Das geht unter die Haut

Tattoo-Boom: Jeder Elfte ist in Deutschland tätowiert

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Ihre Tätowierungen bleiben ein Leben lang: Melanie und Marcus Grabosch.  

Anker, Fabelwesen, Liebesschwüre: Anfangs waren es Seemänner, die sich Motive unter die Haut stechen ließen. Doch das hat sich geändert. Jeder Elfte ist in Deutschland tätowiert.

Mittlerweile sind Tätowierungen für viele Menschen – quer durch alle Gesellschaftsschichten – eine Möglichkeit, die Haut als Spiegel des Ichs zu nutzen. 6,3 Millionen Menschen in Deutschland tragen laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg ein Tattoo, der Bundesverband der Tätowierer spricht von bis zu acht Millionen.

Am Wochenende wird die Tattoomenta-Messe wieder viele Tattoo-Künstler und Besucher nach Kassel locken. Und: Im Museum für Hamburgische Geschichte wird zum ersten Mal dem Urvater der Deutschen Tätowierer, Christian Warlich, eine Ausstellung gewidmet. Wir haben mit Melanie und Marcus Grabosch vom Tattoostudio Hieb- und Stichfest in Bad Zwesten über den Tattoo-Boom gesprochen.

Die Trends

Die Trends sind so vielfältig wie ihre Träger: Tattoos mit realistischen Motiven stehen gerade weit vorne. Auch Haustier- oder Kinderbilder sieht man immer wieder. Ein Dauerthema seien Unendlichkeitsschleifen und Federn, sagt Melanie Grabosch. 

Auch Namen und Schriftzüge seien beliebt. Nicht mehr so angesagt dagegen „das Arschgeweih und kleine Sterne“. Überhaupt rät sie von zu winzigen Tattoos ab. „Die Haut altert mit uns und die Tätowierungen verändern sich etwas im Laufe der Jahre. Da kann ein zu kleines Tattoo schnell breiig aussehen.“

Die Schmerzen

Auf einem Quadratzentimeter Haut befinden sich im Schnitt rund 170 Nervenenden. Eine Tattoo-Nadel sticht pro Sekunde zwischen 50 und 150 Mal unter die Haut – das kann wehtun. Aber wo genau schmerzt es am meisten? Eine klare Antwort gibt es nicht. 

„Jeder Mensch hat ein anderes Schmerzempfinden“, so Grabosch. Ein Beispiel: Während Marcus Grabosch eine Tätowierung am Kehlkopf sehr weh tat, empfand seine Partnerin die Stiche dort als „nicht so schlimm“. Eher weniger empfindlich seien Oberarme und Schulterblatt. Aber: Unterm Strich zwickt so ungefähr jede Körperstelle beim Tätowieren.

Die Haltbarkeit

Eine Tätowierung bleibt einem ein Leben lang. Schwierig wird es deshalb immer dann, wenn einem die eigene Haut eines Tages peinlich wird – Tattoo-Träger ihre gestochenen Motive bereuen. Womöglich, weil ein Bild an eine ehemalige Liebe erinnert. 

„Ein Cover-Up ist die Möglichkeit, ein ungeliebtes Tattoo zu verändern. Aber das funktioniert nicht immer“, sagt Grabosch. Und das Entfernen von Tattoos sei langwierig, kostspielig und vor allem schmerzhaft. „Manchmal verschwindet dadurch auch nicht alles.“

Die Tabus

Fast jeder Elfte ab 16 Jahren trägt in Deutschland also ein Tattoo. Besonders beliebt sind die dauerhaften Körperbemalungen bei 25- bis 34-Jährigen, von denen 22 Prozent tätowiert sind. Das hat Tobias Lobstädt von der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. 

Zwar gibt es keine gesetzliche Regelung, doch für Graboschs ist das Tätowieren Minderjähriger ein Tabu. Selbst wenn eine Einverständniserklärung der Eltern vorliege, würde sie das ablehnen.

 „Ein Tattoo bleibt meistens für ein Leben lang und um sich dafür zu entscheiden, sollte man eine gewisse Reife haben.“ Weiteres Tabu: „Niemals politische – schon gar keine rechten – Symbole oder Ansichten.“

Die Tipps

Man sollte immer zum Profi gehen, sagt Melanie Grabosch. „Bei richtig guten Studios hat man Wartezeiten von einem Jahr und mehr.“ Man sollte auf die Sauberkeit im Studio achten, sich beraten lassen und Fragen stellen. Und natürlich sollte man sich über das Motiv der Wahl Gedanken machen.

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