Drohne mit Wärmebildkamera im Einsatz

Suche nach Rebhühnern auf Feldern bei Bad Zwesten

Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau übernahm die Suche nach Rebhuhngelegen auf Feldern bei Bad Zwesten.
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Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau übernahm die Suche nach Rebhuhngelegen auf Feldern bei Bad Zwesten.

Bei der zurückliegenden Heumahd in Bad Zwesten wurde eine Drohne mit Wärmebildkamera eingesetzt. Mit ihr sollte Drohnenpilot Stefan Vones Rebhuhngelege aufspüren.

Rebhühner sind seltene Bodenbrüter, die ihre Nester bevorzugt in und an Randbereichen von Wiesen, Böschungen und sonstigen Übergangsstrukturen anlegen. Bei der zurückliegenden Heumahd in Bad Zwesten wurde wie bereits 2019 eine Drohne mit Wärmebildkamera eingesetzt. Denn Rebhuhngelege werden ansonsten beim Mähen oft nicht bemerkt – und das, obwohl Landwirte und Jäger eine Vielzahl von Methoden anwenden, um genau dies zu vermeiden.

In Bad Zwesten hilft seit 2018 ein Feldflurprojekt des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) unter anderem mit Rebhuhn-Blühflächen die Zahl der Rebhühner zu erhöhen – mit Erfolg. Da coronabedingt kein Sponsor für den Drohnenflug mit Wärmebildkamera gefunden wurde, erklärte sich Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau zu einem Flug ohne Rechnungstellung bereit, um das Feldflurprojekt zu unterstützen.

Suche nach Gelegen von Rebhühnern: Die Methode

Die an der Drohne befestigte Wärmebildkamera zeichnet alle Temperaturunterschiede des abgesuchten Gebietes auf. Kältere Bereiche sind dunkler dargestellt, wärmere Bereiche hell bis weiß. So kann am Bildschirm geortet werden, wo sich eine Wärmequelle befindet. Die Flugbahn der Drohne kann manuell gesteuert werden oder automatisiert nach vorheriger Eingabe der Außengrenzen der abzusuchenden Fläche.

Rebhühner auf einem Stoppelfeld bei Bad Zwesten. Dank dem Feldflurprojekt erhöht sich die Zahl der Vögel.

Die Flughöhe beträgt zehn bis 15 Meter. Taucht auf dem Bildschirm eine Wärmesignatur auf, kann ein Helfer vom Piloten gezielt zur Wärmequelle dirigiert werden, um nachzusehen, was die Ursache ist. Rehkitze und Junghasen werden vorsichtig herausgetragen, Gelege weiträumig markiert, der Landwirt kann seine Fläche gefahrlos mähen. So bleiben die Jungtiere am Leben und das Futter frei von Verunreinigungen.

Suche nach Gelegen von Rebhühnern: Die Suche

Im Sommer wurden laut einer Mitteilung des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen drei zu mähende Wiesen und die hieran angrenzenden Wegränder und Böschungen auf der Suche nach Rebhühnern und Rehkitzen abgeflogen. Insgesamt eine Fläche von rund vier Hektar.

Auf zwei der beiden Wiesen gab es durch mehrfache Sichtungen von Rebhuhn-Paaren den Verdacht des Vorhandenseins eines Geleges. Die dritte Wiese grenzte mit ihrer Längsseite direkt an eine für das Rebhuhnprojekt angelegte mehrjährige Blühfläche. Auf der Wiese wurden mehrere frische Kitz-Betten gefunden; das zugehörige Kitz lag allerdings in der Blühfläche.

Suche nach Gelegen von Rebhühnern: Keine Wärmesignatur

Die erste Wiese mit Gelege-Verdacht wurde abgeflogen, ohne eine Wärmesignatur zu finden. In einem Bereich der Wiese mit sehr dichtem Bewuchs und Übergang in eine Hecke wurde zusätzlich zur Sicherheit noch mit einem Vorstehhund abgesucht – ebenfalls ohne Erfolg.

Bei der später durchgeführten Mahd beobachtete der Landwirt jedoch einen Rebhahn mit typischem Verleit-Manöver (zur Ablenkung von Gelege und brütender Rebhenne) und ließ deshalb, dort wo er das Rebhuhngelege vermutete, einen breiten Streifen Gras stehen. Auf der zweiten Wiese mit Gelege-Verdacht fand sich im oberen Bereich im Übergang zur Böschung eine Wärmesignatur; dieser Bereich wurde markiert und bei der Heumahd vom Landwirt weiträumig ausgespart.

Suche nach Gelegen von Rebhühnern: Kaum Erfahrung beim Einsatz von Wärmebildkameras

Laut Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen gibt es bisher nahezu keine Erfahrungen zur Gelege-Rettung per Wärmebildkamera. In Bad Zwesten befand sich trotz Drohnenflug und Hundesuche ein Rebhuhngelege in einer der abgesuchten Mähwiesen. Um den Grund dafür herauszufinden, nutzte Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau die Haushühner seiner Nachbarn für ein Wärmebild-Experiment.

Aber auch die deutlich größeren Haushühner lieferten im Gegensatz zu Rehkitzen ebenfalls nur eine schwache Wärmesignatur. Somit müsse davon ausgegangen werden, dass es, zumindest, wenn das Umfeld aufgeheizt ist, fast unmöglich ist, eine auf dem Nest sitzende Rebhenne per Wärmebild zu lokalisieren, da ihr Gefieder die Körperwärme zu gut abschirmt und sie somit keine sichtbare Wärmesignatur hinterlässt.

Suche nach Gelegen von Rebhühnern: Erkennungsrate weiter erhöhen

„Ab 10 oder 11 Uhr wird es schwierig auf der Wärmebildkamera Rebhühner zu sehen“, sagt Stefan Vones, der auch 2019 die Felder mit seiner Drohne auf diese Weise absuchte. Bei der diesjährigen Suche seien die Temperaturen morgens noch mild gewesen – rund 15 Grad. Dann seien sie aber rasch angestiegen. Kurz vor Ende der Suche seien es 23 Grad gewesen.

Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau übernahm die Suche nach Rebhuhngelegen auf Feldern bei Bad Zwesten.

„Wir haben die Suche um 7.30 gestartet und so um 10 Uhr beendet.“ Obwohl der Drohnenflug mit Wärmebildkamera nicht den gewünschten Erfolg versprach, möchte der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen weiterhin am Drohneneinsatz festhalten. „Es soll durch Anpassung verschiedener Parameter versucht werden, die Erkennungsrate weiter zu erhöhen“, sagt Karl-Josef Walmanns, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Strenge Regeln für Drohnenflug

Nicht überall darf laut Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit einer Drohne geflogen werden: Naturschutzgebiete sind ebenso tabu wie unter anderem Kliniken, Krankenhäuser und Behördengebäude. Der Flug sollte bei der Polizei angemeldet werden, außerdem muss er von der Landesluftfahrtbehörde genehmigt werden.

Darüber hinaus ist für einen Drohneneinsatz das Einverständnis des Eigentümers der überflogenen Flächen einzuholen. Zukünftige Drohnenpiloten brauchen ab einem Drohnengewicht von zwei Kilogramm einen Sachkundenachweis, die Vorgaben der Drohnenverordnung sind zu beachten.

Von Christina Zapf

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