Fugen gerät“, sagt Dippel. Im Gemeinschaftshaus treffen sonst Jung und Alt aufeinander. „Diese Begegnungen gibt es jetzt nicht.“ Eine Öffnung des Dorfgemeinschaftshauses sei derzeit nicht machbar, denn eine Einhaltung der Hygiene-und Abstandsregeln ist laut Dippel weder kontrollier- noch umsetzbar. Die nächste geplante Veranstaltung sei deshalb eine Geburtstagsfeier am 19. Dezember.

Im Dorfgemeinschaftshaus Wenzigerode: Mike Lauer (von links) und Thomas Frank fehlen Einnahmen.

„Wir haben ein Budget, um die Corona-Pandemie zu überstehen“, sagt Mike Lauer, Vorsitzender des Vereins „Dorfgemeinschaft Wenzigerode“ und Ortsvorsteher. Aktuell dürften nur 28 Personen im dortigen DGH sitzen (eine Person pro fünf Quadratmeter). Normalerweise ist Platz für rund 120 Leute. Doch der Dorfmittelpunkt in Wenzigerode bleibt für Feiern wie alle Dorfgemeinschaftshäuser in der Gemeinde geschlossen. Auch der einzige Dauernutzer, die Band Rocking Hill – zu ihren Mitgliedern zählen unter anderem Mike Lauer und Thomas Frank, Vereinsmitglied – hat die Proben eingestellt. Die Einnahmen aus der Vermietung des Proberaums fehlen dadurch. 

Am 1. März fand im Gemeinschaftshaus Wenzigerode die letzte Veranstaltung, das Dorffrühstück, vor dem Corona-Lockdown statt. 88 mal wurde das DGH 2018 genutzt. 2019 wurde es 91 mal vermietet.

DGH Wenzigerode: Verein fehlen Einnahmen

Der Verein „Dorfgemeinschaft Wenzigerode“ mit 40 Mitgliedern bietet neben dem Dorffrühstück unter anderem auch einen Ostermarkt, ein Dorfcafé und Kinoabende an. Diese Veranstaltungen mussten ebenso ausfallen, wie ein Dorfabend mit Dia-Vorführung, die Bewirtung einer Wandergruppe, eine Hochzeit, eine Geburtstagsfeier und ein Nähkurs. Rund 1500 Euro fehlen dem Verein durch die Absage der Veranstaltungen. Seine Einnahmen investiert er in das DGH.

Nach einer Industriespülmaschine 2018, wurde 2019 Geld in den Schallschutz des DGH gesteckt. Gefördert wurden die dafür benötigten Akustikspiegel zu 80 Prozent aus dem Regionalbudget der Leader-Region Kellerwald-Edersee. Im Sommer soll laut Lauer eine neue Heizung eingebaut werden, gefördert über das Programm „Starkes Dorf“ der Landesregierung. Auch an Projekte in Wenzigerode geht ein Teil der Einnahmen aus den Veranstaltungen im DGH. Beispielsweise spendete der Verein Geld für neue Kirchenglocken.

Obwohl Lauer zunächst die ungewohnte Ruhe genoss, hofft er, bald wieder Veranstaltungen ausrichten zu dürfen. „Es kommt jetzt der Moment, wo es fehlt“, sagt der Vereinsvorsitzende.

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